08. August 2016, 18:33 Uhr

Sommerlad-Schließung in Fulda: Kleine Hintertür offen

Gießen/Fulda (ta). Ein Verlust von 130 Arbeitsplätzen wiegt schwer. Kein Wunder, dass die angekündigte Schließung des Möbelhauses Sommerlad in Fulda-Petersberg für Aufsehen gesorgt hat. Noch gibt es aber ein Hintertürchen.
08. August 2016, 18:33 Uhr
Inhaber Frank Sommerlad. (Foto: awb)

Inhaber Frank Sommerlad hatte die Schließung bekannt gegeben, nachdem Regierungspräsident und Landrat ihre Auffassung bekräftigt hatten, der angestrebte Neubau in einem interkommunalen Gewerbegebiet sei planungsrechtlich unzulässig.

Über die Abweichung vom Regionalplan Nord- und Osthessen, die das Möbelhaus beantragt hat, entscheidet der Zentralausschuss der Regionalversammlung am 5. September. Mit diesem Hinweis hat das Regierungspräsidium Kassel den Vorwurf zurückgewiesen, die Betriebsaufgabe sei auf seine Haltung zurückzuführen. Das RP bekräftigte aber zugleich, dass es der Regionalversammlung die Ablehnung des Vorhabens empfehlen wird.

In der Online-Ausgabe dieser Zeitung machen Leser den Kasseler Regierungspräsidenten und den Fuldaer Landrat für die Schließung des Sommerlad-Hauses verantwortlich. Da ist die Rede von »Fehlentscheidung«, »Paragrafenreiterei« und »Beamtenwahnsinn«. Sommerlad selbst sieht in Landrat Bernd Woide (CDU) das Kernproblem: »Der hat beim RP Stimmung gemacht – das war für mich nicht absehbar.«

Unzutreffend ist dem Gießener Unternehmer zufolge der Vorwurf, ihm komme das Nein der Regionalplanung recht, zumal er den Erwerb des Baugrundstücks von einer Baugenehmigung abhängig gemacht habe. »Das Grundstück ist vor drei Jahren bezahlt worden, und nicht nur das«, versichert dazu Frank Sommerlad unter Hinweis auf Standortuntersuchungen und Gutachten, die er veranlasst habe. Was aus dem 100 000-qm-Grundstück, das er wohl nicht bebauen darf, werden soll, weiß der Möbelhändler nicht: »Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.«

In einem Kommentar des Portals »Osthessen News« heißt es: »Der Verlust des Familienunternehmens ist ein Armutszeugnis für die gesamte Stadtregion, die gemeinsam ein interkommunales Gewerbegebiet entwickeln will. Noch vor dem ersten Großprojekt ist die Zusammenarbeit der Kommunen mit dem Kreis massiv gestört... Mal sehen, was Landrat und RP unternehmen, um die 130 verloren gegangenen Arbeitsplätze zu ersetzen.« Die örtliche Mittelstandsvereinigung der CDU rügt indirekt ihren Parteifreund im Landratsamt: »Es kann nicht sein, dass ein heimisches Traditionsunternehmen daran gehindert wird, 30 Millionen Euro in einen neuen Standort zu investieren.«

Im GAZ-Gespräch bekräftigte Sommerlad gestern seinen Vorwurf der Ungleichbehandlung innerhalb Hessens. Das Regierungspräsidium Mittelhessen habe in vergleichbaren Fällen pragmatischer gehandelt und Abweichungen vom Integrationsgebot des Regionalplans zugelassen. Die RP-Regionalplaner nehmen dazu nicht Stellung und betonen nur, in den vergangenen 16 Jahren habe es keine Abweichungen gegeben.

Sommerlad hatte ermittelt, dass in Nordhessen die meisten großflächigen Baumärkte und Möbelhäuser in Vorranggebieten »Industrie und Gewerbe« stehen, ein Möbelmarkt sogar im Vorranggebiet »Landwirtschaft«. Dabei ist großflächiger Einzelhandel laut Raumordnung nur im Vorranggebiet »Siedlung« zulässig. Diesen Status hat das umstrittene Grundstück in Künzell nicht. Die Kommunalparlamente Eichenzell, Künzell und Petersberg hatten 2015 einmütig für den Sommerlad-Umzug votiert, in Fulda hatte es eine große Mehrheit gegeben. (Foto: awb)



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