06. Juli 2015, 13:13 Uhr

Rund ums »Eritrea-Festival« dieses Mal keine Gewalt

Gießen (srs). Das »Eritrea-Festivals« gastierte am Wochenende wieder in den Hessenhallen. Während drinnen über 2500 Gäste feierten, demonstrierten am Samstagnachmittag 150 Menschen in der Stadt für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Eritrea. Am Ende stand eine symbolischen Aktion am Ursulum.
06. Juli 2015, 13:13 Uhr
150 Eritreer demonstrierten gegen das Fest und sammelten am Ursulum anschließend Müll ein. (Foto: Stefan Schaal)

»Nieder mit dem Diktator«, riefen die Demonstranten. Ein derartiges Festival ausgerechnet in Gießen, wo Hunderte Flüchtlinge Asyl und Zuflucht vor dem Regime Eritreas suchen, verurteilten sie als »Provokation«. Das Festival verbreite Angst unter den Flüchtlingen. In den vergangenen Jahren war es mehrfach zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Besuchern des Festivals und eritreischen Oppositionellen gekommen. An diesem Wochenende blieb eine Konfrontation aus.

»Gießen ist ein Ort der Freiheit«, hielt der Fraktionschef der Grünen im Stadtparlament, Klaus-Dieter Grothe, in einer Kundgebung vor dem Rathaus fest. Für ein »Festival der Angst« sei daher kein Platz. Grothe war neben Vertretern dreier Organisationen für ein demokratisches und freies Eritrea Anmelder der Demonstration. In seiner Rede zitierte der Grünen-Politiker einen im Juni veröffentlichten Bericht einer Untersuchungskommission des Uno-Menschenrechtsrats über die aktuelle Situation in Eritrea. Das Dokument wirft dem ostafrikanischen Regime systematische Folter, Zwangsarbeit und willkürliche Hinrichtungen vor, die den »Tatbestand von Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfüllen« könnten. »Das Regime mordet und vergewaltigt«, berief sich Grothe auf den Uno-Bericht. Ein »Eritrea-Festival« dürfe man sich in Gießen daher »nicht bieten lassen«.

»Propagandisten« unerwünscht

An der Kundgebung vor dem Rathaus beteiligte sich auch der Gießener SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Gerhard Merz, der an den Appell des Stadtparlaments vor drei Jahren erinnerte, Veranstaltungen wie das »Eritrea-Festival« in den Hessenhallen künftig zu unterbinden. »Propagandisten eines Regimes sind hier nicht willkommen«, betonte Merz. Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich richtete sich in einer Rede unterdessen an die eritreischen Flüchtlinge, denen die Stadt »einen guten Aufenthalt« sowie Sprachkurse und Ausbildungsmöglichkeiten bieten wolle. Ziel sei, dass die Flüchtlinge in der Zukunft in ihre Heimat zurückkehren »und dort eine Demokratie mit aufbauen können. Dafür wollen wir hier die Voraussetzungen mit schaffen. « In einer weiteren Ansprache forderte der in den USA lebende Exil-Eritreer Dr. Russom Mesfun: Aufgabe müsse sein, das eritreische Regime »auf friedlichem Wege« zu beseitigen.

Die 150 Demonstrierenden zogen vom Rathaus über die Rödgener Straße bis zur Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung. Auf Transparenten forderten sie Freiheit für politische Gefangene, beklagten Verfolgung und Folter und riefen zum Gedenken an die Opfer der eritreischen Regierung auf. In einer symbolischen Aktion sammelten sie auf Anregung Grothes außerdem Müll ein – »als Dank an die Stadt« und den Beschluss des Stadtparlaments gegen das »Eritrea-Festival«.

Vor den Hessenhallen hielten am Samstagmittag 30 Oppositionelle eine Mahnwache. Dass es dabei zu keinen aggressiven Konfrontationen wie in der Vergangenheit kam, werten die Demonstrierenden als Erfolg ihrer »friedlichen Proteste«.

Drinnen tanzten die Gäste derweil zu Liedern bekannter eritreischer Musiker wie Melekin Atombes, Henok Teklay und Isaias Debesay. Unter den Gästen war auch Osman Saleh Mohammed, der der eritreischen Regierung seit der Unabhängigkeit 1993 angehört – zunächst als Erziehungsminister, seit 2007 als Außenminister. Eritrea sei ein freies Land, erklärte er im kurzen Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung. Wer das Gegenteil behaupte, betreibe Propaganda oder habe das Land nie besucht.

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