07. November 2012, 19:33 Uhr

Rhön AG will Uni-Klinikum »restrukturieren«

Bad Neustadt/Gießen (ta). Die börsennotierte Rhön-Klinikum AG hat für das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) einen »Restrukturierungsplan« verabschiedet. Damit soll der Betrieb wieder wirtschaftlicher werden.
07. November 2012, 19:33 Uhr
(Foto: Red)

Am Mittwoch wurde Dr. med. Dr. jur. Martin Siebert, der seit Oktober dem Vorstand angehörte, vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt.

Siebert tritt Anfang 2013 die Nachfolger von Wolfgang Pföhler an, der Ende September seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt hatte. Pföhler hatte damit mittelbar die Verantwortung für das Scheitern der angestrebten Übernahme der Rhön-Klinikum AG durch den größeren Krankenhausbetreiber Fresenius übernommen. Bereits im September hatte Finanzchef Erik Hamann die Aktiengesellschaft verlassen.

Wie der Konzern am Dienstagabend mitteilte, haben die Gremien den Restrukturierungsplan einer renommierten Unternehmensberatung für das Universitätsklinikum Gießen und Marburg für gut befunden. »Der konsensbasierte Ansatz sieht die sofortige Umsetzung eines Maßnahmenpakets vor und weist damit eine klare Perspektive für die betriebswirtschaftliche Sanierung auf«, hieß es in der Pressemitteilung weiter.

Worin konkret diese Maßnahmen bestehen, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen. Auch bei wiederholten Versuchen der GAZ-Redaktion war die Konzernzentrale in Bad Neustadt an der Saale nicht zu erreichen. Allgemein heißt es nur: »Vielfältige Einzelmaßnahmen zur Effizienz- und Produktivitätssteigerung.«

Dafür verrät die im Wirtschaftsjargon verfasste Verlautbarung des Konzerns, die sich vorrangig an die Finanz- und Börsenwelt richtet, die Gründe für die betriebswirtschaftliche Negativentwicklung am UKGM: Durch eine überproportionale Zunahme der Kosten für Sachmittel und Medikalprodukte sowie rechtliche Veränderungen, die zu Mehrkosten geführt und Rückstellungen erfordert hätten, seien im dritten Quartal das Wachstum bei den stationären Leistungen und so die Umsatzerlöse an beiden Standorten stark geschrumpft.

Auch öffentliche Kritik wirkte sich aus

Auch die »von verschiedenen Seiten geführten öffentlichen Diskussionen über das UKGM« hätten sich nunmehr ungünstig ausgewirkt, räumt die AG ein.

Auf Konzernebene wird der Rückgang der Gewinnerwartung um mehrere Millionen Euro auf die zusätzlichen Beratungsleistungen im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot von Fresenius und auf die Personalveränderungen im Vorstand zurückgeführt.

Wirtschaftlich nach vorn bringen möchte der Vorstand der Rhön-Klinikum AG das hiesige UKGM aber auch durch »die Weiterentwicklung der überregionalen Medizinstrategie«. Eine Analyse habe ein wesentliches Marktpotenzial ergeben, das nun gezielt ausgeschöpft werden solle. Dabei gelte es, das UKGM stärker als überregionaler Maximalversorger zu positionieren und die Kooperationen mit den Grund- und Regelversorgern gezielt auszubauen.

Und weiter: »Gleichsam soll der Wissensaustausch und die Position des UKGM innerhalb des Konzernnetzwerks der Rhön-Klinikum AG fortentwickelt werden, damit künftig noch mehr Patienten gruppenweit vom hohen Versorgungsniveau der Universitätsmedizin in Gießen und Marburg partizipieren können.« Gemeint ist offenbar, dass Patienten mit diffizilen Erkrankungen von anderen Rhön-Kliniken verstärkt nach Gießen und Marburg umgeleitet werden.

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