22. März 2019, 21:46 Uhr

Schaurig-schöne Geschichten

22. März 2019, 21:46 Uhr
CMD
Stéphane Bittoun liest Stories aus Edgar Allan Poes Horrorkabinett. (Foto: cmd)

Gießen (cmd). Eine Bühne, ein paar Stuhlreihen und eine Bar begrüßten die zahlreichen Zuschauer in der Weinraumwohnung. Es galt, Stéphane Bittoun zu lauschen, der schaurig-schöne Geschichten von Edgar Allan Poe vorlas. Der Sprecher, dessen Stimme durch diverse Arte-Dokumentationen und »Galileo-Big Pictures«-Sendungen Bekanntheitsgrad erreicht hat, kam allerdings nicht direkt zu Anfang auf die Bühne. Die sympathische Atmosphäre, welche vom stylischen Ambiente der Location nur noch familiärer gemacht wurde, wurde von Andreas Jamin und Lasse Löytynoja untermalt. Die beiden Musiker sorgten mit der Kombination aus Posaunen- und Gitarrenmusik für eine jazzige Untermalung des Abends, das zweite Kapitel der Reihe »Stories. Wein. Musik.«.

Veranstalter Christoph Jilo erklärte den Ablauf des Abends, eine stimmige Mischung aus Musik und Literatur. Die erste Geschichte, die Bittoun vorlas, war »Die Maske des roten Todes«, eine der wohl bekanntesten und gleichzeitig anspruchsvollsten von Poes Geschichten. Der Autor beschreibt darin eine Gruppe Adliger, die sich in einem Schloss verbarrikadieren, um einer Seuche zu entfliehen. Trotz all ihrer Privilegien und Festlichkeiten beschleicht die Gesellschaft schnell ein Gefühl der Unruhe. Das Ganze endet, wie es für den Meister des poetischen Horrors üblich ist, in einer Tragödie. Bei der zweiten Story mit dem Namen »Das verräterische Herz« handelte es sich um eine etwas kürzere, aber intensivere Horrorgeschichte. Bittoun sprach mit der diabolischen Stimme des psychopathischen und mörderischen Erzählers. Die Ich-Perspektive gab der Erzählung eines Mannes, der den perfekten Mord begeht und dessen Psychose ihn auffliegen lässt, eine persönliche Note, welche Bittoun mit geschickten Betonungen umzusetzen wusste. Begleitet wurde er diesmal sogar von den beiden Musikern: durch Zupfen einer Saite hier und einen kurzen Ton aus der Posaune da.

»Die Tatsachen im Falle Waldemar«, die dritte und letzte Schauergeschichte, ist im Stile eines Protokolls geschrieben, das ein Mediziner nach einem kuriosen Fall angelegt hat. Im Falle Waldemar begegnen die Mediziner einem Toten, der nur durch eine spezielle Form der Hypnose am Leben gehalten wird. Der von seinen Ärzten bereits längst aufgegebene Monsieur Waldemar wird durch diese Hypnose über Wochen nach seinem Sterbedatum schlafend am Leben gehalten. Die Folgen des Versuches, ihn aufzuwecken, seien hier nicht vorweggenommen.

Brasilien nächstes Thema

»Wir wünschen Ihnen angenehme Träume«, waren Jilos Abschiedsworte. Alles in allem war Kapitel zwei von »Stories. Wein. Musik.« durch und durch gelungen. Alle drei durch den Titel versprochenen Schlagworte wurden professionell und fantastisch erfüllt und das Publikum zeigte durch regen Applaus seine Zufriedenheit. Die nächste Veranstaltung mit allerdings nur wenigen Restkarten wird in derselben Location am 7. Mai stattfinden – diesmal ist Brasilien Thema.

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