19. Januar 2018, 09:33 Uhr

Shisha-Bar

Shisha-Bar-Explosion in Gießen: Nur 1000 Euro für die Auftrags-Brandstifter?

Nach der Explosion einer Shisha-Bar in der Licher Straße in Gießen ist heute der Prozess gegen die vier Verdächtigen angelaufen. Die mutmaßlichen Täter sollten nur je 1000 Euro bekommen.
19. Januar 2018, 09:33 Uhr
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Von Steffen Hanak , 1 Kommentar
(Foto: Schepp)

In der Nacht zum 3. August 2017 reißt eine gewaltige Explosion in der Licher Straße dutzende Menschen aus dem Schlaf. Nur Stunden später berichten Medien bundesweit über das, was passiert ist: Eine Shisha-Bar ist in die Luft geflogen, ein angrenzendes Wohnhaus wird schwer beschädigt. Feuerwehrleute können das sich rasend schnell ausbreitende Feuer zum Glück rasch unter Kontrolle bringen. Die Bewohner kommen mit leichteren Verletzungen davon. Schnell ist klar, dass es kein Unglück, sondern ein Verbrechen war.

 
Fotostrecke: Trümmer in der Licher Straße

Am heutigen Freitag ist der Prozess gegen vier Verdächtige angelaufen – vor der Jugendkammer des Gießener Landgerichts, weil einer der Angeklagten erst 19 Jahre alt. Er gilt somit noch als Heranwachsender. Bislang sind zwölf Verhandlungstage für dieses Verfahren geplant. Die Täter müssen mit langen Haftstrafen rechnen. Die Nebenklägerin, die damals im angrenzenden Wohnhaus lebte und nach dem Feuer noch immer in therapeutischer Behandlung ist, erklärte: "Erschreckend, wie jung die mutmaßlichen Täter sind." Die drei Männer, die das Feuer letztlich gelegt haben sollen, sind zwischen 19 und 23 Jahren alt.

 
Fotostrecke: Der Tag nach der Explosion in der Gießener Shisha-Bar

Zum Auftakt wurden erste Details bekannt: So sollten die drei Helfer, die die Shisha-Bar in der Licher Straße letztlich im Auftrag des Besitzers in Brand gesteckt haben sollen, laut Anklage für ihren Job nur zwischen 750 und 1000 Euro bekommen. Wie war die Tat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft abgelaufen? Der Barbesitzer soll Benizin im Gebäude ausgegossen und die Kellertür beim Verlassen des Gebäudes absichtlich unverschlossen zurückgelassen haben. Die drei Helfer gingen darüber nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hinein, vergossen noch mehr Benzin und steckten die Shisha-Bar mit einem brennenden Serviette an. Es kam zu einer Verpuffung. Insgesamt ging es offenbar um eine Versicherungssumme von 80.000 Euro.

Info

Chronologie der Ereignisse

3. August: Gegen 3.20 Uhr explodiert eine Shisha-Bar in der Licher Straße. Auch ein mit dem Lokal verbundenes Wohnhaus wird stark beschädigt. Ein Feuer breitet sich von der Bar bis in das Erdgeschoss des Wohnhauses aus. Neun Mieter befinden sich zu dieser Zeit in dem Gebäude. Fünf können sich mit leichteren Verletzungen retten, die anderen kommen mit dem Schrecken davon. Wie durch ein Wunder wird niemand durch umherfliegende Trümmerteile verletzt. Mittlerweile steht fest: Das gegenwärtig noch unbewohnbare Gebäude muss nicht abgerissen, sondern kann saniert werden.

3. August: Schon am Nachmittag werden zwei Männer festgenommen, die verdächtigt werden, für Explosion und Brand der Shisha-Bar verantwortlich zu sein. Ein 23-Jähriger aus Fernwald stellt sich der Polizei. Er ist wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Ein 22-Jähriger – ursprünglich aus Baden-Württemberg – erlitt bei der Tat wohl schwere Brandverletzungen und fiel damit in der Klinik in Lich auf. Er wird in ein künstliches Koma versetzt.

4. August: Der Betreiber der Shisha-Bar wird festgenommen. Der 22-jährige Reiskirchener soll die Brandstiftung in Auftrag geben haben, um an die Gelder der Gebäudeversicherung zu gelangen. Er schweigt zu den Vorwürfen.

5. August: Dank mehrerer Zeugen finden Beamte das Fluchtfahrzeug der mutmaßlichen Brandstifter. Der Opel Tigra wird in einem Wald nahe Hungen sichergestellt.

29. August: Die Mieter des stark beschädigten Gebäudes können erstmals für längere Zeit in ihre Wohnungen zurück, um erhaltene Einrichtungsgegenstände abzuholen. Ihnen bietet sich – wie das Foto aus dem Apartment von Lydia Ak zeigt – ein Bild der Verwüstung. Außerdem haben Diebe das leer stehende Haus geplündert.

30. August: Vertreter von Stadt, Notfallseelsorge und Diakonischem Werk richten ein Spendenkonto für die betroffenen Mieter ein.

28. September: In Öhringen wird ein vierter Tatverdächtiger festgenommen. Der 19-Jährige legt ein umfassendes Geständnis ab. Auch der 22-Jährige, der mittlerweile aus dem Koma erwacht ist, äußert sich. Beide sollen befreundet sein. Ihren Aussagen zufolge soll der Bar-Besitzer die beiden Süddeutschen und den Verdächtigen aus Fernwald zu der Tat angestiftet haben. Alle vier Männer hätten von dem Versicherungsbetrug profitieren sollen.

13. November: Die Staatsanwaltschaft Gießen erhebt Anklage gegen das Quartett. Den in Untersuchungshaft sitzenden Männern werden neben besonders schwerer Brandstiftung auch gefährliche Körperverletzung und versuchter Mord vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen lange Haftstrafen.

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