18. Februar 2014, 18:28 Uhr

Schüler aus Winchester und Gießen geben ein Konzert

Freundschaftliches Musizieren: Das Hampshire County Youth Chamber Orchestra und das Liebigschulorchester spielen in der Petruskirche.
18. Februar 2014, 18:28 Uhr
Orchestermusiker aus Winchester und Gießen spielen zusammen »Lord of the dance« in der Petruskirche. (Foto: Sascha Jouini)

Schulleiter Dr. Carsten Scherließ begrüßte am Montagabend in der fast voll besetzten Petruskirche neben den englischen Austauschschülern aus der Gegend von Winchester auch französische Gastschüler aus Avignon. Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz würdigte das Konzert als »gelebte Friedenspolitik«. In der Tat dürften durch das gemeinsame Musizieren viele freundschaftliche Kontakte entstanden sein.

Der erste Teil war dem Hampshire County Youth Chamber Orchestra unter Leitung von Carl Clausen vorbehalten. Für einen feierlichen Auftakt sorgte das Blechbläserensemble in der Intrada »Eine feste Burg« von Michael Altenburg. Dramatische, schicksalhafte Klänge erfüllten den Saal, als das Gastorchester den Kopfsatz aus Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 5 c-Moll spielte, und zwar in vorantreibender Bewegung, dynamisch überaus lebhaft. Die jungen Musiker widmeten sich der kniffligen Komposition mit spürbarem Elan, gefielen mit ihrem kraftvollen, im Ausdruck differenzierten Vortrag. In romantische Sphären führte die Ouvertüre zur Oper »Hänsel und Gretel« von Engelbert Humperdinck. Das Orchester bot sie in weiten musikalischen Bögen dar. Ansprechend geriet der Kontrast zwischen ruhigen, tänzerisch bestimmten und wuchtigen Passagen.

Gitarrist Daniel Crisp zauberte im Larghetto g-Moll aus op. 50 von Mauro Giuliani zarte kammermusikalische Klänge ins Gotteshaus, ehe Flötistin Beth Dingley in »Summer Breeze« von Ron Goodwin facettenreich wohltuend optimistische Melodien intonierte.

Humorvoll-leicht kam die swingende Streichtrio-Bearbeitung des ersten Satzes aus Johann Sebastian Bachs Konzert für zwei Violinen d-Moll daher, spöttisch als »Allegro Brisko« bezeichnet. Tom Balch und Conroy Adams-Merrigan (beide Violine) sowie Myles Scott (Kontrabass) brachten hier das Publikum zum Schmunzeln. Arrangeur Prof. Teddy Bor hatte keine Scheu, das anschließende Largo – »Lager mit Schmalz« genannt – aufs Äußerste zu reduzieren. Das i-Tüpfelchen setzte das bluesartige Finale. Kurzweilige Unterhaltung boten auch die abwechslungsreichen »Variations on America« von Charles Ives, bei denen erneut der musikalische Witz gefiel.

Der Chor der Liebigschule (Klassen 8 bis Q4) lieferte, dirigiert von Peter Schmitt, unter anderem mit der beseelten Interpretation der Komposition »Unser lieben Frauen Traum« aus den acht geistlichen Gesängen op. 138 von Max Reger eine eindrucksvolle künstlerische Visitenkarte.

Das beschauliche »Kol Nidrei« op. 47 von Max Bruch gab dem Cellisten Simon Marauhn, begleitet von der Harfenistin Cordula Poos und dem Liebigschulorchester, Gelegenheit, seine vorzüglichen solistischen Qualitäten zu demonstrieren; feinnervig ließ er sein Instrument singen.

Dass an dem Gymnasium Talente mit ausgeprägtem poetischem Empfinden unterrichtet werden, zeigte sich auch bei der Violinistin Alexia Sachsenberg, die erst kürzlich wieder bei »Jugend musiziert« reüssierte, in der Ballade und Polonaise für Violine und Orchester des belgischen Komponisten Henri Vieuxtemps.

Zum Schluss waren das hiesige und das Gastorchester vereint bei Modest Mussorgskis klanggewaltiger sinfonischer Dichtung »Eine Nacht auf dem kahlen Berg« sowie bei dem poppig-modernen Stück »Lord of the dance« von Ronan Hardiman. Die Besucher spendeten für das niveauvolle Konzert nicht enden wollenden Beifall.

Sascha Jouini



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