22. Februar 2017, 14:00 Uhr

Verkaufsoffener Sonntag

Schausteller fühlen sich übergangen

»Verkaufsoffene Sonntage sind für uns existenziell wichtig«, sagen die Gießener Schausteller. An einem guten Tag verdienen sie etwa 50 000 Euro. Jetzt hoffen sie auf die Unterstützung der OB.
22. Februar 2017, 14:00 Uhr
Stefan_Schaal
Von Stefan Schaal
Verkaufsoffene Sonntage spielen für Schausteller eine große Rolle. (Foto: ep)

Wann der nächste verkaufsoffene Sonntag stattfindet, ist weiterhin ungewiss. Kirchen und Gewerkschaften haben die Ladenöffnung bekanntlich gerichtlich zu Fall gebracht. Völlig übergangen fühlen sich dabei währenddessen die Gießener Schausteller.

»20 Familien sind in der Stadt als Schausteller tätig«, sagt Jako Rockel. »Wenn ein verkaufsoffener Sonntag ausfällt, verlieren wir zusammen 50 000 Euro Brutto-Umsatz.« Andreas Walldorf ergänzt: »Als Liebigs Suppenfest ausgefallen ist, habe ich über 7 000 Euro verloren. Die verkaufsoffenen Sonntage sind für uns existenziell wichtig.«

Gießener Schausteller haben am Montag Vertreter der Presse zu einem Gespräch eingeladen. Vor allem machten sie eines deutlich: Während der Einzelhandel Einbußen an Verkaufssonntagen im Lauf des Jahres eher abfedern kann, seien Schausteller auf das Geschäft bei Festen wie dem Krämermarkt angewiesen. »Kirmesveranstaltungen in Ortschaften sterben mehr und mehr aus«, sagt Walldorf, der Vorsitzende der »Interessengemeinschaft Gießener Schausteller«. »Wir haben keine Möglichkeit, um finanzielle Löcher zu stopfen.«

Die Schausteller reden sich in Rage: »Das Gerichtsurteil zu Liebigs Suppenfest kam sehr kurzfristig«, berichtet einer von ihnen. »Versuchen Sie dann mal, 1000 Würstchen wieder loszuwerden.« Einige Besucher seien im November zwar trotz geschlossener Geschäfte in die Innenstadt gekommen. »Aber wir hatten einen Verlust von 50 Prozent.« Dann fragt Walldorf: »Wie kann es eigentlich sein, dass Kirchen und Gewerkschaften über unser Schicksal und unsere Beschäftigung entscheiden?« Als Liebigs Suppenfest durch die Klage der Allianz ausgefallen sei, »bin ich sofort aus der evangelischen Kirche ausgetreten«. Der Konflikt um die verkaufsoffenen Sonntage reißt auch einen Graben innerhalb der Gießener SPD. Den heimischen Bundestagskandidaten Matthias Körner – in Personalunion Geschäftsführer des DGB Mittelhessen – werde er im Wahlkampf jedenfalls nicht unterstützen, hält der für die SPD im Stadtparlament sitzende Walldorf fest.

Nach Urteil aus Kirche ausgetreten

»Wir sind eine Randgruppe«, sagt Udo Werner. »Ich habe den Eindruck, dass wir den Menschen und der Politik egal sind.« Auch bei der Landesgartenschau sei man in den Planungen kaum berücksichtigt und vom Messeplatz schlicht vertrieben worden.

Die Landesregierung hat kürzlich – wie berichtet – einer Aufweichung des Sonntagsschutzes eine deutliche Absage erteilt. Stadt und Einzelhandel haben derweil die Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung mit der Allianz, die eine weitgehende Fortführung des bisherigen Veranstaltungskonzepts ermöglichen würde, noch nicht aufgegeben. Sie setzt auf die Karte einer Lösung unter Einbeziehung von Marburg und Wetzlar.

Die Gießener Schausteller wünschen sich unterdessen vor allem Klarheit. »Was macht eigentlich die Oberbürgermeisterin?«, ruft einer von ihnen. »Von ihr erwarten wir ganz einfach, dass sie uns beim Erhalt von Arbeitsplätzen unterstützt«, sagt Walldorf.



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