03. Juli 2013, 10:08 Uhr

Schule will Angebot für Flüchtlinge erweitern

Gießen (kw). »Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Freundschaft nicht«: Einträchtig singen die Jugendlichen zur Gitarre. Die einen leben schon lange in Gießen und Umgebung und sind in der Ausbildung in Lagerlogistik, die anderen sind erst seit kurzem aus Somalia, dem Irak oder Pakistan gekommen.
03. Juli 2013, 10:08 Uhr
An der Friedrich-Feld-Schule lernen junge Flüchtlinge nicht nur Deutsch. Sie gewöhnen sich auch an den hiesigen Alltag, erfuhr Ministerin Nicola Beer (hinten r.) im Gespräch mit Schülern, Lehrern und Schulleiterin Annette Greilich (hinten l.). (Foto: Schepp)

Regelmäßig helfen die einen den anderen beim Deutschlernen – nämlich an der Friedrich-Feld-Schule, wo die minderjährigen Flüchtlinge aus den Clearinggruppen unterrichtet werden. Jetzt will die berufliche Schule ihre Angebote für junge Migranten ausweiten. Hessens Kultusministerin Nicola Beer (FDP) sagte gestern ihre Unterstützung zu.

Während die Ministerin die Stellwände mit Fotos und Zeitungsartikel über die Integrationsleistungen der Schule studiert, gibt Obaid Ullah Sherzai aus Afghanistan sein erstes Zeitungsinterview auf Deutsch. »Es gefällt mir hier. Es ist sehr gut für Ausländer. Die Lehrer helfen«, sagt der 17-Jährige. Als »Herzensangelegenheit« bezeichnet Dennis Walter die Arbeit mit den Flüchtlingen. »Sie sind auf Starthilfe angewiesen«, so der Klassensprecher der Lagerlogistik-Berufsschüler, die für ihr Projekt »Dazulernen« kürzlich einen Sonderpreis der Landeszentrale für politische Bildung erhalten haben. Bereits 2009 mit einem Integrationspreis ausgezeichnet wurde das Angebot »Sprache als Brücke zur Integration« mit Gymnasiasten.

Insgesamt fünf solche Projekte – eines davon mit der Theodor-Litt-Schule – unterhält die FFS. Auch in den Pausen würden die in eigenen Gruppen unterrichteten Flüchtlinge nicht isoliert, betont Schulleiterin Annette Greilich. »Wir wissen, dass sie nicht in ihre Herkunftsländer zurückgehen.« Umso wichtiger sei es, dass die 15- bis 18-Jährigen Kontakt mit Einheimischen haben und den hiesigen Alltag kennenlernen.

Bisher werden an der Schule vor allem diejenigen Flüchtlinge unterrichtet, die ohne Eltern gerade in Hessen angekommen sind. Sie leben einige Wochen oder Monate in Clearinggruppen in Gießen, die der Caritasverband betreibt. Derzeit sind es 48 Jungen und Mädchen, erklärte Caritasdirektor Joachim Tschakert bei einem Abschlussgespräch des Besuchs. Wenn ihre Situation rechtlich und sozial geklärt ist, werden sie über ganz Hessen verteilt.

Nicht überall können sie an Schulen gehen, deren Angebote ebenso gut auf ihre besondere Situation zugeschnitten sind. Die Friedrich-Feld-Schule wolle deshalb eine weitere Klasse einrichten, in der Jugendliche den Hauptschulabschluss machen und dann »ins deutsche Schulsystem einfädeln« können, sagte Annette Greilich. Schließlich seien gut ausgebildete junge Menschen eine Bereicherung für das alternde Deutschland, bekräftigte Tschakert. Einige Kompetenzzentren würde auch sie befürworten, betonte Beer. »Wir müssen gucken, ob es notwendig ist, die jungen Flüchtlinge nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen.«

Hürdenlauf zur Ausbildung

Einige beteiligte Lehrer wie auch Kerstin Gromes vom Staatlichen Schulamt schilderten der Ministerin die Hürden, die den jungen Flüchtlingen die Ausbildung erschweren. Etwa allzu starre Altersgrenzen für die Schulaufnahme: Diese Flüchtlinge beginnen ja erst mit 16 oder 18 Jahren Deutsch zu lernen, manche waren zuvor Analphabeten. Auch bei der Anrechnung von Abschlüssen gebe es Probleme.

Da sei Hessen mit der zügigen Umsetzung des Anerkennungsgesetzes auf dem richtigen Weg, sagte die Ministerin. Für eine Aufhebung der Altersgrenze setze sich ihr Haus auf Bundesebene ebenfalls ein. Beer plädierte dafür, unterschiedliche Fälle systematisch über das Schulamt zu sammeln, um passende Angebote entwickeln zu können.

Gießens Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser (SPD) wies darauf hin, dass andere Schulen sich ebenfalls für junge Flüchtlinge engagieren. Wer welche Angebote macht oder erweitert, sollte regional abgestimmt werden, so ihr Appell.

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