24. August 2012, 21:58 Uhr

Schwanenteich: Ökologischer Kahlschlag oder Aufwertung?

Gießen (mö). Die Stadt will den Kritikern des geplanten Schwanenteich-Umbaus entgegenkommen. Wie Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) bei einer Diskussionsveranstaltung der Bürgerinitiative »Stoppt diese Landesgartenschau« ankündigte, sollen die Ufer des Schwanenteichs nicht durchgängig gerade gestaltet werden.
24. August 2012, 21:58 Uhr
Die Stadt will den gekiesten Spazierweg zwischen Schwanenteich und Wieseck nach dem Umbau mit einer Asphaltdecke versehen, um ihn nutzerfreundlicher zu machen. Diese Ankündigung sorgte am Donnerstagabend im Konzertsaal des Rathauses für empörte Reaktionen. Dass die Bäume weichen sollen, war schon bekannt. (Foto: mö)

Zwei Ufervorsprünge sollen verbleiben, auf denen Ruhebänke aufgestellt werden. Gleichzeitig sorgte der Magistrat mit der Ankündigung, den Dammweg zwischen Wieseck und Schwanenteich nach dem Umbau mit einer Asphaltdecke zu versehen, für tumultartige Proteste durch etlichen der knapp 200 Zuhörer.

Ansonsten wurden bei der knapp dreistündigen Veranstaltung bekannte Argumente ausgetauscht. Während BI-Experte Dietmar Jürgens einen Artenschwund und einen Verlust des Naherholungswerts vorhersagte, sprach Gartenamtsleiter Thomas Röhmel von einer »ökologischen Aufwertung« und einer »attraktiven Ufergestaltung«. Einen Beitrag dazu soll die Asphaltschicht auf dem Dammweg sein, denn dadurch werde der Weg nutzbarer für Fußgänger und Radfahrer, hieß es zur Begründung.

Etwas unter in der kontroversen Debatte, die sich hauptsächlich um die Frage drehte, wie notwendig die mit der Fällung von etwa 150 Bäumen einhergehende Komplettsanierung des Dammwegs zwischen Schwanenteich und Wieseck ist, gingen die Äußerungen von Weigel-Greilich und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) hinsichtlich des Bürgerbegehrens. Die beiden Hauptamtlichen erklärten, dass sie das Bürgerbegehren – anders als jenes zur Landesgartenschau – von der Fragestellung her für zulässig halten. Sollten die Initiatoren also die notwendigen knapp 2900 Unterschriften sammeln und ansonsten keine formalen Fehler begehen, wird es zu einem Bürgerentscheid über das »Pilotprojekt Bitterling« kommen. Dabei freilich braucht die BI dann die Zustimmung von mindestens einem Viertel aller wahlberechtigten Gießener, was etwa 14 000 Stimmen entspricht.

Wie mehrfach berichtet, geht es bei dem sogenannten »Pilotprojekt Bitterling« um die Wiederansiedlung einer seltenen und geschützten Minikarpfenart im Schwanenteich. Bestandteil des Vorhabens ist neben dem Umbau des Schwanenteichs die Schaffung eines mäandernden Nebenbachs der Wieseck auf Höhe des Schwimmbads sowie die Verlegung der Oberlache in die »Hundewiese« unterhalb der Hochhäuser. Richtig strittig indes ist nur das Teilprojekt Schwanenteich.

Stadt: Teich könnte auslaufen

Diesbezüglich machte Amtsleiter Röhmel deutlich, dass der Spazierweg zwischen Wieseck und Schwanenteich die Funktion eines Damms erfülle, der durch die Baumwurzeln instabil geworden sei. Daher müsse er neu aufgebaut werden, und zwar ohne Baumbewuchs, was Standard im Hochwasserschutz sei. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sich der Schwanenteich in die Wieseck entleere. Auf die Verwendung von Betonsteinen zur Uferbefestigung habe man zugunsten des teureren Geotextils bereits verzichtet.

Dagegen hält Diplom-Biologe Jürgens, der für die vordere Wieseckaue seit zehn Jahren eine Artenkartierung durchführt, »punktuelle Ausbesserungen« am Dammweg für ausreichend. Setze die Stadt die Ufergestaltung so um wie geplant, werde man Arten wie das Teichhuhn, den Graureiher oder den Eisvogel mangels Brutplätzen und Schutzzonen am Schwanenteich künftig nicht mehr antreffen. Das ganze Projekt sei »völlig einseitig« auf eine Art ausgerichtet, den Bitterling nämlich, der im Grunde ein »Aquariumfisch« sei und wohl auf unnatürliche Art in den Schwanenteich gelangt sei. Ein Szenario, das Weigel-Greilich als »völlig aus der Luft gegriffen« bezeichnete. Flora und Fauna werde es »wie vorher« geben. Den Graureiher zum Beispiel störten die Veränderungen nicht. »Der sitzt auf der Spundwand«, so die Bürgermeisterin.

Aus dem Publikum wurde später mehrfach der Wunsch geäußert, es solle »alles so bleiben wie es ist«. OB Grabe-Bolz dagegen betonte den Handlungsbedarf. Der Schwanenteich könne nicht die »stinkende Kloake« bleiben, die er vor der Ausbaggerung des Schlamms gewesen sei. Gleichwohl werde das Bitterling-Projekt nur durchgeführt, wenn die in Aussicht gestellten Fördermittel des Landes auch flössen, und zwar in der Größenordnung von 85 Prozent der Kosten, die sich auf 1,4 Millionen für den Schwanenteich-Umbau belaufen.

Zu Beginn hatte Grabe-Bolz die Rolle der Stadtverordnetenversammlung als Entscheidungsorgan betont, nachdem BI-Vertreter Rüdiger Schäfer mit Blick auf das Bürgerbegehren bemerkt hatte: »Die Menschen sollen entscheiden, nicht das Parlament«. Grabe-Bolz: »Die Stadtverordneten sind auch Menschen, und zwar von Menschen gewählte.«



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