Stadt Gießen

Singles haben es auf dem Wohnungsmarkt schwer

»Es sind vor allem die Einpersonenhaushalte – Senioren, Studenten, Auszubildende, Geringverdiener –, die sich bei der Wohnungssuche in Gießen schwer tun. Günstige Appartements unter 45 Quadratmetern Wohnfläche sind schwer zu finden. Das hat auch das Wohnraumversorgungskonzept der Stadt aus dem Jahr 2016 festgestellt«, heißt es in einer Presseerklärung des Mietervereins.
07. Mai 2018, 21:58 Uhr
Redaktion

»Es sind vor allem die Einpersonenhaushalte – Senioren, Studenten, Auszubildende, Geringverdiener –, die sich bei der Wohnungssuche in Gießen schwer tun. Günstige Appartements unter 45 Quadratmetern Wohnfläche sind schwer zu finden. Das hat auch das Wohnraumversorgungskonzept der Stadt aus dem Jahr 2016 festgestellt«, heißt es in einer Presseerklärung des Mietervereins.

Eine »bezahlbare Wohnung« bedeutet für die Experten, dass die Warmmiete dafür nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens verschlinge. Auch viele Vermieter zögen hier eine Grenze, weil sie daran zweifeln, dass sich Mieter eine höhere Belastung auf Dauer leisten können. Ein Beispiel: Hat ein mittlerer Single-Haushalt im Monat 1484 Euro zur Verfügung, liegt seine »Schmerzgrenze« bei 445 Euro Warmmiete, schreibt Mietervereinsvorsitzender Stefan Kaisers.

Wie groß das Problem sei, zeige die Statistik: In der Hälfte aller Haushalte in Gießen lebe nur eine Person. Zwar liege hier der Anteil der Kleinstwohnungen unter allen angebotenen Wohnungen bei 28 Prozent, aber die Nachfrage danach sei deutlich größer, wie in einer Universitätsstadt auch nicht anders zu erwarten. Bundesweit stünden den 6,7 Millionen Einpersonenhaushalten aber nur 2,5 Millionen Kleinstwohnungen gegenüber. Der Wohnungsbestand passe heutzutage nicht mehr zu der Struktur der Bewohnerschaft in den Städten und sei damit ein wesentlicher Grund für die soziale Versorgungslücke.

Um die Lücke bei bezahlbaren Wohnungen zu verkleinern, sei es also eher wichtig, das Angebot an Kleinwohnungen mit Nettokaltmieten von bis zu fünf Euro pro Quadratmeter stark auszubauen, gerade in Gießen mit seiner hohen Zahl an Niedrigverdienern. »Das ist nur mit Hilfe einer deutlichen Stärkung des sozialen Wohnungsbau möglich«, betont Kaisers. Dazu müssten einerseits weitaus mehr Sozialwohnungen als in den vergangenen Jahren neu entstehen. Andererseits müsse auch die Sozial- und Mietpreisbindung im Wohnungsbestand wieder ausgeweitet werden. Dazu könnten beispielsweise öffentliche Träger Privatvermietern Wohnungen abkaufen.

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