19. Mai 2008, 22:54 Uhr

Schuhhaus Darré feiert 75-jähriges Bestehen

Gießen (pd). »Wenn alle Schuhgeschäfte so wären wie Darré, müsste sich der Fachhandel in Deutschland keine Sorgen machen.« Das Lob für das Fachgeschäft am Selterstor kommt aus berufenem Munde, nämlich vom Vorstand des ANWR, dem weltweit größten Schuh-Dienstleistungsverbund.
19. Mai 2008, 22:54 Uhr
So fing alles an: Das Schuhhaus Darré bei seiner Gründung vor 75 Jahren.

Gießen (pd). »Wenn alle Schuhgeschäfte so wären wie Darré, müsste sich der Fachhandel in Deutschland keine Sorgen machen.« Das Lob für das Fachgeschäft am Selterstor kommt aus berufenem Munde, nämlich vom Vorstand des ANWR, dem weltweit größten Schuh-Dienstleistungsverbund. Was regional längst bekannt ist, wurde vor zwei Jahren auch bundesweit honoriert: Darré wurde als bestes Schuhhaus Deutschlands mit dem »Shoe Courier Award 2006« ausgezeichnet. Grund zum Feiern hat das Familienunternehmen auch in diesem Jahr. Darré wird 75 Jahre alt und begeht diesen Geburtstag heute Abend mit einem Programm für Wegbereiter aus Branche und Wirtschaft, dessen bunte Vielfalt zu einem Markenzeichen des Hauses geworden ist. Der Jubiläumsakt verspricht einen Mix aus Menschen, Mode, Musik, Cocktails, Kölsch und Cinema.

»Wir sind mehr als nur ein Schuhgeschäft in zentraler Lage«, beschreibt Juniorchef Heinz-Jörg Ebert die Philosophie des Hauses, die sich auf mehrere Säulen stützt. Da ist zum einen das Familienunternehmen, das 1933 von Emmy und Edmund Darré gegründet, später von Gerd und Marianne Ebert, geb Darré modernisiert und fortgeführt wurde und in dem inzwischen mit Heinz-Jörg Ebert und seiner Schwester Stefanie bereits die dritte Generation vertreten ist. Dass Tradition und Innovation bei Darré kein Widerspruch sind, wurde in den vergangenen 75 Jahren immer wieder unter Beweis gestellt. Außergewöhnliches Marketing, einzigartige Markenpflege und hervorragende Mitarbeiterführung werde dem Schuhhaus in der »Shoe Courier«-Laudatio bescheinigt.

Und das ist noch längst nicht alles. »Es reicht nicht aus, sein Haus in Ordnung zu halten«, bekennt sich Ebert zur »Leidenschaft für diese Stadt«. Dieses Engagement hatten bereits die Großeltern verinnerlicht, als sie nach der völligen Zerstörung des Geschäftshauses durch die Bombenangriffe vom 6. Dezember 1944 den Schuhverkauf 1945 in einem Behelfsbau im Seltersweg wieder aufnahmen. 1947 zog Darré zurück ans Selterstor, wo das Geschäft in einem aus Trümmerresten errichteten Laden fortgesetzt wurde. Dass Schlamm ein dominanter Faktor im Gießener Untergrund ist, musste die Familie 1950 zur Kenntnis nehmen, als beim Neubau des Hauses Seltersweg 87 der zweite Bauabschnitt aus Kostengründen nicht verwirklicht werden konnte. Das wurde mit dem Einstieg von Gerd und Marianne Ebert ins Familienunternehmen 1960 nachgeholt. Zunächst wurden die Verkaufsräume durch den Ausbau des Behelfsbaus um 300 Quadratmeter vergrößert, elf Jahre später folgte nach dem Abriss dieses Behelfsdomizils die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts mit Wohn- und Geschäftsräumen. Dass Familie Ebert nicht nur die Entwicklung ihres Schuhhauses, sondern auch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben am Herzen lag, wurde spätestens 1962 dokumentiert, als sich die Eheleute zum Prinzenpaar der Gießener Fassenachts-Vereinigung küren ließen. Ehrensache, dass Gerd Ebert als gebürtiger Düsseldorfer ein Stück rheinischen Frohsinn mit an die Lahn brachte und als erster Prinz im Fassenachtskostüm statt im Smoking seine Aufwartung machte.

Geschäftlich prägten Um- und Ausbauten, Erneuerungen und Strukturveränderungen das Bild der kommenden Jahrzehnte. 1991 meldete sich die dritte Generation der Familie zu Wort: Heinz-Jörg Ebert und Schwester Stefanie traten ins Unternehmen ein. Mit der Einführung der »PersönlichkeitsCard«, dem Umbau der Herren- und Kinderabteilung sowie weiteren Ergänzungen hat Darré seine Gesamtfläche auf nunmehr 1800 Quadratmeter mit einer Verkaufsfläche von 800 qm erweitert. Damit ist das Geschäft am Selterstor das größte nicht-filialgebundene Innenstadt-Schuhhaus in Hessen.

Bei aller Größe zeigt man bei Darré aber auch gern sein Herz für die Kleinen. Dass Kinderfüße besondere Zuwendung brauchen, wird mit einem neuen Fußmessgerät unterstrichen und durch einen entsprechenden Fußmesspass für die jüngsten Kunden ergänzt. Auch Heinz-Jörg Ebert ist regelmäßig als »Vermesser« von Kinderfüßen unterwegs. Erwachsene können ebenfalls unter mehr als 200 deutschen und internationalen Herstellern den richtigen Schuh wählen - das Sortiment wird von Gerd und Marianne Ebert gemeinsam mit Tochter Stefanie auf den internationalen Messen mit Sorgfalt und dem richtigen »Näschen« ausgesucht.

Dass sich nicht nur die Kunden, sondern auch das Personal wohlfühlt bei Darré zeigt die Struktur der Belegschaft. Elf der rund 60 Mitarbeiter halten dem Schuhhaus bereits seit über 40 Jahren die Treue, 30 Angestellte sind seit mindestens 25 Jahren dabei. Wer das Geschäft am Selterstor betritt, merkt jedoch sofort, dass eine junge, dynamische Mannschaft am Werk ist. Das Engagement dieses Teams erschöpft sich allerdings nicht in der Beratung beim Schuhkauf. Kölsch und Kultur, Fachvorträge und Konzerte oder Lesungen wie die mit Madame Nathalie von der Harald-Schmidt-Show sind Stichworte, die ebenso zu Darré gehören. Dass der Blick über den Tellerrand zum selbstverständlichen Repertoire gehört, zeigt sich auch daran, dass sich Heinz-Jörg Ebert einen Namen als Motor der BID-Bewegung in Gießen gemacht hat.

Und dass der Juniorchef auch singen kann, hat sich ebenfalls weit über Gießen hinaus herumgesprochen. Als Teil der »Drei Stimmen« füllt Ebert jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit in mehreren Vorstellungen die Pankratiuskirche. Mit dem Erlös dieser Konzerte wird die Behindertenarbeit von Pfarrer Armin Gissel unterstützt. Nach dem Auftakt des Jubiläums für Darré-Kunden im März und der Zusatzfeier in der Kongresshalle Ende April wird es für viele externe Branchen-Gäste der Jubiläumsfeier heute Abend eine Premiere geben. Aus Anlass des »75-Jährigen« wird Ebert gemeinsam mit den »Stimmen« die »Bühne des eigenen Hauses« betreten und den Gästen einen Ausschnitt aus dem breiten Repertoire der Gruppe bieten.



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