19. August 2019, 11:00 Uhr

Neue Pfarrerin

»Seien Sie Gotteserzählerin!«

Pfarrerin Iris Hartings in Wiesecker Michaelsgemeinde ordiniert
19. August 2019, 11:00 Uhr
Ihre Ordinationsurkunde erhält Pfarrerin Iris Hartings (l.) von Propst Matthias Schmidt. Das freut auch Pfarrerin Carolin Kalbhenn. (Foto: csk)

Irgendwo in der Wiesecker Michaelsgemeinde hängt demnächst ein neues Vogelhäuschen. Glaubt man Andreas Specht, symbolisiert es die Arbeit der am Sonntagnachmittag ordinierten Pfarrerin Iris Hartings. Während eines feierlichen Gottesdienstes in der Michaelskirche überreichte der kommissarische Dekan ihr das Häuschen als eine Art Begrüßungsgeschenk. »Sie haben den Menschen gutes Futter anzubieten«, erklärte er die Gedanken hinter dem Mitbringsel. Und noch etwas verbinde den künftigen Vogel-Hotspot mit der Tätigkeit als Geistliche in einer Kirchengemeinde: »Was dem einen gut tut, ist für die anderen nur schwer verdaulich.« Für jeden und jede das Richtige anzubieten, sei deshalb die wohl wichtigste Aufgabe.

Nachfolgerin von Frank Wendel

Nach der Ordination zitierte Hartings bei der Verkündigung zunächst aus dem Philipperbrief des Paulus. In den Mittelpunkt ihrer Predigt rückte sie anschließend das Nachdenken über Privilegien. Sie selbst empfinde nicht unbedingt Stolz angesichts der Berufung zur Pfarrerin und ebenso wenig auf das Pfarrhaus und den »ziemlich großen Garten«. Leben und Arbeit seien vielmehr »ein Glück und ein echtes Privileg« - und genau darin stecke auch die Gefahr. »Privilegien stehen uns im Alltag manchmal im Weg, anderen wirklich zu begegnen«, sagte Hartings. »Ich hoffe, dass sie mir auf der Suche nach den Menschen nicht im Weg stehen werden.«

Die gebürtige Wetzlarerin Hartings ist seit dem 1. Juli neue Pfarrerin der evangelischen Michaelsgemeinde. Sie folgte auf Pfarrer Frank Wendel, der Wieseck im Sommer 2018 Richtung Niederlausitz verlassen hatte. Die 34-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach dem Studium der Anglistik und Theologie in Leipzig und Marburg war sie von September 2014 bis Juni 2017 Vikarin in der evangelischen Martinsgemeinde in Heuchelheim. Seither arbeitete sie in Herborn am Theologischen Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Die Ordination am Sonntag leitete Propst Matthias Schmidt. Seine Ansprache nutzte er, um der Neuen sowie der gesamten Gemeinde zwei Gedanken zum traditionellen Talar mit auf den Weg zu geben. Er sei dem Ursprung nach kein liturgisches, sondern »ein Gelehrtengewand«, betonte Schmidt. Passend dazu bekomme Wieseck nun »eine im besten Sinne des Wortes gelehrte Frau«. Sozusagen nebenbei plauderte der Propst ein wenig aus dem Nähkästchen - das heißt hier: aus Hartings Bewerbungsschreiben.

Darin habe die Absenderin betont, sie wolle ihr Wirken stets »als Dienst an der Welt verstehen«. Tatsächlich brauche die Kirche Geistliche, die Glauben und Bibel »mit dem Leben ins Gespräch bringen«, so Schmidt. »Seien Sie also Gotteserzählerin!« Gegen eigene Zweifel helfe - der Talar. Eine Kollegin habe ihm verraten, dass sie das Gewand hin und wieder »wie einen Schutz« empfinde. Diese Sicht dürfe sich Hartings bei Bedarf zu eigen machen: »Nicht wir retten die Welt«, sagte Schmidt, »aber wir feiern den, der sie rettet.«

Musikalisch begleiteten die Ordination in der voll besetzten Michaelskirche der Posaunenchor, der Kirchenchor sowie der Kinderchor der Gemeinde. Neben Schmidt und Specht waren mit Pfarrer Ekkehard Landig und den Pfarrerinnen Constanze Reif und Carolin Kalbhenn drei weitere Geistliche beteiligt. An den Gottesdienst schloss sich ein Empfang im Gemeindehaus an.

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