13. Juni 2010, 20:38 Uhr

Rund um den Fußball bei »Foyer um fünf«

Kein Wunder, dass sich pünktlich zum Beginn der Fußball-WM in Südafrika am Freitag das »Foyer um fünf« im Stadttheater mit Hymnen auf grünem Rasen beschäftigte. Zur gleichen Zeit lief die zweite Halbzeit des Eröffnungsspiel Südafrika gegen Mexiko.
13. Juni 2010, 20:38 Uhr
Fußball erregt die Gemüter: Auf der Bank sitzen (v. l.) Frerk Brockmeyer, Petra Soltau und Irina Ries. (Foto: khn)

Fußball ist großes Theater. Um eine formvollendete Schwalbe in der 88 Minute im Elfmeterraum hinzulegen, auf die der Schiedsrichter auch noch hereinfällt, muss ein Kicker schauspielerisches Talent haben. Um eine Abseitsfalle richtig vorzubereiten, muss der Abwehrchef seine Mannen oder Frauen richtig dirigieren können. Nicht zu vergessen der Trainer, dessen Haare draußen an der Seitenlinie immer grauer oder weniger werden, weil seine Taktikvorgaben und das im Training Gelernte im Spiel nicht umgesetzt werden. Und am Ende warten die Journalisten und vergeben Noten - ganz wie Theaterkritiker.

Kein Wunder also, dass sich pünktlich zum Beginn der Fußball-WM in Südafrika am Freitag das »Foyer um fünf« im Stadttheater mit Hymnen auf grünem Rasen beschäftigte. Zur gleichen Zeit lief die zweite Halbzeit des Eröffnungsspiel Südafrika gegen Mexiko. Vielleicht einer der Gründe, warum nur 15 Besucher - davon zwei Männer - ins Stadttheater gekommen waren. Aber einer alten Fußballregel folgend - »Entscheidend ist auf’m Platz« - überzeugten Irina Ries, Petra Soltau, Frerk Brockmeyer und Dominik Breuer mit vollem Körpereinsatz und vor allem dem nötigen Spielspaß.

Von einer Ersatzbank aus, mit Energydrink, Banane und Skript ausgestattet, lieferten sie eine Tour de Force durch die Fußballgeschichte der vergangenen 50 Jahre. Brockmeyer ließ das WM-Achtelfinale Deutschland gegen Niederlande nochmal neu aufleben. Im Mittelpunkt stand die Spuckattacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler. Während der als Minnesänger verkleidete Breuer »Skandal« ins Rund brüllte, versuchte Soltau das Verhalten des Rotz-Rüpels als Befreiungsakt zu deuten. »Er sagt damit: ›Der Weg ist frei, jetzt ich komm durch!‹« Soltau war es auch, die in der 33. Minute den Sieg von St. Pauli gegen Bayern München 2002 Revue passieren ließ und erklärte, wie aus dem Freudenhaus der Bundesliga der Weltpokalsiegerbesieger wurde. Ekstatisch feierte sie den 2:1-Sieg des damaligen Tabellenletzten gegen den Ligaprimus, sprang - Arme in die Luft werfend - auf und ab und zog sich ihr CSSR-Trikot aus.

Nachdenklicher wurde es mit Ries. »Fußball ist zwar nicht das einzige Spiel mit Toren und Bällen, aber nur hier kann ein Spieler mit einem Tor unsterblich werden«, sagte sie, bevor sie von Rainer Maria Rilke »Der Ball« zitierte: »Du Runder, der das Warme aus zwei Händen im Fliegen, oben, fortgiebt, sorglos wie sein Eigenes.« Reaktion von Brockmeyer: »Rilke? Spielt der nicht in der zweiten Liga?«

Fußballspieler können auch Komiker sein: »Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s flüssig« (Paul Breitner), »Ich war körperlich und physisch topfit« (Thomas Häßler), »Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel« (Lukas Podolski), »Jürgen Klinsmann und ich sind ein gutes Trio« (Fritz Walter - nicht der WM-Held von 1954) oder »Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär« (Hans Krankl) - das Theater-Team zitierte, die Zuhörer bogen sich vor Lachen.

Zum großen Finale in der Nachspielzeit kam ein Paukenschlag: Breuer hatte seine Minnesänger-Stutzen-Kombination abgelegt und war in die Rolle von Startrainer Giovanni Trapattoni geschlüpft. Seine Wutrede von 1998 ist bis heute großes Theater: »Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen, was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer!« Als Breuer fertig hatte, applaudierten die Zuhörer minutenlang.

khn



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