19. Januar 2014, 19:03 Uhr

Stadt begrüßt 16 neue deutsche Staatsbürger

Gießen (rk). Mit einem Empfang hieß der Magistrat der Stadt Gießen am Freitagabend die neuen deutschen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen in Gießen Willkommen. 16 Männer und Frauen waren in das Rathaus gekommen, um ihre Einbürgerungsurkunde in einer feierlichen Zeremonie entgegen zu nehmen.
19. Januar 2014, 19:03 Uhr
OB Grabe-Bolz (l.), Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz (2.v.l.) und die Dezernentin für Integration, Astrid Eibelshäuser (r.), mit den neu Eingebürgerten. (Foto: rk)

Stolz hält Anja Barbara Egger ihre Einbürgerungsurkunde in der Hand, die ihr soeben von Astrid Eibelshäuser, Dezernentin für Integration, überreicht wurde. Es ist ein großer Tag für Eggers. Nach über 25 Jahren in Deutschland ist sie heute deutsche Staatsbürgerin geworden. Lange habe sie über diesen Schritt nachgedacht. Doch dann sei es plötzlich ganz klar gewesen: »Deutschland ist mein Zuhause«, sagt die gebürtige Polin. Hier habe sie ihre Freunde, sich beruflich als Künstlerin etabliert. Längst fühle sie sich nicht mehr als Fremde in der Stadt. »Mein Herz ist hier, in Gießen.«

Voraussetzungen notwendig

Egger ist eine von 90 Kandidaten, die sich seit dem letzten Einbürgerungsempfang im September 2013 dafür entschieden haben, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Für jeden von ihnen begann das Einbürgerungsverfahren mit einem Antrag bei der Verwaltungsbehörde, wo die Eingabe durch verschiedene Unterlagen vervollständigt und dann von der Einbürgerungsbehörde abschließend bearbeitet wurde. Um eingebürgert zu werden, mussten sie außerdem seit mindestens acht Jahren in Deutschland gelebt haben, ausreichende Deutschkenntnisse besitzen und ein staatsbürgerliches Grundwissen verfügen, das in einem Einbürgerungstest abgefragt wurde. 330 Fragen aus Politik, Geschichte, Sprache und dem sozialen Leben mussten sie beantworten. »Es waren teilweise sehr schwierige Fragen, die selbst meine deutschen Kollegen nicht beantworten konnten«, verrät Egger. Schließlich sei aber doch noch alles gut gegangen.

Die frisch Eingebürgerten kommen aus 30 verschiedenen Nationen – die meisten von ihnen aus der Türkei (30) und Eritrea (8). »Es sind viele junge Familien mit dabei«, berichtet Eibelshäuser. »Der Jüngste ist ein Jahr, die Älteste 89 Jahre alt«. Sie kamen als Studierende, im Rahmen von Familienzusammenführungen, aber auch als Flüchtlinge nach Gießen, so wie Dilo Alyas. Vor zwölf Jahren floh er vor der diktatorischen Regierung Saddam Husseins aus dem Irak über die Türkei und Österreich bis nach Deutschland. »Am Anfang war es sehr schwierig«, erzählt der 30-Jährige. »Ich war allein, konnte die Sprache nicht«. Um sich über Wasser zu halten, schlug er sich mit Aushilfsjobs in der Gärtnerei und der Gastronomie durch. Heute ist er Koch in einem Restaurant mit türkischen Spezialitäten. Inzwischen hat er auch seine Mutter, die er damals bei seiner Flucht im Irak zurücklassen musste, nach Deutschland gebracht und ist selbst Vater einer Tochter. »Seitdem ich meine Familie habe, bin ich sehr zufrieden. Jetzt ist Deutschland meine erste Heimat«. Was ihm an Gießen besonders gefällt? »Der Seltersweg«, sagt Alyas und lächelt. »Wenn ich den Seltersweg entlang laufe und all die Menschen sehe, habe ich das Gefühl in einem friedlichen Land zu leben.«

»Sie sind nun Botschafter für ein demokratisches Land und für unsere Stadt«, betonte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Sie wies die neuen Bürger nicht nur auf ihre neuen Bürgerrechte, sondern auch auf ihre Pflichten hin und ermunterte sie, sich in Politik und Vereinen zu engagieren und somit Verantwortung zu übernehmen und auch von ihrem Recht zu wählen Gebrauch zu machen. Die Entscheidung für eine deutsche Staatsbürgerschaft falle nicht immer leicht. »Viele Menschen hängen noch an ihren Wurzeln«. Umso mehr lobte sie das Vorhaben der neuen Bundesregierung, in deren Koalitionsvertrag die Akzeptanz einer Mehrstaatlichkeit vorgesehen sei. Dies werde dem »berechtigten Wunsch der Bürger nach beiden Identitäten« gerecht, so Grabe-Bolz.

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