20. März 2018, 13:34 Uhr

Shisha-Bar-Prozess

Sicherungsverwahrung und lange Haftstrafen im Gießener Shisha-Bar-Prozess gefordert

Nach der Explosion einer Shisha-Bar in der Licher Straße drohen den Verdächtigen lange Haftstrafen. Besonders hart könnte es einen 23-Jährigen aus Steinbach treffen.
20. März 2018, 13:34 Uhr

Empfindlich lang könnten die Haftstrafen für einige Angeklagte im Prozess um Brand und Explosion einer Shisha-Bar in der Licher Straße ausfallen, die die Richter der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts am Donnerstag verhängen wollen. Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess für drei Angeklagte Haftstrafen zwischen 6 und 10 1/2 Jahren gefordert. Ein weiterer Verdächtiger - erst 20 Jahre alt - könnte nach Ansicht der Anklage mit zwei Jahren auf Bewährung davonkommen.

 
Fotostrecke: Trümmer in der Licher Straße

Für einen 23-Jährigen aus Steinbach fordert die Staatsanwaltschaft sogar die Überprüfung einer Sicherheitsverwahrung. Ein psychiatrischer Gutachter hatte der Kammer bereits mitgeteilt, dass er bei dem mehrfach vorbestraften Mann die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung erfüllt sieht. Würden die Richter dieser Einschätzung folgen, käme auf den Beschuldigten eine auf unbestimmte Zeit verlängerte Haftdauer zu, denn die Sicherungsverwahrung ist unbefristet. Allerdings wird regelmäßig von medizinischen Gutachtern überprüft, ob ein Straftäter noch gefährlich ist.

Alle vier Angeklagten haben bereits eingeräumt, dieses Verbrechen begangen zu haben. Die Mieter eines unmittelbar an das Lokal angrenzenden Wohnhauses wurden zum Glück nur leicht verletzt. Der Barbetreiber – auch er sitzt auf der Anklagebank – hat die anderen angestiftet, seinen Laden anzustecken. Er wollte die 80 000 Euro von der Gebäudeversicherung kassieren. Unklar ist bislang nur, wer das Benzin im Gastraum der Bar verschüttet hat. Hier schieben sich der Steinbacher und ein gleichaltriger Angeklagter, der sich in der Tatnacht schwere Verbrennungen zuzog, gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

 

Drei Straftaten in einer Woche

Was der Steinbacher in den frühen Morgenstunden des 3. August vergangenen Jahres - damals wurde das Feuer in der Shisha-Bar gelegt - machte, ist für den Gutachter aber nicht allein ausschlaggebend. Er hält den zuletzt arbeitslosen Mann aus mehreren Gründen für gefährlich. Dieser war den Ermittlern seit seinem 14. Lebensjahr immer wieder aufgefallen. Vor allem die schnelle Abfolge unterschiedlichster Delikte bereitet dem Arzt Sorge. »In einer Woche hat er drei Straftaten begangen«. Diese frühe kriminelle »Karriere« spricht aus seiner Sicht für eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Außerdem zeige der Mittelhesse keinerlei Reue oder Empathie. Unter anderem Einbruch, gefährliche Körperverletzung und schwere räuberische Erpressung hat er bislang auf dem Kerbholz. Für besonders schwere Brandstiftung – einer der Anklagepunkte aus dem aktuellen Prozess – drohen mindestens fünf Jahre Gefängnis. Erschreckend ist aus Sicht des Gutachters auch die »manipulative« Art des Angeklagten. Er sollte einmal eine elektronische Fußfessel bekommen, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, wurde jedoch trotzdem erneut straffällig. Später soll er einem Bewährungshelfer gesagt haben, er wisse ganz genau, was er Sozialarbeitern erzählen müsse, um in den Genuss solcher Lockerungsmaßnahmen zu kommen, berichtete der Psychiater.

Für dieses manipulative Talent steht aus Sicht des Arztes auch ein Geständnis des Steinbachers vom Montag. Darin gab dieser zu, den Mediziner bei einem Gespräch belogen zu haben, als er behauptet hatte, drogensüchtig zu sein. »Ich dachte, dass es mir helfen würde, wenn ich als drogen- und alkoholabhängig gelte.« Deshalb hatte er auch Drogen genommen und Alkohol getrunken, bevor er sich der Polizei gestellt hatte.

 
Fotostrecke: Der Tag nach der Explosion in der Gießener Shisha-Bar

Die Verteidiger der Angeklagten beantragten allesamt niedrigere Freiheitsstrafen. Hintergrund waren auch kamen teils andere rechtlichen Bewertungen. Das Urteil im Gießener Shisha-Bar-Prozess soll am Donnerstag verkündet werden.

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