02. September 2013, 21:28 Uhr

Schüler diskutierten mit heimischen Politikern

Gießen (sis). Nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück am Vorabend trafen sich am Montag heimische Vertreter von vier Parteien zu einem interaktiven Podiumsgespräch mit Oberstufenschülern in der neuen Aula der August-Hermann-Francke-Schule.
02. September 2013, 21:28 Uhr
Die Schüler haken nach: »Wann werden wir eigentlich mal zu G8 befragt?« (am Mikrofon hr-Moderator Klaus Pradella). (Foto: sis)

Auch unter den Nicht- bzw. Erstwählern sollte in Hinblick auf Land- und Bundestagswahlen den aktuellen Umfrageergebnissen nachgefühlt und Raum für Fragen geboten werden. Schulleiter Lothar Jost hatte auch die Oberstufe der Herderschule eingeladen, die sich schließlich wortgewandt den Argumenten der Politiker stellte. HR-Reporter Klaus Pradella moderierte.

Besonders Gerhard Merz (SPD) hatte es schwer, nicht missverstanden zu werden. Die meisten der rund 200 anwesenden Schüler hatten das TV-Duell mitverfolgt und machten einen versierten Eindruck in puncto Wahlprogramm. Für die FDP stand Wolfgang Greilich Rede und Antwort, die Grünen hatten Christian Otto geschickt, und Martin Schlicksupp (CDU) aus dem Stadtparlament sprang kurzfristig für Dr. Gerhard Noeske ein. Dabei bemühte er sich, alle juristischen Fragen von sich zu weisen. Er sei auf diesem Gebiet »nicht sattelfest«, erklärte der Christdemokrat.

Eines der großen inhaltlichen Themen war die Inklusion an hessischen Schulen. Das Kultusministerium stehe in der Verantwortung, die UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich der schulischen Bildung umzusetzen, erklärte Greilich. Jedoch fände er es »lustig«, dass bei der Umsetzung augenblicklich von »desaströsen Zuständen« gesprochen werde. Der gemeinsame Unterricht sei sinnvoll, doch es solle weiterhin die Wahlmöglichkeiten für Eltern geben, ihr Kind auf eine Förderschule zu geben. Meistens könnten Schüler mit spezieller Förderung jedoch auf allgemeine Schulen gehen.

Otto betonte Verbesserungsmöglichkeiten bei der Förderung besonders in Kindergärten. Immer wieder werde mit Hinweisen auf angebliche bauliche Defizite vom Besuch einer allgemeinen Schule abgeraten. Daher fordere seine Partei eine unabhängige Beratung für die entsprechenden Eltern.

Merz forderte ergänzend dazu eine Verbesserung der Basisausstattung an Regelschulen, zum Beispiel durch die Doppelbesetzung im Klassenraum, von der nicht nur der Inklusionsschüler profitiere. »Jedes Kind ist anders«, so Greilich, deshalb fordere er die Vielfalt an Schulsystemen in Hessen. Jedes Jahr gewinne man vierzig Stellen für Förderlehrer und wie etwa an der Herderschule solle G 8 neben G 9 bestehen bleiben. »Ich würde die Backen nicht so blasen!«, äußerte sich daraufhin Merz.

Mit G8 sei an der »blödesten Stelle gespart« worden, der Mittelstufe. Lieber solle man den jahrgangsübergreifenden Unterricht ausbauen und für mehr Input beim Übergang von der Kita in die Grundschule sorgen. »G8 war die falsche Antwort auf eine nicht gestellte Frage!«

Auch Otto war der Meinung, dass die Reform »schlecht gemacht« worden sei. Schlicksupp ruhte sich auf dem juristischen Problem aus, G8 zu revidieren. Das Sitzenbleiben solle, so Greilich, entgegen mancher Forderung nicht abgeschafft, sondern durch bessere Förderung verhindert werden. Merz im Gegensatz dazu äußerte sich als »scharfer Kritiker des Notensystems«, welches »pädagogisch unnötig« sei. Hier sprang ein Schüler der Herderschule auf, um vermittelt zu bekommen, »dass unser Wohl den Politikern am Herzen liegt«. Wie sollten denn beispielweise die Universitäten bei NC-Fächern ohne Notenvergleiche entscheiden? Die Mitbestimmung der Schüler sei schwierig, gab Schlicksupp zu, da die Entscheidung für G8 oder G9 im Übergang zur fünften Klasse entschieden werde. Greilich sagte, er werde nicht zulassen, dass Rot-Grün das Gymnasium schrittweise abschaffe, indem andere Schulformen mehr gefördert werden.

Ein Schüler äußerte sich positiv gegenüber dem Kurssystem in manchen Hauptfächern, andere ärgerten sich über die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern, die den Schulwechsel bei Umzug erschwerten. Am Ende blieben viele Fragen offen, wie auch Moderator Pradella feststellen musste. Greilich nutzte seine letzte Redeminute für die Worte: »Wer nicht wählt, wählt die anderen!«

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