14. Dezember 2017, 21:02 Uhr

Serien-Einbrecher hinter Gittern

14. Dezember 2017, 21:02 Uhr
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Von Steffen Hanak

Es dauerte ein wenig, bis der hagere junge Mann am Dienstag die Anklagebank erreicht hatte. An Händen und Füßen gefesselt, trippelte er in den Gerichtssaal des Gießener Amtsgerichts. Immerhin hatte er keinen allzu weiten Weg hinter sich. Er musste vom gegenüberliegenden Gefängnis aus nur einmal die Straße überqueren. Dort wird er auch nach der Untersuchungshaft noch eine ganze Weile verbringen. Dreieinhalb Jahre Haft kassierte er wegen einer ganzen Serie von Einbrüchen. In nicht einmal drei Monaten war er im Sommer mit einem Komplizen in 25 Restaurants und Geschäfte in der Innenstadt eingedrungen. Der mutmaßliche Mittäter – ein 19-Jähriger – wurde ebenfalls festgenommen. Der Prozess gegen ihn soll jedoch erst im Januar vor einem Jugendschöffengericht beginnen.

»Ich wollte nicht abhauen, ich habe nur gesagt, dass ich jetzt gerne abhauen würde«, beschwerte sich der ältere Täter über die Fuß- und Handschellen. Richterin Sonja Robe blieb ungerührt. »Ich muss von dem ausgehen, was die Wachtmeister mir berichten.« Auf seinen Namen angesprochen reagierte der Gießener eigenartig. »Namen sind eine komische Sache. Ich will nichts mehr mit der Vergangenheit zu tun haben – nennen Sie mich Joshua, das heißt Sohn Gottes.« Den Gefallen tat das Gericht ihm nicht. Zwar verzichtete Robe darauf, den Angeklagten mit seinem bürgerlichen Namen anzusprechen, die zurückliegenden Straftaten wurden dennoch ausführlich erörtert.

Das lag nicht zuletzt an dem gebürtigen Franken selbst. »Es ist schwierig, mich zu erinnern, weil ich auf Drogen war.« Dennoch räumte er nicht nur sämtliche Tatvorwürfe ein, sondern berichtete auch, in manchen Geschäften noch tiefer in die Kasse gegriffen zu haben, als es in der Anklage beschrieben war. Robe und Staatsanwalt Fabian Hohl lobten dieses »überschießende Geständnis«. »Ich brauchte Drogengeld, und Einbrüche waren ein bequemer Weg.« Warum er nicht eine Ausbildung gemacht habe, fragte die Richterin den arbeitslosen Hauptschüler. »Ich habe mich immer schnell gelangweilt«, war die Antwort. Lehren als Maler und Schreiner hatte er deshalb abgebrochen. Seit seinem 15. Lebensjahr – zu dieser Zeit hatten sich seine Eltern getrennt – konsumierte der Angeklagte Marihuana. Zuletzt bis zu sechs Gramm am Tag.

Ob er denn schon versucht habe, seine Drogensucht in den Griff zu bekommen, lenkte die Richterin den Blick des Mannes auf die Gegenwart. Sein Mandant habe bereits in Untersuchungshaft Kontakt mit einer Drogenberatung aufgenommen, betonte Verteidiger Alexander Hauer. Ermittler der Kriminalpolizei waren den beiden Gießenern über Aufzeichnungen von Sicherheitskameras und DNA-Spuren von Tatorten auf die Spur gekommen. Am 22. August wurden sie auf frischer Tat ertappt.

Ein medizinischer Gutachter bestätigte, dass der Angeklagte psychisch gesund und voll schuldfähig sei. Weil der mehrfach vorbestrafte Mann nach Therapien rückfällig geworden war, folgte das Gericht einer Em-pfehlung des Arztes, den Angeklagten parallel zur Haft für zwei Jahre in einer Entzugsklinik unterzubringen.



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