19. Januar 2012, 21:43 Uhr

Sparkasse Gießen legt erneut starke Zahlen vor

Gießen (si). Die Sparkasse Gießen ist mit ihrer »bodenständigen Geschäftspolitik« – so Vorstandsvorsitzender Wolfgang Bergenthum – auch im Vorjahr gut gefahren. Besonders erfolgreich war sie wieder in ihrem Kerngeschäft: Geld günstig einzusammeln und es teurer zu verleihen.
19. Januar 2012, 21:43 Uhr
Die Vorstände (v. l.) Wolfgang Keil, Wolfgang Bergenthum und Peter Wolf bei der Bilanzpressekonferenz 2011. (Foto: Schepp)

Der daraus resultierende Zinsüberschuss belief sich auf nahezu unverändert knapp 50 Millionen Euro. Unterm Strich blieb der öffentlich-rechtlichen Bank ein Gewinn von 3,6 Millionen Euro – eins ihrer besten Ergebnisse aller Zeiten. »Wir sind sehr zufrieden«, sagten Bergenthum und seine Vorstandskollegen Wolfgang Keil und Peter Wolf, die am Donnerstag vor Journalisten die Bilanz 2011 vorstellten.

Bilanzsumme (1,906 Milliarden Euro) und Geschäftsvolumen (1,924 Mrd. Euro) gingen 2011 zwar zurück – zum ersten Mal seit vielen Jahren, und zwar sogar recht deutlich (um 1,5 bzw. 1,4 Prozent). Der Grund: 2010 war die Sparkasse in der komfortablen Lage, dass sie sich bei der Bundesbank zu sehr günstigen Konditionen Geld besorgen und es dann gleich mit einem Zinsaufschlag an private Banken weiterreichen konnte. Dieses lukrative Geschäft ließ sich im Vorjahr so nicht mehr wiederholen, weil sich die Kapitalausstattung der Großbanken inzwischen verbessert hat. Verkraften konnte das die Sparkasse gut, weil das Geschäft mit den Privat- und den Geschäftskunden florierte.

So stieg das Volumen der vergebenen Kredite um knapp 2 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte ging an Geschäftskunden, ein fast genauso großer Teil (45 Prozent) an Privatkunden, der Rest an Kommunen. Bei den Unternehmen zeigte sich eine weiter gestiegene Investitionsbereitschaft. Auch Immobilienkredite wurden stark nachgefragt, und zwar sowohl von gewerblicher als auch von private Seite, so Vorstand Keil. Zudem vergab die Sparkasse mehr Konsumentenkredite – auch dies Ausdruck der starken Konjunktur und der günstigen Arbeitsmarktentwicklung.

Die Einlagen der Kunden stiegen ebenfalls, und zwar noch deutlicher (3,1 Prozent) auf 1,595 Milliarden Euro. Das Geld wanderte vor allem in kurzfristige Geldanlagen – wohl in der Hoffnung auf einen Zinsanstieg, der sich dann allerdings nicht einstellte. Die Kunden hätten »Geld verschenkt«, meinte Bergenthum, der bei der Geldanlage zur längeren Laufzeiten riet. Insgesamt bevorzugten die Sparkassenkunden weiterhin konservative Spar- und Vorsorgeformen.

Im Vergleich mit den anderen 34 hessischen Sparkassen rangiert die Gießener bei den wichtigsten Kenngrößen im Mittelfeld. Die Zahl der Kunden stagnierte bei rund 131 000 – insofern blieb die vorjährige Ankündigung des Vorstandes, gezielt um Neukunden zu werben, ohne erkennbare Auswirkung. Sehr deutlich zurück ging die Zahl der Konten, nämlich um 32 000 auf 243 000. Dies sei Folge einer gewollten Bereinigung. Es seien Konten stillgelegt worden, auf denen es teils seit Jahrzehnten keine Bewegung mehr gegeben habe, hieß es.

Über die Verwendung des Gewinns wird der Verwaltungsrat entscheiden. Es gilt als sicher, dass er auch jetzt wieder vollständig in die Rücklagen wandert. Das heißt, die Bank wird weiter ihr Eigenkapital stärken. Schon jetzt erfülle die Sparkasse die verschärften Anforderungen von »Basel III«, die ab 2013 schrittweise in Kraft treten, sagte Bergenthum. Die harte Kernkapitalquote bezifferte Vorstand Wolf auf »über zehn Prozent« – ein Wert, von dem einige »systemrelevante« Großbanken nur träumen können.

Auch wenn die Gewährträger der Sparkasse Gießen – der Landkreis sowie zwölf Städte und Gemeinden – wieder nicht mit einer Ausschüttung rechnen dürfen (die letzte gab es 1994): Die Region profitiert dennoch von dem Gewinn. Die Bank habe im vergangenen Jahr 7,5 Millionen Euro an Steuern abgeführt, davon 3,5 Millionen Euro direkt an die Kommunen, sagte Bergenthum. Damit sei sie hier einer der großen Steuerzahler. Außerdem war die Sparkasse wieder als Sponsor für Spitzen- und Breitensport, Umwelt, Kultur und Soziales engagiert. Insgesamt verteilte sie knapp 550 000 Euro (ein Plus von zehn Prozent). Über 100 Vereine erhielten Zuschüsse.

Mit unverändert 32 Filialen ist das Haus in der Fläche präsent. 581 Angestellte (minus 14) waren es zum Jahresende, darunter 65 Auszubildende. Nach bestandener Prüfung werde jedem ein Arbeitsplatz angeboten, sagte der Vorstandsvorsitzende.



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