01. Mai 2008, 21:16 Uhr

Stadtbeleuchtung ohne Lichtplaner des BID?

Gießen (mö). In der Diskussion um eine neue Beleuchtung für die Gießener Innenstadt und nach der Präsentation des Stuttgarter Lichtarchitekten Mario Hägele am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss hat der Magistrat am Mittwoch eine Lösung angekündigt.
01. Mai 2008, 21:16 Uhr

Gießen (mö). In der Diskussion um eine neue Beleuchtung für die Gießener Innenstadt und nach der Präsentation des Stuttgarter Lichtarchitekten Mario Hägele am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss hat der Magistrat am Mittwoch eine Lösung angekündigt. Der hauptamtliche Magistrat und die Koalitionsfraktionen von CDU, Grünen und FDP werden ein »gemeinsames Konzept« zu einer Innenstadt-Beleuchtung vorlegen, kündigte Stadtsprecherin Franziska Ott an. Es müsse »aber nicht zwangsläufig Hägele sein«, ließ Ott gleichzeitig offen, wer die Stadtbeleuchtung planen soll. Zunächst müsse der Vortrag Hägeles »ausgewertet und besprochen« werden. Der BID Seltersweg hatte am Montagabend seine Erwartung bekräftigt, dass der Schwabe demnächst einen Planungsauftrag von der Stadt erhält, im Seltersweg eine Probeinstallation mit zirka 15 Lampen durchführt und dass das Hägele-Konzept für den Seltersweg danach bis zum kommenden Weihnachtsgeschäft umgesetzt wird. BID-Sprecher Heinz-Jörg Ebert sieht die städtische Politik am Zug: »Wir warten jetzt mal ab, was dort passiert.«

Zwei Tage nach besagter Ausschusssitzung ist Bau- und Planungsdezernent Thomas Rausch (CDU) unter heftigen Beschuss der Opposition geraten. Rausch, der das Konzept des BID-Wunschplaners kritisch sieht, hatte der rund zweistündigen Präsentation am Montag beigewohnt, ohne sich in die Diskussion einzuschalten. Wohl auch die anwesenden BID-Vertreter hatten erwartet, dass Rausch seine Kritikpunkte anspricht, um Hägele die Möglichkeit zu geben, darauf einzugehen. Dies geschah nicht, dafür gab der Stadtrat tags darauf gegenüber dem Gießener Anzeiger eine kritische Bewertung des Hägele-Auftritts ab und bezeichnete dessen Konzept als »schmal«.

Rauschs Schweigen im Ausschuss wird von den Freien Wählern als »Affront« gewertet. Fraktionsvorsitzender Johannes Zippel erklärte am Mittwoch in einer Pressemitteilung: »Statt wie ein in Stein gehauener Buddha die Vorstellung des Beleuchtungskonzeptes an sich abprallen zu lassen, hätte man erwarten können, dass Rausch sich offensiv mit den Vorstellungen auseinander setzt. Wir werten dies als einen Affront nicht nur gegenüber dem Vortragenden, den anwesenden BID-Vertretern und Geschäftsleuten, sondern auch gegenüber den anwesenden Stadtverordneten. « Zippel fragt: »Wie sollen Stadtverordnete über eine Sachfrage entscheiden können, wenn der zuständige Fachdezernent nicht in der Lage ist, seine Kritikpunkte in einer öffentlichen parlamentarischen Sitzung zu äußern und auszutragen?« Die Freien Wähler erwarten von der Koalition jetzt eine »eindeutige Stellungnahme zum Beleuchtungskonzept«.

Auch die SPD wird den Druck erhöhen, wenn Magistrat und Koalition in den nächsten Wochen nichts vorlegen werden. »Es muss jetzt eine Entscheidung her, so oder so«, sagte SPD-Fraktionschefin Dietlind Grabe-Bolz. Die BID-Aktiven über eine derart lange Zeit so in der Luft hängen zu lassen, sei eine »große Stillosigkeit« des Magistrats und das Schweigen der Hauptamtlichen am Montagabend beredt gewesen. »Da hat doch schon die Körpersprache Ablehnung signalisiert«, hat die Sozialdemokratin beobachtet. Die Konzeption Hägeles bezeichnete Grabe-Bolz als »faszinierend«. Gleichwohl müsse geprüft werden, für was die Stadt angesichts ihres Schuldenbergs Geld ausgibt. Erschrocken ist Grabe-Bolz über die Tatsache, dass zwei Planungen zur Umgestaltung der Fußgängerzone nicht aufeinander abgestimmt worden seien.

BID-Sprecher Ebert erinnerte die politischen Entscheidungsträger gestern im AZ-Gespräch nochmals daran, dass es Geschäftsleute und Hauseigentümer seien, die für die neue Seltersweg-Beleuchtung den »Löwenstanteil« aus privaten Geldmitteln des BID zur Verfügung stellten. »Das Geld ist da, es liegt auf unserem Konto, aber wir kommen nicht zu Potte«, stellte Ebert fest. Das Weihnachtsgeschäft 2008 wolle er aber nicht zur »Deadline« erklären. »Wenn die Beleuchtung erst 2009 kommt, dann kommt sie eben erst 2009.« Was jetzt gebraucht werde, sei ein Signal der Politik, dass die Stadt das Beleuchtungsprojekt will und unterstützt. Der BID-Sprecher geht davon aus, dass Hägele mit im Boot bleiben wird. Ebert: »Es kann aber auch ein Zeitpunkt kommen, an dem er sagt, mit Gießen will ich nichts mehr zu tun haben, wenn seine Arbeit weiter so diffamiert wird.«



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