16. Januar 2013, 21:28 Uhr

Rhön kündigt neue Sparrunde für Klinikum an

Gießen/Bad Neustadt (dpa/lhe). Der Krankenhauskonzern Rhön will das defizitäre Universitätsklinikum Gießen und Marburg mit einer neuen Sparrunde und öffentlichen Zuschüssen sanieren.
16. Januar 2013, 21:28 Uhr
(Foto: Red)

Der neue Rhön-Chef Martin Siebert sieht weitere Möglichkeiten, die Personalkosten zu senken und Leistungspotenziale in dem 2006 vom Land Hessen erworbenen Doppel-Klinikum zu heben. Dem in Hamburg erscheinenden »Manager-Magazin« sagte der vom Konkurrenten Asklepios gewechselte Vorstand: »Wir werden auch die auf zwei Standorte verteilte Verwaltung zentralisieren. Alles in allem reden wir für 2013 von einem Optimierungspotenzial von rund 20 Millionen Euro.« Dieser Betrag sei für den gesamten Konzern und nicht allein für das Uniklinikum gemeint, präzisierte das Unternehmen am Mittwoch. Welche Bereiche von der Zentralisierung betroffen sein könnten, blieb gestern offen.

Siebert rechnet auch mit öffentlichen Zuschüssen: »Wir haben als Krankenhausbetreiber Anspruch auf öffentliche Fördergelder, etwa für die Sanierung von Gebäuden. Darauf haben wir in der Vergangenheit kaum zurückgegriffen. Ich glaube, dass wir uns diesen Verzicht nicht mehr leisten können«, sagte er. Über eine Lösung verhandele er mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Tatsächlich hatte Rhön beim Kauf des Klinikums bewusst und freiwillig auf öffentliche Fördergelder verzichtet – auch, um bei seinen Investitionen an weniger strenge Vorgaben gebunden zu sein. Außerdem hatte sich Rhön damit gegenüber den Mitbietern einen Vorteil verschafft.

Siebert führte die laufenden Verluste des Uniklinikums auf hohe Lasten für Zinsen und Abschreibungen zurück. Operativ schreibe die Uniklinik schwarze Zahlen, sagte er in dem Interview. Das Großkrankenhaus hat an den beiden Standorten insgesamt rund 9700 Mitarbeiter.

Die vom damaligen Ministerpräsidenten Koch forcierte und bislang bundesweit einmalige Privatisierung einer Uniklinik sorgt immer wieder für Ärger und Streit im hessischen Landtag. Das mehr als 100 Millionen Euro teure Partikeltherapiezentrum zur Krebsbekämpfung ist wegen der hohen Anlaufkosten bislang noch nie für Patienten eingesetzt worden, obwohl sich Rhön beim Kauf des Uniklinikums dazu vertraglich verpflichtet hat. Die Opposition im Landtag fordert daher (wie berichtet), von Rhön die Zahlung von mehr als 100 Millionen Euro zu verlangen. Auch die CDU-Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann hat sich für Schadenersatzforderungen stark gemacht.

Dem Unternehmen Rhön-Klinikum haben die Probleme in Mittelhessen und stark zugesetzt. Rhön hatte im November seine Ergebnisprognose für 2012 zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate gekappt. Die Franken erwarten, dass Einmaleffekte in Höhe von 20 Millionen Euro auf das operative Ergebnis (EBITDA) durchschlagen.

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