25. Februar 2016, 12:03 Uhr

Sozialwohnungen: Stadt und Wohnbau gehen in die Offensive

Gießen (mö). Die Stadt will in den nächsten Jahren »mehrere Hundert Sozialwohnungen bauen«. Das hat Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Mittwoch vor der Presse angekündigt. Eine wichtige Rolle soll dabei die stadteigene Wohnbau GmbH übernehmen.
25. Februar 2016, 12:03 Uhr
Auch am Aulweg entsteht derzeit ein Wohngebiet mit neuer Kindertagesstätte. Wohnungen für Sozialmieter indes werden bei diesem privaten Bauvorhaben nicht entstehen. Künftig soll es eine Sozialquote geben. (Foto: Manfred Henss)

»Die Wohnbau ist bereit und in der Lage, ein Neubauprogramm anzuschieben«, sagte Geschäftsführer Reinhard Thies.

Es war – im Vorfeld der Kommunalwahl am 6. März – ein wohnungspolitischer Doppelschlag des Magistrats. Am Dienstagabend wurde im Konzertsaal des Rathauses der Zwischenbericht zum Wohnraumversorgungskonzept vorgestellt, am Morgen danach legten Stadtregierung und Wohnbau nach. »Wir greifen dem Konzept mit unserem Handeln vor«, unterstrich Thies und zählte unter anderem einige »Sofortmaßnahmen« im Flussstraßenviertel und an der Margaretenhütte auf, wo »kurzfristig« zusammen 40 neue Wohnungen entstehen sollen. Bekanntlich will die Stadt bis 2018 zwei Millionen Euro in die Hand nehmen, um 65 Sozialwohnungen zu bauen und weitere 300 000 Euro für die Verlängerung der Sozialbindung von Wohnungen für Geringverdiener ausgeben.

Zudem geht die SPD-Rathauschefin davon aus, dass der Landkreis im Laufe des Jahres die sogenannten Kosten der Unterkunft von Hartz-IV-Beziehern neu ermittelt und höher ansetzt. Ferner setzt Grabe-Bolz darauf, dass auch private Investoren beim Landesprogramm zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus mitmachen werden. Landesweit stünden 230 Millionen Euro zur Verfügung. In diesem Zusammenhang sprachen sich die Aufsichtsratsvorsitzende der Wohnbau GmbH und Thies dafür aus, künftig eine »Sozialquote« für private Neubauvorhaben zu verankern. Auf die Frage, warum die Stadt eine solche Quote nicht schon bei den großen Projekten der letzten Jahre wie in der Bergkaserne, am Güterbahnhof, am Schlachthof oder am Aulweg verlangt habe, sagte die OB, dass man den Bauträgern auch so schon Auflagen wie die Errichtung von Sozialzentren mit Kindertagesstätten gemacht habe. Zum Tragen kommt die Quote womöglich erstmals bei der Planung für ein neues Wohngebiet auf dem Motorpool-Gelände zwischen Evangelischer Siedlung und Grünberger Straße.

Dass es einen großen Bedarf an »bezahlbarem Wohnraum« in Gießen gibt, wurde bei der Präsentation des Zwischenberichts zum Wohnraumversorgungskonzept deutlich. »Jeder vierte Gießener ist einkommensschwach und auf günstigen Wohnraum angewiesen«, sagte Regina Höbel vom Bochumer Institut inwis, das das Konzept bis Oktober fertigstellen will. Entsprechend groß sei die Nachfrage vor allem nach kleinen und billigen Wohnungen, aber gerade in diesem Segment, das auch von den Beziehern von Sozialleistungen nachgefragt werde, »schmilzt das Angebot«.

Was den Fehlbedarf an günstigen Wohnungen betrifft, steht die Zahl von knapp 3000 im Raum. Eine aus verschiedenen Daten »hochgerechnete« Zahl, wie Thies meinte. Der Wohnbau mit ihren 7200 Wohnungen, davon 1900 in der »formalen Sozialbindung«, lägen derzeit 1540 Bewerbungen vor, aber nur in 15 Fällen bestehe ein akuter Handlungsbedarf, weil die Bewerber in Not seien. Die meisten wollten sich »verändern«, etwa ein Drittel signalisiere eine Dringlichkeit, die aber nichts mit einer sozialen Notsituation zu tun haben müsse.

Mit einer neuen Geschäftspolitik, die wieder mehr die soziale und weniger die energiepolitische Komponente in den Mittelpunkt rücke, trage die Wohnbau schon seit geraumer Zeit der Lage auf dem Wohnungsmarkt Rechnung, betonten Thies und Grabe-Bolz. So sei die Höhe der Miete für Altmieter bei sechs bis 6,50 Euro für den Quadratmeter gekappt worden, auch wenn das Objekt saniert worden sei. Und für Neumieter gelte das Prinzip der »sozialen Miete«; wer einen Wohnberechtigungsschein vorweisen könne, falle unter die Kappung. Wobei die Wohnbau darauf achte, dass der Anteil der »gekappten« Wohnungen die Wirtschaftlichkeit der Investition nicht gefährde, fügte Thies hinzu. Denn ohne Bonität laufe gar nichts. Dazu erklärte die OB, dass die Wohnbau – anders als andere städtische Unternehmen – gemäß Schutzschirmvertrag keine höhere Dividende an die Stadt zahlen müsse.

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