21. Juni 2017, 14:00 Uhr

Ruhestand

Sparkassen-Vorstand Keil wird Hobby-Winzer

Vorstand Wolfgang Keil wird am Mittwoch nach 49 Jahren bei der Sparkasse Gießen verabschiedet. Der 64-Jährige hat spannende Hobbys. Er stand sogar schon im Ulenspiegel auf der Bühne.
21. Juni 2017, 14:00 Uhr
Die Wege der Sparkasse und von Wolfgang Keil trennen sich nach 49 Jahren: Der stellvertende Vorstandsvorsitzende wechselt zum 1. August in den Ruhestand. (Foto: Schepp)

Wenn das Rentenalter näher rückt, der Job immer noch Spaß macht und es gut um die Gesundheit steht, überlegen viele Führungskräfte, ob sie nicht doch ein paar Jahre dranhängen sollen. Für Wolfgang Keil stellte sich diese Frage nicht. Denn das Gesetz schreibt vor, dass Vorstandsmitglieder einer Sparkasse mit dem Erreichen des 65. Lebensjahrs ausscheiden müssen. Am 1. Juli vollendet der Gießener sein 65. Lebensjahr; der 31. Juli ist deshalb sein letzter Arbeitstag. Die heutige formelle Verabschiedung wurde vorgezogen, damit vor den Sommerferien möglichst viele Firmenkunden einbezogen werden können.

Ganzes Berufsleben bei der Sparkasse

Der gebürtige Nieder-Ohmener hat sein ganzes Berufsleben bei der Sparkasse Gießen verbracht. Nach der mittleren Reife in Laubach absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann, bildete sich zum Sparkassenbetriebswirt weiter, wurde Kreditsachbearbeiter und dann Firmenkundenberater. Spätestens mit der Ernennung zum Leiter des Firmenkundencenters und dann zum Direktor des Firmenkundenvertriebs war Keil in der heimischen Wirtschaft das Gesicht des Geldhauses, auch dank seines stets geradlinigen und zuverlässigen Auftretens. Das wurde belohnt: 1998 rückte er als Vertreter in den Vorstand auf.

2010 wurde er schließlich als Nachfolger von Matthias Knak zum Vorstandsmitglied ernannt. Als 2014 der Vorstandsvorsitz von Ruheständler Wolfgang Bergenthum auf Vize Peter Wolf wechselte, übernahm Keil dessen Position

Bisher war ich weitgehend fremdbestimmt, den Alltag hat vor allem meine Sekretärin bestimmt

Wolfgang Keil

Mit den Führungsaufgaben in der Sparkasse waren viele ehrenamtliche Posten verbunden, etwa im Netzwerk Wirtschaft Mittelhessen oder in den Beiräten der Gießen Marketing GmbH und der TransMIT GmbH. Dieses Engagement hat Keil inzwischen auslaufen lassen. Beibehalten will der künftige Pensionär aber andere Aufgaben, etwa als Schatzmeister des Fördervereins Garten-Stadt Gießen sowie im Beirat des Mathematikum-Trägervereins und der Hermann-Hoffmann-Akademie. Weitere Pöstchen sind Keil in den letzten Monaten schon angeboten worden. Aber er hat abgewunken: »Ich muss mich erst einmal neu sortieren«, begründet er das. »Bisher war ich weitgehend fremdbestimmt, den Alltag hat vor allem meine Sekretärin bestimmt.«

Wie er bald mit der Menge an Freizeit umgehen soll, weiß der 64-Jährige noch nicht so recht. Ganz klar ist ihm auch noch nicht, ob er das Ende seines Berufslebens bedauern oder ob er sich auf den neuen Lebensabschnitt freuen soll: »Das ist ein mulmiges Gefühl, das ich bisher gar nicht kannte.«
 

Keil stand schon im Ulenspiegel auf der Bühne

Sicher ist aber, dass Keil sich wieder verstärkt im Freundeskreis der Musik widmen wird, die er sein Leben lang zum Entspannen genutzt hat. Als Kind musste er Akkordeon lernen und spielen, doch als junger Mann entdeckte er seine Liebe zur Gitarre. In Bands mit Freunden musizierte und sang er regelmäßig, vor allem Folk- und Pop-Cover. Mit den »Chords & Voices« trat der Banker bis vor drei Jahren aber auch wiederholt bei Feiern und im »Ulenspiegel« auf.

Verstärken will der Pensionär auch die erst im Vorjahr begonnene Karriere im Golfclub Lich. Als junger Mann war er lange sportlicher Rennradfahrer. Dann folgten Jahrzehnte mit intensivem alpinen Skilauf, ehe ein schwerer Unfall das Ende setzte.

137 Kochbücher und ein Weinberg im Rheingau

Die stolze Sammlung von 137 Kochbüchern im Hause Keil in Petersweiher deutet ein weiteres Hobby des scheidenden Sparkassenchefs an. Vor allem die italienische Küche hat es ihm angetan. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf das Einkaufen und Vorbereiten. Für das Abschmecken der Gerichte ist allerdings Ehefrau Eva zuständig. »Sie hat einfach den feineren Geschmack«, sagt Keil. Das erkennt er neidlos an.

Seiner aus dem Rheingau stammenden Ehefrau verdankt Keil eine noch junge Leidenschaft: Im Weingut ihrer Familie besitzt er bereits einen kleinen Weinberg. Bisher ist er dort regelmäßig zur Pflege der Rebstöcke und zur Weinlese zu Gast. Nun erwartet die Familie, dass er als Ruheständler häufiger kommt. Und Keil hat zugesagt, mitzuhelfen im Marketing und im Vertrieb des Hauses Laquai. Nicht auszuschließen also, dass die vielen Weinkenner im Freundeskreis der Eheleute Keil bald verstärkt aus dem Rheingau beliefert werden.

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