01. September 2019, 18:41 Uhr

Schinderei mit bester Aussicht

01. September 2019, 18:41 Uhr
Sven Franke (im schwarzen T-Shirt) mit seinen Töchtern Helen und Carlotta und inmitten der Unterstützer und Sponsoren. (Foto: csk)

Nebenbei genießt Sven Franke selbstverständlich immer die Landschaft. »Wäre alles nur eine Riesenquälerei, würde ich es ja nicht machen«, sagt der Polizeihauptkommissar, als er dieser Tage seinen neuesten Aktivurlaub der Öffentlichkeit präsentiert. Erholung stellt man sich aber auch irgendwie anders vor. 270 Kilometer wird der Extremsportler in sechs Etappen zwischen dem 22. und dem 28. September beim »Grand To Grand«-Ultramarathon in den USA laufen. Mit all der Schinderei sammelt er wieder Spenden für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Gießen/Marburg. Genau genommen hat er dabei diesmal sogar zwei Ziele: wohlbehalten aus Utah zurück zu kommen und beim sechsten »Running for Children«-Event die 100.000 Euro-Marke zu übertreffen.

Ehe es so weit ist, wartet ein schier unglaublicher Trip. Vom Nordrand des Grand Canyon führt er bis auf den Gipfel des Grand Staircase, eines Naturschutzgebietes im Süden Utahs. Insgesamt 10 000 Höhenmeter überwinden die Teilnehmer, die längste Etappe geht über 84,7 Kilometer. »Davor habe ich einen Heidenrespekt«, räumt Franke ein. Anders als bei früheren Läufen, die ihn in die Alpen, den Himalaya und den Dschungel Perus führten, liegt die härteste Teilstrecke beim »Grand To Grand« mittendrin. Nämlich am dritten Tag. Es folgt der einzige Ruhetag und dann, wie Franke erklärt, mit dem Start von Etappe vier der voraussichtlich härteste Moment: »Die ersten Kilometer werde da der absolute Horror.«

Allein wegen der Distanzen ist ein Lauf natürlich längst nicht ultra. Einen zwölf Kilo schweren Rucksack mit kompletter Ausrüstung schleppt Franke auch noch mit. Darin unter anderem: Schlafsack, Isomatte, Jacke sowie Survival-Paket mit Kompass und Signalspiegel - falls im unwegsamen Gelände etwas passiert. Zwei Stirnlampen sind Pflicht, weil bei Läufen über zwölf bis 14 Stunden schnell mal die Dunkelheit vor dem Ziel erreicht ist. Übernachten werden die Sportler in Zelten. Die Nahrung tragen sie ebenfalls auf dem Rücken, in Frankes Fall besonders Energieriegel, Müsli, Curry, Chili con carne. Was nach beinahe untragbaren Zuständen klingt, nimmt der Polizist recht gelassen: »Das Schöne ist, dass der Rucksack am Ende leichter wird.« Etwa acht Kilo sollten es im Ziel nur mehr sein.

Zu den unschönen Begleiterscheinungen des Rennens gehören die lauernden Gefahren. »Blasenbildung« steht in Frankes Liste direkt über »Klapperschlangen«. Pumas, Kojoten und Skorpione sollen sich rund um den Grand Canyon ebenfalls wohlfühlen. Deutlich sorgenvoller blickt der 45-Jährige aber auf die Tücken der Geologie. Mit Sand in allen Formen und Facetten habe man am Canyon zu kämpfen. Gamaschen verhinderten nur das Schlimmste - so oder so finde das Scheuermittel stets einen Weg in die Schuhe.

Momentan fiebert Franke dem Abflug am 17. September entgegen. Von Frankfurt führt der entspannte Part der Reise über Denver nach Las Vegas und weiter zum Startpunkt des »Grand To Grand«. Läuft alles glatt, knackt »Running for Children« in seiner sechsten Auflage die 100.000 Euro-Marke bei den seit der Premiere im Jahr 2014 insgesamt eingesammelten Spenden. Das, so Franke, sei auf jeden Fall Motivation genug. Und wenn sich mit 50, 60 oder 70 Kilometern in den Knochen plötzlich der innere Schweinehund allzu laut meldet? Läuft man einfach weiter - und genießt eben noch ein bisschen intensiver die Landschaft.

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