02. November 2009, 19:00 Uhr

Stadtbibliothek speichert Internet-Daten

Gießen (kw). Welche www-Adressen hat wer wann angeklickt und welche Dateien heruntergeladen? Diese Informationen speichert die Stadt künftig von allen, die in der Stadtbibliothek das Internet nutzen.
02. November 2009, 19:00 Uhr

Gießen (kw). Welche www-Adressen hat wer wann angeklickt und welche Dateien heruntergeladen? Diese Informationen speichert die Stadt künftig von allen, die in der Stadtbibliothek das Internet nutzen. Ein halbes Jahr lang werden die Protokolle aufgehoben. Sie dienten ausschließlich dazu, »Missbrauchsfälle aufzuklären«, betonte Kulturdezernent Harald Scherer auf AZ-Anfrage. Datenschutzrechtlich sei diese Maßnahme geprüft worden.

Die Datenspeicherung ist Bestandteil der Änderungssatzung zur Benutzungsordnung der Bibliothek, die in der anstehenden Sitzungsrunde im Stadtparlament verabschiedet werden soll. Schon in der bisherigen Fassung war festgehalten, dass an den Bücherei-Computern keine Seiten »gewaltverherrlichenden, pornografischen, rassistischen, jugendgefährdenden oder sonstigen illegalen Inhalts« aufgerufen werden dürfen. Nun heißt es im Paragrafen 4, Absatz 10 weiter: »Die Stadt Gießen behält sich vor, folgende Daten der Internetnutzung zu protokollieren: Anmeldekennung, Adresse des Rechners, Datum und Uhrzeit, aufgerufene Internetseiten, heruntergeladene Dateien und Volumen des Datentransfers. Diese Protokolldateien werden für einen Zeitraum von 180 Tagen gespeichert.«

Verwendet würden sie nur, »wenn einmal etwas passiert«, erläutert Scherer. »Natürlich haben wir den Datenschutz im Vorfeld problematisiert und geprüft.« Entschieden habe sich die Stadt schließlich für die Regelung, dass jeder Nutzer, der sich am Computer anmeldet, zunächst auf die Speicherung hingewiesen wird. Er muss per Mausklick sein Einverständnis erklären, bevor er im Netz surfen kann. Ähnliche Regelungen gibt es auch in vielen anderen deutschen Bibliotheken. »Wir sehen uns in der Verpflichtung: Wenn wir den Zugang zum Internet öffnen, soll der rechtskonform sein«, so Scherer. Vorstellbar sei nicht nur das Ansehen von Pornoseiten, sondern zum Beispiel auch das Senden einer Erpresser-Mail.

Jeder Leseausweis-Inhaber kann in den neuen Räumen der Stadtbibliothek im Rathaus bis zu einer Stunde täglich kostenlos online gehen. Eine Computerreservierung ist möglich. Auch diese Modalitäten werden in der neuen Benutzungsordnung festgehalten.

Die übrigen Änderungen beziehen sich vor allem auf den modernisierten Bestand. So werden die Nutzer nicht mehr verpflichtet, Musik- und Videokassetten zurückgespult abzugeben, weil diese überhaupt nicht mehr verliehen werden.

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