12. Februar 2019, 22:11 Uhr

Seit zehn Jahren bewährt: »i-Börse«

12. Februar 2019, 22:11 Uhr
Die Broschüre bietet einen Überblick über das barrierefreie Gießen. (Foto: Schepp)

Auch in Zeiten des Internets freuen sich viele Menschen, wenn sie Informationen auf Papier direkt »in die Hand bekommen«: Das erklärten die heimischen Fachleute einhellig bei der Vorstellung der neuen »i-Börse«. Seit zehn Jahren gibt es die Broschüre, die Informationen für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen versammelt. Für die Stadt ist die Herausgabe der fünfte Auflage wiederum kostenlos. Dafür sorgt der Berliner Verlag broschuere.de: Finanziert wird der Druck der 5000 Exemplare durch Anzeigen.

»Menschen mit Behinderung können in Gießen ein selbstständiges, aktives Leben führen«, sagt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Um das »Grundrecht auf Teilhabe« zu gewährleisten, gebe es ständig neue Entwicklungen. Die Broschüre trage zum Ziel bei, dass »Barrieren nicht nur real, sondern auch in den Köpfen abgebaut werden«.

Zwei Drittel der Interessierten bevorzugten das gedruckte Heft, erläutert der städtische Behindertenbeauftragte Jürgen Becker. Sie fänden darin auch zahlreiche Anregungen, nach denen sie vielleicht gar nicht aktiv gesucht haben, etwa zu finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten oder Sportangeboten. Weil vieles dennoch gleich bleibt, soll das quadratische Heft künftig nur noch alle drei statt zwei Jahre gedruckt werden.

Für das restliche Drittel wird die Internetversion im Laufe dieser Woche unter www.giessen.de zur Verfügung stehen. Die Texte, Bilder und Grafiken sind zum zweiten Mal auch für Blinde aufbereitet. Dafür hat unentgeltlich Andreas Deitmer vom Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende der Technischen Hochschule gesorgt.

Ines Müller, Leiterin des Amts für soziale Angelegenheiten, würdigt die bewährte Zusammenarbeit mit dem Verlag. Auf 36 Seiten finden Interessierte Ansprechpartner und Kontaktadressen, etwa von den zahlreichen Selbsthilfeorganisationen, Behörden oder Beratungsstellen. Sie erfahren Grundlegendes über Ausbildung und Beschäftigung, Geltendmachen von Ansprüchen, Mobilität, Frühe Hilfen oder Freizeit.

Ein schwieriges Thema bleiben öffentlich zugängliche Toiletten. Die »netten Toiletten« in Gaststätten seien häufig nicht barrierefrei, sagt Kornelia Steller-Nass vom Arbeitskreis für Behinderte und wünscht sich deshalb eine Eigeninitiative der Stadt. Die wenigen Sanitäranlagen, die nur Behinderte mit »Euro-Schlüssel« öffnen können, seien meist in gutem Zustand, ergänzt Becker. Doch mit denjenigen, die von jedermann nutzbar sind, habe nicht nur die Stadt, sondern hätten auch Geschäftsinhaber immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht.

Die Broschüre »i-Börse« ist kostenlos erhältlich unter anderem im Rathaus, bei Verbänden, in der Tourist-Information oder in Apotheken. Bei Becker anfordern können Interessierte außerdem eine Liste mit den 113 Innenstadt-Parkplätzen für Gehbehinderte mit der entsprechenden Sondergenehmigung.

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