11. April 2010, 18:22 Uhr

Schauspiel-Jugendclub zeigt im TiL »Lysistrata«

Schauspiel-Jugendclub des Stadttheaters zeigt im TiL die Aristophanes-Komödie »Lysistrata« und bietet damit Packendes um die Themen Frieden und Befriedigung.
11. April 2010, 18:22 Uhr
Der vortreffliche Chor mausert sich zum Star des Abends. (Foto: Rolf K. Wegst)

»Wer den Phallos nicht ehrt, ist die Komödie nicht wert«, hat einmal Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff behauptet, und der Jugendclub Spieltrieb des Stadttheaters tritt jetzt auf der TiL-Studiobühne den Beweis an, dass gar so viel Phallos gar nicht sein muss, wenn es darum geht, mit des Aristophanes Komödie »Lysistrata«, im Jahre 411. v. Chr. im Athener Dionysostheater, nahe der Akropolis, uraufgeführt, zu zeigen, wie sehr wir alle Frieden wünschen - und sei es um den Preis der Verweigerung von Befriedigung.

Aktueller kann ein Stück nicht sein, und es ist ein Verdienst des Ensembles, auf jegliche Art von erhobenem Zeigefinger zu verzichten. Ein jeder mit ein wenig Verstand im Kopf weiß, dass Begriffe wie Friedensmission oder Krieg für die armen Leute vor Ort und die Angehörigen daheim lediglich Worthülsen bedeuten - denn die Angst bleibt.

Der Abend am Freitag im TiL, am Ende stark umjubelt, wog in mancherlei Hinsicht schwer. Zum einen kam dem Chor, wie er durch das antike Theater geprägt wurde, eine zentrale, grandios gemeisterte Rolle zu, zum anderen war endlich einmal die Frontal-Situation von Auditorium und Szene aufgebrochen, sodass - dem TiL wohl angemessen - eine geradezu amphitheatralische Situation, wenn das oft missbrauchte Wort gestattet ist, entstehen konnte, ein Rundum-Erlebnis, das einen packte.

Drittens darf man nicht vergessen, dass hier ambitionierte Jugendliche am Werk sind, diesmal von den Profis Dominik Breuer und Gunnar Seidel angeleitet, aber in einer Weise diszipliniert und perfekt, dass nicht nur Abdul-M. Kunze, der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, seine helle Freude hatte. Kunze war es übrigens, der vor etlichen Jahren einmal »Lysistrata« in der Übersetzung von Peter Paul Zahl auf die Bühne des Großen Hauses brachte. Nostalgie sei gestattet: Jutta Eckhardt spielte, Regula Steiner, Arthur Bauer, Walter von Have, Heinz Hönnecke.

Und diese Nostalgie sei auch deshalb erlaubt, weil sie fest verankert ist in der aktuellen Begeisterung. Gerade das chorische Sprechen, bei Weitem stärker als die oft hysterisch überheizten und nicht immer verständlichen Soli, flößen einem Respekt ein. Da kauern die Massen regungslos »in den Startlöchern«, um dann auf den Punkt genau ihre Texte zu sprechen. Ja, ich bin mit Hänschen Rosenthal der Meinung: »Das war spitze!«

Alle Mitwirkenden zu nennen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen; auf dem Programmzettel stehen sie alle, und da man die Aufführung gesehen haben muss, sind die Namen der Akteure nachzulesen.

Das Stadttheater tut sich mit dieser Produktion einen großen Gefallen; diese zeigt sich auf hohem Niveau und bindet junge Leute an ein Haus mit Zukunft. Und Frieden wollen wir doch alle.

Hans-Peter Gumtz

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