09. Oktober 2018, 21:33 Uhr

Rocker mit Hemd und Weste

Anlässlich des Auftritts der Manfred Mann Earthband am 2. November in Gießen hat unser Mitarbeiter Axel Cordes Gründungsmitglied Mick Rogers interviewt. Der heute 72-jährige Gitarrist war bis 1975 auch Sänger der Band.
09. Oktober 2018, 21:33 Uhr
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Von Axel Cordes
Mick Rogers (l. ) und Manfred Mann, hier bei einem Konzert 2012, stehen immer noch gemeinsam auf der Bühne. (Foto: axc)

Was bringt ihrer Meinung nach die Leute dazu, nach all den Jahren noch in ihre Konzerte zu kommen – zumal nur noch zwei Gründungsmitglieder dabei sind?

Mick Rogers: Ich denke, die Leute kommen noch zu unseren Shows, weil sie die Songs lieben, und wir versuchen, die Dinge frisch zu halten. Manfred und ich improvisieren ziemlich viel.

Die Band hat seit mehr als 20 Jahren kein Studioalbum mehr herausgebracht. Wie viel Freude haben sie daran, immer wieder Songs aus dem riesigen Back-Katalog zu spielen? Gibt es Pläne für ein neues Studioalbum?

Rogers: Ja, wir haben tatsächlich schon ein paar Sachen aufgenommen. Ich persönlich würde gerne noch viel mehr Sachen aus dem Back-Katalog spielen. Das werde ich nächstes Jahr mit meiner eigenen Solar Fire Band auch tun.

Kommen auch Kinder und Enkelkinder der ursprünglichen MMEB-Fans zu den Konzerten?

Rogers: Ja, wir scheinen ein breites Publikum anzusprechen, was sehr schön ist. Ich sage über die jüngere Generation immer, dass ihre Eltern ihnen von uns erzählt haben müssen.

Was macht einen guten Veranstaltungsort aus – abgesehen von gutem Sound?

Rogers: Vor allem die Reaktionen des Publikums sind uns sehr wichtig – und natürlich die Akustik.

Vor drei Jahren schrieb ich über ihre Bühnenkleidung, dass ich ihnen ohne Weiteres auch eine Versicherung abkaufen würde. Kurze Haare, Hemd und Weste: Ist das ein Statement, dass die alten Zeiten vorbei sind und auch Rockmusiker jetzt erwachsen sind – oder ist es einfach Ihr Stil?

Rogers: (Lacht) Es ist einfach mein Stil. Ich trage auch sonst Westen. Ich finde Anzüge klasse, aber manchmal zu warm. Und die Haare sind einfach so ein »50er Grau«-Ding.

Deutschland war in den 70ern ein guter Ort für keyboardlastigen Prog Rock wie Emerson, Lake and Palmer oder Barclay James Harvest. Welchen Stellenwert hat Deutschland für sie heute?

Rogers: Deutschland fühlt sich manchmal wie Heimat an. Auch mein Management ist in Deutschland.

MMEB hat viele kleinere Hits anderer Autoren, vor allem Dylan und Springsteen, bearbeitet und zu großen Hits gemacht. Sie verändern diese Songs bis heute auf der Bühne immer wieder recht stark. Enttäuscht es Fans, wenn z.B. »Father of Day« in einem gänzlichen neuen Gewand daherkommt?

Rogers: Ja, wir haben die Songs immer gerne verändert, aber wir versuchen immer das, was den Song ausmacht, zu erhalten, damit die Fans nicht ausrasten, weil er nicht mehr erkennbar ist. »Father of Day« hat viele Veränderungen erlebt, ist aber immer noch der gleiche Song.

Was können die Fans am 2. November in Gießen erwarten: die gute alte MMEB mit ein paar Überraschungen?

Rogers: Haha, du hast dir die Frage gerade selbst beantwortet: Wir werden die alten Lieblingssongs spielen – und ein paar Überraschungen.



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