09. März 2010, 20:52 Uhr

Schimmliges Fleisch im Kühlhaus: 14000 Euro Strafe

Gießen (ti). Mit einem Strafbefehl über 14000 Euro bedacht wurde am Dienstag ein heimischer Metzgermeister. In seinem Kühlhaus waren im Juli vergangenen Jahres drei Körbe mit Rauchfleisch gefunden worden, das vor Schimmel und schwarzen Käfern nur so strotzte. Es war nicht der erste Verstoß des 47-Jährigen gegen die Hygienevorschriften.
09. März 2010, 20:52 Uhr

Die Laufkundschaft steht zu Hochzeiten in seinem Laden Schlange. Das Geschäft mit den saftig belegten Brötchen und anderen Fleisch- und Wurstwaren läuft gut. Wüssten die Kunden aber, wie es in den Kühlräumen der Traditionsmetzgerei aussieht, blieben sie ihr vermutlich fern. Dort nämlich waren im Juli vergangenen Jahres drei Körbe mit Rauchfleisch gefunden worden, das vor Schimmel und Fett nur so strotzte. Auch Ungeziefer - genauer gesagt schwarze Käfer - fühlte sich dort offensichtlich wohl. Die Staatsanwaltschaft warf dem 47-Jährigen vor, für den Verzehr ungeeignete Lebensmittel in den Verkehr gebracht zu haben. Es erging ein Strafbefehl über 14 000 Euro (140 Tagessätze zu 100 Euro). Der Mann legte Einspruch ein und versuchte gestern am Amtsgericht eine Reduzierung der Geldstrafe zu erreichen.

»Wie kommt es zu solchen Zuständen?«, wollte Strafrichterin Beate Mengel wissen. Schimmelpilzkolonien waren auf dem Fleisch mit bloßem Auge zu erkennen gewesen. Mikroskopische Untersuchungen hatten die Bakterienbelastung bewiesen. Im Strafbefehl, den Oberamtsanwalt Udo Moch verlas, war von »hochgradigen sensorischen Veränderungen« der Ware die Rede.

»Dieser Bereich war die ganze Zeit überhaupt nicht benutzt«, versuchte sich der Unternehmer herauszureden. Angesichts ähnlicher Vorfälle in jüngster Vergangenheit wirkte dies jedoch wenig glaubhaft. Bereits im Oktober 2008 war er wegen verschimmelter Würstchen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Jahr zuvor war ein Verfahren wegen Gammelfleisches gegen eine Geldstrafe von 2500 Euro eingestellt worden. »Das darf bei einem sauberen Betrieb überhaupt nicht vorkommen«, sagte die Richterin.

Der Anklagevertreter, den die Häufigkeit der Vorfälle sichtlich schockierten, ging mit ihr konform: »Das Amt ist ja ständiger Gast bei Ihnen.« In seinen Augen führe der Angeklagte seinen Betrieb »ohne ausreichende Verantwortlichkeit«. Auch der Verkauf so genannter Suxhuk-Würstchen, die nur wertgemindert mit dem Zusatz »leicht fauligem, muffigem, brenzligem und saurem Geruch und Geschmack« verkauft werden dürften, biete der Unternehmer tonnenweise an. Für eine alteingesessene Gießener Metzgerei in Mochs Augen untragbar. Er legte dem 47-Jährigen nahe, seinen Einspruch zurück zu ziehen, was dieser tat.

Dass er sich noch einmal für eine Geldstrafe entschieden habe, »ist eigentlich schon fast eine Gnadenentscheidung für Sie«, versichertee der Oberamtsanwalt. »Aus meiner Sicht stehen Sie kurz vor einer Freiheitsstrafe.«



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