02. Juni 2017, 16:28 Uhr

Fußgängerzone

So reagieren die Gießener auf Straßenmusik-Regeln

Das "Aus für Dudelsack und Drehorgel", also die Verschärfung der Regeln für Straßenmusiker durch die Stadt Gießen, hat unsere Leser bewegt – und lässt wenig Gutes an der Innenstadtpolitik.
02. Juni 2017, 16:28 Uhr
Konzert am Kreuzplatz: Der Flügel steht nicht auf dem Instrumenten-Index der Stadt, die Trompete schon. (Archivfoto: atr)

Die Stadt Gießen verschärft die Regeln für Straßenmusiker. Pro Tag soll es künftig nur noch drei sogenannte Sondernutzungserlaubnisse geben. Und die kosten mit 100 Euro richtig Geld. Hintergrund des Banns, bei dem zusätzlich noch Verstärker, Blechblasinstrumente, Schlagzeuge, Dudelsäcke und Drehorgel inbegriffen sind und die Band außerdem nicht mehr als fünf Leute beinhalten darf, sind laut Ordnungsdezernet Peter Neidel (CDU) Beschwerden von Anwohnern und Geschäftsleuten. Ausnahmegenehmigungen gebe es lediglich für "Gesangsdarbietungen religiöser Art" sowie für gemeinnützige Vereine. Kontrolliert werden soll das alles vom Ordnungsamt.

Denn das hatte in der Vergangenheit Probleme, die Regeln durchzusetzen. Der Hintergrund: Bislang galt nur die Vorgabe, dass Straßenmusiker, wenn sie alleine spielten oder in einer kleiner Band unterwegs waren, alle halbe Stunde den Standort wechseln mussten – außerhalb der Hörweite des vorherigen. Zudem wurden keinerlei Gebühren fällig. Doch das war offenbar nur schwer zu kontrollieren, geschweige denn durchzusetzen. Nun also die neuen Regeln.


"Musik ist doch schön"

Die Leser der Gießener Allgemeinen Zeitung sehen die Maßnahme in der Reihe von Änderungen bei den "Sondernutzungen an öffentlichen Straßen und Plätzen" allerdings kritisch. "In Gießen wird es immer langweiliger und spießiger. Straßenmusikanten gehören für mich zum Bild einer Einkaufsstraße und bringen viel Flair mit. Wem das zu laut ist, der muss ja nicht mitten in der Stadt wohnen", meint etwa eine Nutzerin auf der GAZ-Homepage. Und auch Peter Kosch ist auf Facebook der Meinung, dass "Musik und Kultur der Einkaufszone fehlen".

Andere Nutzer sehen in der Gießener Fußgängerzone ganz andere Probleme. "Lieber an jeder Ecke Musik, als ständig irgendwelches Angequatsche", schreibt Jan von Heinrich mit Sicht auf Stände und Bettler in der Innenstadt. Hier pflichten ihm viele Nutzer bei. Auch Andreas Siede meint: "Musik ist doch schön. Die sollen lieber etwas gegen die vielen Bettler machen. Die haben teilweise schon feste Lagerplätze." Stefan Häbich sieht die Probleme dagegen ganz woanders: "Gießen sollte sich lieber um die Überbauung von Gastrobetrieben bzw. das verbotene Befahren der Fußgängerzone und das Falschparken an neuralgischen Punkten kümmern", schreibt er, während Dennis Schumann als einer der wenigen meint: "Richtig so, die [die Straßenmusiker] gehen mir eh nur auf die Nerven."


Verständnis für die Anwohner

Andere haben derweil zumindest Verständnis für die von der Straßenmusik genervten Anwohner und Geschäftsinhaber. "Es gibt Straßenmusiker, die beleben einfach das Geschehen. Dann gibt es wieder die, die Klarinette, Saxophon oder Geige spielen und eine Lautstärke an den Tag legen, dass es schon zum Ärgernis verschiedener Geschäfte kommt und echt eine Belästigung darstellt. Deshalb ganz klare Regeln, Plätze und Lautstärke vorgeben", meint Holger Klapproth. Ralph M. Seibel schreibt als "ehemaliger Anwohner des Selterswegs", dass er einige Argumente gut nachvollziehen könne, aber die ursprüngliche Verpflichtung zum halbstündigen Standortwechsel ausreiche, solange diese entsprechend kontrolliert würde.

Marco Tröger weist unterdessen auf ein ganz anders Problem hin, dass Seltersweg und Co. blühen könnte: "Sorgt man so nicht dafür, dass gerade einkommensschwache Musiker sich das Spielen gegen Spende im Seltersweg nicht mehr leisten können?" Möglich. Und dann könnte es vorbei sein mit der Vielfalt der Straßenmusik und damit auch mit einer Belebung der Innenstadt abseits von Infoständen, Spendensammlern und Co. Ob das gewollt ist?

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