13. Mai 2019, 21:51 Uhr

Regionale Versorgung optimieren

13. Mai 2019, 21:51 Uhr
Öko-Erzeuger Moritz Schäfer (r.) und Klatschmohn-Geschäftsführer Georg Rieck (Mitte) zeigen Christian Weingran (l.) vom Verein Slow Food, wie das Leinsamenöl vor Ort gepresst wird. (Foto: lwg)

Im Idealfall sind Produkte, die in der Region konsumiert werden, dort auch erzeugt. Dass es nicht an Bio-Erzeugnissen, sondern an der Weiterverarbeitung mangelt, stellte sich bei einer Dialogrunde mit acht mittelhessischen Erzeugern heraus. Alle bieten ihre Waren im Naturkostladen Klatschmohn in der Neuen Bäue an und zeigten Hindernisse und Potenziale für das regionale Wirtschaften auf. Davor fand eine Führung durch den Laden statt, bei der regionale Lebensmittel sowie die Zusammenarbeit mit den Erzeugern im praktischen Verkaufsalltag vorgestellt wurden.

Systematisch seien in den letzten 50 Jahren Mühlen, Molkereien und Schlachtereien abgebaut worden. Der Gießener Schlachthof sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich aus einem ehemaligen Betriebsgelände eine luxuriöse Location entwickelte. »Doch wollen wir in die 50er Jahre zurück?«, fragte Christian Weingran vom Verein Slow Food, der sich für nachhaltige Lebensmittelproduktion einsetzt, und eröffnete die Diskussion.

Auch wenn sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt, setzen sich einige Akteure wie Henner Böhm für regionale Aufbereitung und Vermarktung ein. Neben seinem Hofladen in Ehringshausen betreibt er den Bio-Agrarhandel »Agropur«. Dort kann beispielsweise Vollkornmehl hergestellt oder Dinkel veredelt werden. Daneben erschweren EU-Reglementierungen etwa, dass Fleisch in Bio-Qualität in der gleichen Stätte wie konventionelles Fleisch geschlachtet wird. Dadurch müssen Rinder, Schweine und Hühner teils weite Wege zurücklegen. Schlachten im Eigenbetrieb sei hier die einzige Lösung, und so kümmert sich Dirk Hampel auf seinem Ökohof in Schotten trotz »massiver Hürden vom Veterinäramt« selbst um den unschöneren Teil der Tieraufzucht.

Auf die Frage nach finanzieller Förderung für notwendige Investitionen, kann Astrid Rauner, Projektmanagerin der Ökomodellregion Lahn-Dill und Gießen, leider keine konkrete Antwort geben. Diese Regionen werden durch das Landwirtschaftsministerium in der Umsetzung von Projekten, die zu einer regionalen Wertschöpfungskette beitragen, unterstützt. In Hessen gibt es acht solche Ökomodellregionen. Im bundesweiten Vergleich sind Bayern und Hessen mit über 25 Prozent Öko-Ackerflächen sowie Betrieben die Spitzenreiter. Hier gebe es bereits sehr gute Voraussetzungen für weitreichende Veränderungen. Aufgrund von »vielen kleinbäuerlichen Strukturen« seien jedoch »Synergien mit anderen Regionen notwendig«.

Moritz Schäfer, Besitzer des Demeter-Hof Schwalmtal, und Klatschmohn-Geschäftsführer Georg Rieck haben zumindest für eines von Schäfers Erzeugnissen eine überaus lokale Lösung gefunden. Leinsamen werden direkt im Laden zu Öl gepresst, während die Reste als Tierfutter geeignet sind. »Frischer findet man in Gießen kein Leinsamenöl«, sagte Schäfer stolz. Rieck kennt die »Sehnsucht der Verbraucher nach Regionalität« und sieht den Einzug von Bio-Produkten in Discountern teils kritisch. Projektmanagerin Rauner hält jedoch fest, dass Nachhaltigkeit auch weiterhin ihren Preis behalten wird.

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