Stadt Gießen

Sarkastischer Humor

Die konzertanten Lesungen mit Kai Engelke und Helm van Hahm im Rahmen des Krimifestivals erfreuen sich großer Beliebtheit - bereits zum fünften Mal war das Duo im ausverkauften Wiesecker Bestattungshaus Kümmel zu Gast. Für Juniorchef Sascha Kümmel gehören Engelke/van Hahm somit »im allerbesten Sinne zum Inventar«. Kai Engelke präsentierte vornehmlich neue Geschichten, Helm van Hahm bot auf der Gitarre originelle Eigenkompositionen, Coverversionen und Medleys. Mal zitierte er die James-Bond-Titelmusik, dann das Pink-Panther- oder Miss-Marple’s-Thema.
24. Oktober 2019, 22:08 Uhr
Sascha Jouini
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Gut aufeinander eingespieltes Duo: Kai Engelke und Helm van Hahm. (Foto: jou)

Die konzertanten Lesungen mit Kai Engelke und Helm van Hahm im Rahmen des Krimifestivals erfreuen sich großer Beliebtheit - bereits zum fünften Mal war das Duo im ausverkauften Wiesecker Bestattungshaus Kümmel zu Gast. Für Juniorchef Sascha Kümmel gehören Engelke/van Hahm somit »im allerbesten Sinne zum Inventar«. Kai Engelke präsentierte vornehmlich neue Geschichten, Helm van Hahm bot auf der Gitarre originelle Eigenkompositionen, Coverversionen und Medleys. Mal zitierte er die James-Bond-Titelmusik, dann das Pink-Panther- oder Miss-Marple’s-Thema.

Tatort Campingplatz

Aufhorchen ließ das fetzige Potpourri zu Beginn. In der folgenden Geschichte »Ameisen und Zikaden« gefiel der sarkastische Humor. Das Rentnerehepaar Vincent und Sophie macht darin in Rinteln an der Weser Campingurlaub. Der Fernsehempfang an ihrem Platz ist durch daneben stehende Fahrzeuge gestört, deshalb will das Paar die Nachbarn loswerden. Um die Volksmusiksendung nicht zu verpassen, lässt sich Vincent hierfür immer neue Tricks einfallen...

In der Campingwelt angesiedelt ist auch die Geschichte »Das Ungetüm«. Der Ich-Erzähler beobachtet hier eine Frau mit einem überdimensionalen Wohnmobil. Die Handlung nimmt eine ebenso bizarre wie grauenerregende Wendung.

Am meisten gefiel der Text »Kaminski wandert«, den Engelke einem früheren Mitarbeiter des Beerdigungsinstituts widmete: Allein in der Natur, kommt der Protagonist ins Sinnieren über den Tod. Text und Musik verbanden sich dabei zu einer engen Einheit. Van Hahm lieferte einen atmosphärisch dichten, die Stimmung intensivierenden Klangteppich. Über weite Strecken genügten ihm schlichte Tremoli und Glissandi zur szenischen Unterstützung. Virtuos und finessenreich gelang ihm der Blues.

Situationskomik

Durchweg begeisterte die Ader des Duos für improvisatorische Einlagen und Situationskomik. Die Geschichten waren im Grunde eher einfach gestrickt, gleichwohl amüsant. In »Die Frau vom Kuhstrand« etwa macht ein Biologe in Griechenland Urlaub. Seine Frau verschwindet bei einem Ausflug mit einer Fremden und wird schließlich ermordet aufgefunden. Daraufhin schmiedet der Mann einen listigen Racheplan.

Noch bissiger erschien »Das überaus harte und qualvolle Leben des Harm Schnieders« über ein im Emsland lebendes Paar in unharmonischer Beziehung - köstlich die Pointe, die viele zum Lachen brachte. Ein Hochgenuss waren auch van Hahms Darbietungen; ebenso souverän wie die akustische beherrschte er die E-Gitarre. Für den begeisterten Applaus dankte das Duo mit zwei Zugaben.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Sarkastischer-Humor;art71,638892

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