Stadt Gießen

Stadtlandschaften, Kostüme, Tiere

»April apes« heißt im weiteren Sinne passend die neue Ausstellung in der Galerie 23. Es sind diesmal drei Künstler vertreten, die ihre Arbeiten in drei Werkgruppen zeigen: Meiki Beck, Leonore Poth und Eric Kosuch. Der Titel stammt von einer Arbeit Becks.
08. April 2019, 22:11 Uhr
der Redaktion
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Bei der Vernissage in der Galerie 23. (Foto: bf)

In ihrer Eröffnung stellte die Leiterin der Galerie, Andrea Lührig, die Künstler wortgewandt und prägnant im Einzelnen vor. »Den Titel zu unserer Werkschau haben wir uns vom Bild gleichen Namens bei Meiki Beck ausgeliehen«, klärte sie eine Frage, die diskret im Raum schwebte. Am Freitag war die wie üblich gute besuchte Eröffnung.

Die Frankfurterin Leonore Poth, Tochter des berühmten Satirikers, Zeichners und Karikaturisten Chlodwig Poth (1930 bis 2004) kam durch eine Teilnehmerin an einer früheren Ausstellung der Galerie nach Gießen. »Wir waren von ihren Arbeiten begeistert«, sagte Lührig. Poth arbeitet seit 1987 als freiberufliche Zeichnerin, Illustratorin und Animationsfilmerin. Seit 2018 hat sie einen Lehrauftrag für Kinderbuchgestaltung an der Philips-Universität Marburg inne, 2013 erhielt sie den Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis für die Animation der »Schönen Annalena«. In Gießen zeigt sie Stadtlandschaften, »deren Leichtigkeit angesichts der dargestellten Objekte überrascht: Hochhäuser, Brücken, Kräne, Bagger. Ihr gelingt dieses Spiel zwischen materieller Schwere und schwereloser Atmosphäre«, sagte Lührig. »Und obwohl der Mensch als Sujet in keiner ihrer Zeichnungen vorkommt, scheint er doch heimlich vertreten durch all diese menschgemachten Bauten und Maschinen.«

Die Gießenerin Meiki Beck »haben wir schon seit Längerem im Auge«, sagte Lührig und betonte deren Vielseitigkeit. »Selbst gestaltete Kostüme und Schaufensterpuppen« und eigene Werke prägten ihr Atelier, »und immer wieder Zitate und Sprüche«. Sie scheine die Kunst »in allen möglichen Dingen zu suchen und zu finden«. Ihr Stil sei wild und doch wohl überlegt. Wichtig sei, »dass ihre Bilder ihre Offenheit behalten, denn nichts langweilt sie mehr als ein Bild, das sie logisch versteht.« Klar wird sofort, dass Beck weiß, wie man Wirkung erzielt, fast jede ihrer explosiven Mischtechniken belegt das, und die titelgebenden »April apes« sind ein sehr gutes Bespiel.

»Der fantastische Eric Kosuch gehört seit zehn Jahren zum Atelier 23«, fuhr Lührig fort. »Für seine typischen Tierzeichnungen« brauche er nur wenige Linien, mit denen er »das Wesen seiner Figuren auf beeindruckende Weise« einfange. »Mit verdünnter Aquarellfarbe erweckt er diese dann zu farbigem Leben.« Seine Neugier und wissenschaftlichen Kenntnisse der porträtierten Lebewesen seien beeindruckend. Tatsächlich besitzen seine Mischtechniken einen gewissen trockenen, fast lakonischen Humor, der sich spezifisch zu einem eigenen Stil formt, bei dem er selbstbewusst einige Verlaufspuren bestehen lässt.

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