05. August 2012, 22:03 Uhr

Seit 1. August: Schlachthof nimmt kein Schlachtvieh mehr an

Gießen (pd). Der Gießener Schlachthof nimmt kein Schlachtvieh mehr an. Das Unternehmen in der Weststadt ist zum 1. August ein reiner Zerlegebetrieb geworden.
05. August 2012, 22:03 Uhr
Das historische Schlachthof-Gebäude in der Weststadt ist seit Mittwoch eine reine Zerlegeeinrichtung. Der Schlachtbetrieb íst eingestellt worden. (Foto: no)

Seit Mittwoch würden Bauern, die mit ihrem Vieh an die Schlachthofstraße gekommen seien, abgewiesen, berichtete Manfred Paul als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Auch ein leitender Mitarbeiter der Firma Färber, die den Schlachthof betreibt, bestätigte den Stopp der Schlachtungen.

Zwar läuft der Pachtvertrag für den Betrieb hinter der Pulvermühle noch bis Ende 2013, es gebe jedoch Auflagen des Veterinäramtes, die umgehend hätten erfüllt werden müssen und die mit hohen Kosten für Renovierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen verbunden gewesen seien. Eine solche Investition sei angesichts der rückläufigen Zahlen in Sachen Schlachtbetrieb nicht darstellbar, sagte der Firmenvertreter. Derzeit sind am Gießener Standort des Unternehmens, das bundesweit 26 Schlachthöfe betreibt, noch 14 Mitarbeiter beschäftigt.

Schlachten in Marburg

Trotz des für die Landwirte überraschenden Aussetzens des Schlachtbetriebs äußerte Manfred Paul Verständnis für den Schritt der Firma Färber. »Das kam schlagartig«, sagte der Vorsitzende des Bauernverbandes. Ursprünglich sei eine Fortsetzung der Schlachtungen bis zum Jahresende vereinbart gewesen. Immer mehr und teurere Auflagen sowie die »Verschleppung des Themas durch die Politik« hätten dem Betreiber keine andere Wahl gelassen. Zudem sei die Anlieferungszahl von Schlachtvieh von einst 70 000 auf inzwischen 7000 Tiere zurückgegangen. Er selbst habe sein Vieh in den vergangenen Tagen in den Schlachthof nach Marburg gebracht. Paul erinnerte auch an die gescheiterte Suche nach einem Alternativstandort für den Betrieb in der Weststadt. Der ehemalige Stadtrat Thomas Rausch hatte im Juli 2011 ein städtisches Grundstück im Bachweg als möglichen Standort für einen Schlacht- und Zerlegebetrieb präsentiert. Investoren und Betreiber hatten aber betriebswirtschaftliche Bedenken angemeldet. Proteste gab es auch von den wenigen Anwohnern, und der Ortsbeirat Kleinlinden hatte Bedenken geäußert.

Nach dem Aus für den Schlachtbetrieb könnten sich nun die Chancen für die Pläne eines Bauunternehmers aus dem Lahn-Dill-Kreis verbessern. Der hatte das Areal erworben, um eine »wohnbaulich orientierte Nachfolgenutzung« zu realisieren. Die Stadt hatte seinerzeit die Stichworte Wohnungen, Kultur und Gastronomie genannt.

Dass für die Zukunft einer Schlachtstätte in Gießen nur noch das Prinzip Hoffnung gilt, hatten in den vergangenen Wochen bereits die Bemühungen der Kreispolitik gezeigt. Zwar hatte sich im zuständigen Ausschuss eine Mehrheit für den Erhalt einer Schlachtstätte in Gießen gefunden, war der Regionalmarketingverein Gießener Land mit einer Machbarkeitsstudie und der Errichtung eines »Runden Tisches« beauftragt worden. Zugleich war die Befürchtung formuliert worden, dass ein endgültiges Standort-Aus wohl unumkehrbar sei.

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