04. September 2017, 08:04 Uhr

Kaisermania

Roland Kaiser vor 4500 Fans auf dem Schiffenberg

Roland Kaiser wartet zum Gießener Kultursommer auf dem Schiffenberg er nicht nur mit seinen Klassikern auf.
04. September 2017, 08:04 Uhr
Grandseigneur und Frauenkenner Roland Kaiser sorgt für dauerhafte Glücksmomente. (Foto: Lademann)

Das ehemalige Kloster Schiffenberg glich am Samstagabend eher einer »Kaiserpfalz«, einer musikalischen: Sänger Roland Kaiser, Grandseigneur und Gentleman des deutschen Schlagers, hatte im Rahmen des Gießener Kultursommers zu seinem letzten Open-Air-Konzert dieses Jahres geladen. Und das entpuppte sich wie in der 43-jährigen »Amtszeit« des Schmachtbarden üblich als klingendes Fest der Liebe.

Über 4500 Fans pilgerten auf Gießens Hausberg, um ihrem Kaiser zu huldigen – enthusiastisch, lautstark und in Erinnerungen schwelgend. Der 65-jährige, frühere »Hitparaden«-Dauergast und seine elfköpfige Band empfingen sie auch gleich mit wohligen Worten: »Es ist schön Euch zu sehen. Ich freue mich auf einen langen Abend mit Euch. Es ist wunderbar, was wir erleben. Dass es Eure Begeisterung ist und Eure Emotionen sind, die mich und uns davor bewahren, allzu viel Routine aufkommen zu lassen.« Das gilt auch in Sachen Liebe, wie gleich die rockig angehauchte, hymnische Eröffnungsnummer »Auf den Kopf gestellt« unter Beweis stellte. Sowohl die neuen, von der gleichnamigen aktuellen Gold-Platte stammenden Lieder wie auch die bekannten Hits aus den 80ern bilden bei Kaiser aber nicht einfach nur einen Tanz auf rosa Wolken ab.

Es geht sowohl um die Höhen und Tiefen, gezeichnet von Erfahrung und vom Leben selbst. Einerseits flauschige Verliebtheit, Sehnsucht, Treue, andererseits Seitensprung, Verlassen werden.

 

Nicht nur Tanz auf rosa Wolken

 

Mit seiner markanten, mittlerweile aber gegenüber früher noch tiefer und sonoriger gewordenen Stimme verleiht der gewohnt adrett in Dreiteiler samt Krawatte und Einstecktuch gekleidete Sänger den Zeilen die weise Aura eines in die Jahre gekommenen Frauenkenners. Auf Dauer würde diese Tonlage gewiss irgendwie schon dröge wirken, doch mit der peppigen, um einen Bläsersatz ergänzten Band in petto drehte sich der Spieß knappe zweieinhalb Stunden lang in Richtung Party und gute Laune.

Irgendwie war das ganze 29 Titel umfassende Set, das weitestgehend dem Kaisermania-Programm vor einem Monat in Dresden glich, für die Fans dauerhaft auf Glücksmomente gepolt – vor allem für das mehrheitlich weibliche Publikum. Drei Generationen – von der Großmutter bis zur Mittzwanziger-Enkelin – lagen sich in den Armen, schunkelten, sangen textsicher mit. Charmant schmeichelte der ansonsten eher wortkarge Kaiser in Bezug auf das Alter der Lieder: »Ihr seid doch alle jünger!?«, um in einem Atemzug seinen 1980er Erfolg »Santa Maria« anzustimmen.

Und schon raunten die Massen wohlig das einleitende »Hum-dada, hum-dada«.

 

Nach vier Zugaben ist Schluss

 

Um bei den Wortspielereien zu bleiben: Die Fans firmierten sich regelrecht zum »Kaiserchor«, der seine Euphorie vor allem in den Klassikern wie »Dich zu lieben«, »Manchmal möchte ich schon mit dir« oder »Joana« freien Lauf ließ. Hätte man am Samstagabend klare Sicht auf den Himmel gehabt, hätte man wohl Sternenbilder sich in Herzform ergießen sehen. Etwa bei der neuen Ballade »Ein Leben lang« oder dem im Duett mit Backgroundsängerin Christiane Eiben angestimmten »Warum hast du nicht nein gesagt«. Fetzig hingegen waren nicht nur die Saxofon-Soli von Tina Tandler, sondern auch die große finale Runde ab dem osteuropäisch angehauchten und zum Tanzen animierenden »Schach Matt« samt dem flotten »Amore mio« oder der ebenfalls mit Bläsern an vordersten Front unterstützten Zugabenummer »Ich glaub es geht schon wieder los«.   (Text und Foto: Christian Lademann)

Als einer der Grandseigneure des deutschprachigen Schlagers huldigt er zudem dem »größten Sänger und Entertainer« unter ihnen. Was steht wohl noch über einem Kaiser? Udo Jürgens, genau. Dem 2014 gestorbenen Österreicher widmet er ein flottes vierteiliges Medley. Obligatorisch verabschiedete sich Roland Kaiser mit »Bis zum nächsten Mal«. Der lauthals vom Publikum angestimmte »Oh, wie ist das schön«-Gesang konnte aber nach bereits vier Zugaben keine weitere Verlängerung mehr erwirken.

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