06. Juni 2010, 19:34 Uhr

Schönklang erfüllt die Johanneskirche

Ein ungewöhnlich sonniger Tag war der Samstag, und mit dem Acht-Uhr-Läuten der Johanneskirche setze ein Konzert im größten Gießener Gotteshaus ein, das die Zuhörer ganz gefangen nahm. Es spielte das Gießener Kammerorchester unter der Leitung von Christoph Koerber.
06. Juni 2010, 19:34 Uhr
Christoph Koerber dirigiert das Gießener Kammerorchester. (Foto: bd)

Mit »Serenade« war das Konzert überschrieben, und vier große europäische Komponisten standen auf dem Spielplan: Edvard Grieg, Georg Friedrich Händel, Leos Janacek und Felix Mendelssohn Bartholdy. Gut und gerne hätte man auch jedem einzelnen von ihnen einen ganzen Abend widmen können.

Den Anfang machte der Norweger Grieg (1843-1907), ein Kaufmannssohn, gebürtig in der alten Hansestadt Bergen. Grieg ließ sich stark beeinflussen von den Komponisten der deutschen Romantik, aber die Musik seiner Heimat scheint in gut allen Kompositionen klanglich durch. Ausgewählt hatte sich das Kammerorchester Griegs 1884 geschriebene Suite »Aus Holbergs Zeit«. Verfasst wurde das Stück aus Anlass des 200. Geburtstags des großen Schriftstellers Ludvig Holberg, den man den »dänischen Moliere« nennt. Grieg wählte für seine Komposition die Form der barocken Suite mit Präludium, Sarabande, Gavotte, Air und Rigaudon, in die er Klang und Ausdruck seiner Zeit legte. Das Publikum spendete kräftige Applaus für die Interpretation.

Von Georg Friedrich Händel (1685 -1759), dem gebürtigen Hallenser, einem unerhört produktiven Komponisten gab man in der Johanneskirche das Orgelkonzert in g-Moll. An die bis dahin verwaiste Orgel mitten im Orchester setzte sich Frank Scheffler, der Organist der Dankeskirche Bad Nauheim. Er beeindruckte an der Orgel als Leitinstrument in vielfacher Form und Variation.

Besonders überzeugend waren Menuet und Gavotte zum Schluss, als das Licht der untergehenden Sonne das Innere der Johanneskirche in ein ungewöhnlich helles Licht tauchte. Satter Schönklang erfüllte das Kirchenschiff. Den langen Beifall der Zuhörer nahm das Kammerorchester im Stehen entgegen.

Orgellos verlief das weitere Programm. Gespielt wurde jetzt die Suite für Streichorchester von Leos Janacek (1854-1928) aus dem Jahre 1877. Auch hier dominierte die barocke Form. Höchste Eleganz mischte sich mit sinnlicher Erregtheit und einer wehmütig-melancholisch wirkenden Grundtendenz. Eine Ausnahme war das Presto, der drittletzte Satz der Suite. Hier drangen die slawischen Rhythmen nach vorne, mit denen der im kleinen Ort Hochwald geborene Janacek aufwuchs. Annäherungen an die Klänge Richard Wagners offenbarte das Adagio des zweiten Satzes. Parallelen zu Mussorgski offenbarten sich zum Schluss. Janacek komponierte die Suite mit 23 Jahren. Es ließ sich heraushören, das sein wesentliches Bestreben einmal sein sollte, die Sprachmelodie und den Rhythmus des Tschechischen als Grundlage seiner Musik zu machen.

Letzter Komponist war Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Der in Hamburg geborene und in Leipzig gestorbene »Wiedererwecker« von Bach und Händel schuf in jungen Jahren die Streichersinfonie VII, intoniert wurde das »Allegro molto d-Moll«. Die Komposition stammt aus dem Jahr 1821. Verblüffend war die Sicherheit, mit der Mendelssohn Bartholdy als heranwachsender Knabe und 13-jähriges Wunderkind Formen und Stile mischte. Beschwingt waren die Motive, exakt gesetzt die Kontrapunkte. Das Orchester zeigte Dichte und Geschlossenheit, die Kunst der barocken Fuge und die frohgemute Heiterkeit einer Rossini-Ouvertüre vereinigten sich. Dirigent Christoph Koerber und die Instrumentalisten wurden am Ende mit Beifall überhäuft.

bd

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