04. November 2018, 21:03 Uhr

Selbst große Töpfe leeren sich schnell

04. November 2018, 21:03 Uhr
»Blue Nile«-Inhaberin Emebet Feyessa (M.) und ihre Mitstreiterinnen servieren Linsen- und Lammsuppe. (Foto: csk)

Sabato Laurito denkt am Sonntag monothematisch. Normalerweise wäre das ein echter Wettbewerbsnachteil für sein Restaurant »Zum Löwen« im Neuenweg. Nicht so, wenn draußen Liebigs Suppenfest steigt. Denn während mittags an vielen der gut ein Dutzend Stände zwischen Marktplatz und Löwengasse die Suppe langsam knapp wird, bleibt Laurito entspannt. »Wir haben bis heute Abend genug«, sagt er und führt zum Beweis durch die Küche. In der Tat: Die Vorratskammer scheint gut gefüllt, die Angestellten haben alle Hände voll zu tun – und in sämtlichen Töpfen wird einen Tag lang ausschließlich Suppe gekocht.

Am Stand vor dem Restaurant herrscht unterdessen reger Andrang. Die Variante mit Gulasch läuft besonders gut, aber die Kürbis- und Steinpilzvariationen finden ebenso reichlich Absatz. »Mindestens 150, vielleicht sogar 200 Portionen« habe man ingesamt schon verkauft, berichtet eine Mitarbeiterin kaum zwei Stunden, nachdem das Fest begonnen hat. Dass allenthalben derart viel Suppe gelöffelt und geschlürft wird, liegt wohl auch an den äußeren Bedingungen: Es ist trocken, kühl und herbstlich-grau – perfektes Suppenwetter.

Einige Hundert Meter von Lauritos Küche entfernt liefert Mario Gatti noch eine andere Erklärung. Mehr Gäste, aber weniger Anbieter seien dieses Jahr dabei, beobachtet der Inhaber des Eiscafés »La Vecchia Cittá«. Wenn er das geahnt hätte, wäre Gatti die Entscheidung, neben Eis einen Tag lang warme Suppen anzubieten, sicher leichter gefallen. So musste er lange überlegen, ehe der Koch Bodo Braunsdorf »heute Morgen um 6« jeweils 40 Liter Süßkartoffel-Tomatensuppe und Steckrübensuppe aufgesetzt hat. Der Erfolg gibt den beiden recht – genau wie der winzig kleine Rest im Topf.

Für die Mitglieder des Lions-Clubs Gießen Wilhelm Conrad Röntgen stand ihre Teilnahme hingegen nie zur Disposition. Sie verkaufen wieder 400 Portionen Kürbis-Curry-Kokos-Suppe sowie Linsensuppe mit Chorizo, bereitgestellt vom Restaurant »Tandreas«, und sammeln damit Spenden für die Kinderdiabetes-Station des Uniklinikums. Suppe essen und Gutes tun – ein Konzept, das zuverlässig aufgeht, wie Past-President Verena Rock erzählt: »Wir hatten noch keine fünf Minuten, in denen wir nichts eingenommen haben.«

Während sich bei den Lions die Töpfe leeren und die DLRG suppentechnisch gar schon völlig blank ist, greift Brigitte Petry zu einem Trick. »Genau 100 Liter« hat sie tags zuvor gekocht. Viel zu wenig, lautet ihr Zwischenfazit: Erbsen- und Gulaschsuppe sind aus, Gemüse- und Linsensuppe gehen zur Neige. Um die Nachfrage weiter zu befriedigen, greift Petry jetzt zur Konserve. Freilich nicht, ohne klarzustellen, dass auch der Doseninhalt selbstgemacht sei.

Schließlich sind da noch die vielen mehr oder weniger exotischen Angebote, die dem Publikum augenscheinlich besonders gut schmecken. Hier gibt es asiatische Peking-, Tofu- und Tom Yam Gai-Suppe, dort osteuropäische Soljanka und wieder nur wenige Schritte entfernt eritreische Hackfleischsuppe mit Gemüse sowie afrikanische Linsensuppe mit Feigen. Heiß begehrt sind außerdem die äthiopischen Köstlichkeiten am gemeinsamen Stand vom Restaurant »Blue Nile« und dem »Kaffee Pura«. Linsensuppe und Lammsuppe servieren die Mitarbeiter.

Ob bei entsprechendem Verkauf noch Nachschub kommt, weiß Markos Gebreselassie am Mittag nicht. Möglich wäre es aber. Anders als Sabato Laurito hat er zwar weder Küche noch Vorratsraum direkt neben dem kleinen Stand. Bis zum »Blue Nile« in der Bahnhofstraße ist es allerdings auch nicht weit.

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