04. Oktober 2018, 11:00 Uhr

Herbstmesse

Spaß, Stress und Zukunftsangst auf der Gießener Herbstmesse

Fünf Familien von GAZ-Lesern schauen hinter die Kulissen der Herbstmesse. Die Glitzerwelt hat auch Schattenseiten, etwa Bürokratie und Ungewissheit, erfahren sie.
04. Oktober 2018, 11:00 Uhr
Ein Autoscooter-Fahrzeug von unten erkunden, den Flying Swing ansagen und steuern, Bürokratie-Hürden kennenlernen: Vielfältige Einblicke in die Arbeit der Schausteller bekommen die Familien von fünf GAZ-Lesern. (Foto: jeb)

Was Kindern und anderen Besuchern großen Spaß bereitet, bedeutet für Schausteller oft Stress und auch ein bisschen Zukunftsangst. Das wurde deutlich bei einer exklusiven Führung über die Herbstmesse. Fünf Familien hatten bei einer Verlosung dieser Zeitung gewonnen und durften vor Beginn des öffentlichen Betriebs einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Toilettenwagen mit Wickeltisch

Die Gießen Marketing GmbH und der Schaustellerverband Mittelhessen seien darum bemüht, die Herbstmesse vom »zweitgrößten Volksfest in Mittelhessen zum größten Familienfest« weiterzuentwickeln, eröffnet der Schausteller Max Wagner. Nachdem das Angebot der Fahrgeschäfte bereits familienorientierter geworden sei, stehe auf dem Gelände diesmal erstmals ein betreuter Toilettenwagen mit Behindertenkabine und einem Wickeltisch zur Verfügung.

Die bunten und schillernden Geschäfte bringen während des Rundgangs so manche Kinderaugen zum Leuchten. Doch man kann auch einiges lernen: Am Auto-Scooter der Familie Kreuser gibt es nicht nur eine freie Spritztour auf dem Fahrareal, sondern auch einen exklusiven Blick unter eines der Fahrzeuge. Außerdem erklären die Mitarbeiter, wie so ein Gefährt genau funktioniert. Wagner kommentiert lachend: »Wie hatten in den 70er-Jahren bereits Elektroautos, da hat noch keiner dran gedacht.«

Schwere Lasten, lange Wege

Täglich werden die Fahrzeuge, 25 an der Zahl, gewartet, gereinigt und geprüft. Der Auf- und Abbau wird von wenigen Mitarbeitern erledigt. Auf vier Schwertransporten werden die Bauteile des Fahrgeschäfts angeliefert, was die Schausteller mehrere Tausend Euro kostet. Zudem müssen die Fahrer häufig große Umwege auf sich nehmen, weil für einige Autobahnstrecken keine Genehmigungen für Schwertransporte vorliegen. »Da können aus 150 Kilometern schnell mal 350 werden«, kommentiert ein Betreiber.

Auch unter den Musik-Express dürfen die Familien einen Blick werfen und die fünf Motoren bestaunen, die das Gefährt auf 14 Umdrehungen pro Minute antreiben. Das Flying Swing dürfen die Kinder sogar selbst ansagen, mit Musik untermalen und steuern.

Jedes Jahr neu bewerben

Zur Sprache kommen auch die Arbeitsbedingungen der Schausteller. Selbst jene, die fast jedes Jahr dabei sind, haben keine Garantie dafür, dass sie auf der nächsten Messe wieder aufbauen dürfen. Jede Saison müssen sie sich bei der jeweiligen Gemeinde neu bewerben. Selbst für Raritäten wie das Remmi Demmi, ein überdachtes Laufgeschäft mit über 220 Quadratmetern Gesamtfläche, senden die Besitzer im Jahr bis zu 500 Bewerbungen hinaus – und bekommen teilweise lediglich 20 Zusagen zurück.

Stationäre Freizeitparks gewännen zunehmend an Beliebtheit und die Anzahl an ausgerichteten Messen in Gemeinden nehme spürbar ab. »Das ist eine Arbeit, die Herzblut erfordert. Wichtig ist auch die Identifikation mit der eigenen Attraktion und der Spaß am Job«, sagt Steven Zey, der ein Eisgeschäft führt.

Bricht lange Familientradition ab?

Wagner, Zey und Michael Renz führen ihre Betriebe bereits in der vierten oder gar fünften Generation. Ob ihr Nachwuchs das Familiengeschäft übernimmt, bleibt bei vielen offen. Die Arbeit höre nie auf, erklärt Josef Kollmann, der mit seinem G-Force aufwartet. Ständig müsse das Geschäft weiterentwickelt, modernisiert und auf den neuesten Sicherheitsstand gebracht werden. Seine Attraktion, eine rotierende Schiffschaukel, stellt sich als Highlight der Führung heraus. »Noch mal, das war so geil«, sagt ein Mädchen. Und es ist nicht das einzige. Als hätten die Schausteller diese Reaktion erwartet, gibt es am Ende des Rundgangs Freikarten.

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