14. Januar 2018, 14:00 Uhr

Kulturamt ade

Simone Maiwald wechselt nach Heidenheim

Gießen ist nicht nur die Museumsleiterin abhanden gekommen, sondern auch die Kulturamtsleitung. Simone Maiwald wird aller Voraussich nach Erste Beigeordnete in Heidenheim.
14. Januar 2018, 14:00 Uhr
Nachdem Kulturamtsleiterin Simone Maiwald (l.) nach Heidenheim wechselt und auch Sabine Philipp (M.) als Museumsleiterin hingeworfen hat, sucht Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (r.) nach Kandidaten für zwei entscheidende Stellen im Kultrebereich der Stadt. (Foto: Archiv/dkl)

Im Gießener Kulturamt stehen die Zeichen auf Wechsel. Amtsleiterin Simone Maiwald hat sich um die Nachfolge des Ersten Beigeordneten in Heidenheim beworben und ist, nach dem überraschenden Rückzug ihres lange als Favoriten gehandelten Gegenkandidaten Olaf Bernauer, nun einzige Kandidatin. Am 25. Januar steht sie als parteilose Bewerberin im Gemeinderat der 50 000-Einwohner-Stadt im Osten Baden-Württembergs zur Wahl.

Die 57-jährige Maiwald hatte sich bereits vor knapp einem Jahr als Kulturdezernentin in Potsdam beworben, war dort unter 177 Bewerbern Vierte geworden. Auch in Leipzig war sie weit gekommen – für eine Bewerberin von außen jeweils ein beachtlicher Erfolg.

 

Vertretung des Bürgermeisters

 

Nun will sie nach Heidenheim wechseln und kandidiert dort als Erste Beigeordnete, die hauptamtliche Vertretung des Bürgermeisters. Am Donnerstag dieser Woche hatte überraschend ihr letzter von anfangs sechs Konkurrenten, Bürgermeister Olaf Bernauer aus Heidenheims Nachbarort Steinheim, seine von vielen als vermeintlich sicheres Heimspiel gewertete Kandidatur zurückgezogen. Dem von der SPD favorisierten Bernauer waren offenbar die erhofften Mehrheiten abhanden gekommen, nachdem sich in einer gemeinsamen Fraktionssitzung von CDU und Grünen Maiwald und Bernauer vorgestellt hatten und sich am Ende beide mit großer Mehrheit für Maiwald ausgesprochen haben sollen.

 

Persönliche Gründe als Motiv

 

Warum sie von Gießen nach Heidenheim wechseln will, begründet die gebürtige Münsteranerin mit der baden-württembergischen Kommunalverfassung, die den Städten ein großes Maß an Selbstgestaltung einräume. Die Möglichkeit, auf politischer Ebene eine Stadt gestalten zu können, sei für sie das Entscheidende. Für sie gebe es keinen Grund, sich von Gießen wegzubewerben. Ihre Kandidatur beruhe ausschließlich auf persönlichen Gründen und ihrem Wunsch, ihre Arbeit auf der politischen Ebene fortzusetzen. Baden-Württemberg sei für sie nach ihrer Zeit als Amtsleiterin in Rottweil zudem ein Stück Heimat.

 

Hohe Arbeitsbelastung

 

Maiwald äußert keinerlei Kritik an den Gießener Verhältnissen und betont, die Oberbürgermeisterin als Vorgesetzte sehr zu schätzen. Sie sei stolz darauf, im Kulturamt ein »supergutes Team« aufgebaut zu haben. Und dennoch ist ihr Weggang nicht verwunderlich angesichts ihrer enormen Arbeitsbelastung. Maiwald hatte Anfang 2013 die Nachfolge von Friedhelm Häring als Kulturamtsleiterin angetreten – eine Position, die dieser lange in Doppelfunktion mit der Leitung des Oberhessischen Museums ausgeübt hatte. Mit Härings Ausscheiden wurden beide Positionen getrennt. Maiwald übernahm die Kulturamtsleitung, Sabine Philipp wurde Leiterin des Oberhessischen Museums. Doch nachdem darüber hinaus die Leitung der Kunsthalle im Rathaus nach dem Weggang von Uta Riese nicht mehr wie ursprünglich einmal geplant mit der Museumsleitung gekoppelt wurde, managte Maiwald auch für knapp ein Jahr die Kunsthallenleitung neben der Kulturamtsleitung. Als für die Kunsthalle mit Nadia Ismail eine Kuratorin gefunden worden war, kümmerte sich Maiwald um die umfangreiche Neukonzeption des Oberhessischen Museums im Stadt(Labor)Gießen. Die Museumsleitung blieb da außen vor, was allerdings künftig geändert werden soll. Das vorzeitige Ausscheiden Philipps Ende vergangenen Jahres sorgt aktuell für weitere Arbeitsbelastung im Kulturamt. Nun muss sich die Stadt also nicht nur eine Museumsleitung, sondern auch eine neue Leitung für das Kulturamt suchen. (Foto: Archiv/dkl)

Kommentar

Kulturstadt in der Misere>

¬ Gießen wirbt für sich als »Kulturstadt an der Lahn« – doch mit der personellen Ausstattung in der Kultur sieht es derzeit nicht gut aus. Die Leitung des immer mehr aus dem Bewusstsein der Bevölkerung entschwindenden Oberhessischen Museums ist nach Sabine Philipps vorzeitigem Weggang vakant. Nun wird auch noch für Kulturamtsleiterin Simone Maiwald, also an entscheidender Stelle, eine Nachfolge zu suchen sein. Und beides ausgerechnet in einer Zeit, in der unter Federführung des Kulturamts mit dem Stadt(Labor)Gießen die Neukonzeptionierung des Oberhessischen Museums dringend fachkundig vorangetrieben werden soll. Der Bereich Kultur sei ohnehin »personell nicht sehr üppig besetzt«, hatte die Oberbürgermeisterin schon in einem Interview zugegeben, lange bevor sie am Dienstag dieser Woche von der Bewerbung Maiwalds erfahren hatte. Die Lage hat sich nun noch klar verschärft. Will Gießen auch weiter als »Kulturstadt an der Lahn« punkten, muss in diesem Bereich eindeutig nachgebessert werden. Kultur braucht professionelle Protagonisten.

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