05. August 2016, 18:03 Uhr

Sommerlad schließt seine Filiale in Fulda

Gießen/Fulda (ta). Das war »die schwärzeste Stunde meines bisherigen Berufslebens«, seufzte am Freitag der Gießener Unternehmer Frank Sommerlad. Am Morgen hatte er die Belegschaft darüber informiert, dass das Möbelhaus Sommerlad in Fulda-Petersberg zum 31. März 2017 geschlossen wird.
05. August 2016, 18:03 Uhr
Im Sommerlad-Möbelhaus in Fulda gehen Ende März 2017 die Lichter für immer aus.

130 Beschäftigte werden damit wohl ihren Arbeitsplatz verlieren. Sommerlad reagierte damit auf das endgültige Nein des Regierungspräsidiums Kassel zu dem seit Jahren geplanten Neubau direkt neben der Abfahrt Fulda-Mitte der A 7.

Weil das Stammhaus in Petersberg heutigen Ansprüchen nicht mehr genüge und nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne, hatte Sommerlad schon 2010 mit der Planung für einen größeren Neubau seiner Fuldaer Dependance begonnen. Vor drei Jahren hatte er ein über 100 000 Quadratmeter großes Grundstück im interkommunalen Gewerbegebiet Künzell erworben, nur wenige hundert Meter vom alten Standort entfernt. Im Frühjahr 2014 sollte der Neubau für 30 Millionen Euro begonnen werden. Vorgesehen war eine Verkaufsfläche von 28 000 Quadratmetern – kaum kleiner als der Hauptsitz in Gießen mit seinen 32 000 Quadratmetern.

Aber aus diesem Vorhaben wurde nichts, weil das Regierungspräsidium Kassel und das Landratsamt Fulda von Anfang an ihr Veto einlegten. Grund: Der Standort Künzell sei nicht mit dem Integrationsgebot des Regionalplans Nordhessen vereinbar, hieß es. Danach ist großflächiger Einzelhandel nur im Vorranggebieten »Siedlung« zulässig. Der neue Sommerlad-Standort liege jedoch im Vorranggebiet »Industrie und Gewerbe«. Diese Rechtsauffassung haben RP Dr. Walter Lübcke und Landrat Bernd Woide vor einigen Tagen in einer Besprechung mit dem Fuldaer Oberbürgermeister sowie den Rathauschefs von Künzel, Petersberg und Eichenzell noch einmal bekräftigt.

»Dass die Fortführung eines erfolgreichen Betriebs an einer bürokratischen Hürde scheitert«, bezeichnete Sommerlad in einer Pressemitteilung als »nicht nachvollziehbar und traurig«. Der Unternehmer beklagt vor allem eine Ungleichbehandlung. Fast alle großen Baumärkte und Möbelhäuser der bekannten Filialisten stünden in Vorranggebieten Industrie und Gewerbe, hat er recherchiert. Das Gießener Regierungspräsidium gehe da pragmatischer vor und habe in den vergangenen Jahren in vergleichbaren Fällen Abweichungen vom Integrationsgebot zugelassen, etwa beim Bauhaus in Gießen oder beim Baumarkt Hellweg in Dillenburg.

Die Beschäftigen in Petersberg sind Sommerlad zufolge geschockt. »Mehr als gerne hätte ich mit ihnen weitergearbeitet, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass einzelne Behörden in dieser Region Verfahrensfragen wichtiger nehmen, als die Arbeitsplätze der Menschen«, sagte der Firmenchef während der Betriebsversammlung.

Frank Sommerlad hat also resigniert und die Verlagerungsplanung aufgegeben. Er hätte aber auch kämpfen und juristisch gegen die behördliche Ablehnung vorgehen können. »Das hätte einen mindestens drei, vier Jahre dauernden Rechtsstreit ausgelöst«, meinte der Möbelhändler dazu auf GAZ-Anfrage. Das sei aber wirtschaftlich nicht darstellbar, »denn wir sind in diesem Jahr in Petersberg schon tief in die roten Zahlen geraten«. Andere Standorte in der Stadtregion Fulda stünden aber nicht zur Verfügung oder seien nicht realisierbar.

Die Schließung der rechtlich selbstständigen Filiale in Petersberg hat Sommerlad zufolge keine Auswirkungen auf den Hauptstandort im Schiffenberger Tal.

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