11. Januar 2013, 17:23 Uhr

Regelrechte Eskapade im Mittagskonzert

Moderatorin Carol Brown begrüßte die Hörer im voll besetzten Rathaussaal zum ersten Mittagskonzert im neuen Jahr. Das Programm mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters hielt wie gewohnt hochgesteckten Erwartungen stand.
11. Januar 2013, 17:23 Uhr
Vera Krauß und Evgeni Ganev. (Foto: jou)

Schwermütige Stimmung erfüllte den Saal im eröffnenden »Lento doloroso« der Sonate Nr. 2 op. 13 G-Dur von Edvard Grieg, mit solcher leidenschaftlichen Hingabe spielte das Duo Vera Krauß (Violine) und Evgeni Ganev (Klavier). Krauß gestaltete die Melodie kantabel und facettenreich. Lebensbejahende Züge offenbarte demgegenüber das gleichermaßen gefühlvoll dargebotene Allegro. Die schwelgerische Interpretation bereitete großen Genuss. Im Ganzen beeindruckte, wie ausgewogen die Violinistin in allen Lagen intonierte und wie tragkräftig sie vom Pianisten unterstützt wurde. Gekonnt zeigte das Duo, in welch kunstvolle Form die norwegischen Folklore-Elemente gebracht sind. Beim »Allegretto tranquillo« begeisterten am meisten die anmutigen harmonischen Melodien; sie wirkten ungemein entspannend. Der akustischen Abrundung zugute kam, dass der zu große Flügel nur einen Spalt breit geöffnet war. Ansteckend geriet die tänzerisch beschwingte Bewegung im Finale.

Schrieb Grieg seine Sonate Brown zufolge 1867 in den Flitterwochen, so komponierte Sergei Rachmaninow das »Trio élégiaque« Nr. 1 g-Moll in noch jüngerem Alter, bereits als 19-Jähriger. Ganev verlieh zu Beginn dem schwärmerischen Klavierthema über einem Streicher-Klangteppich bezaubernd weichen Schmelz. Im weiteren Verlauf entfalteten Violinist Ivan Krastev und Cellistin Viktoria Krasteva inspiriert die gedanklichen Fäden und sorgten für ein stimmungsintensives Hörerlebnis. In den ausgedehnten Dimensionen und der emotionalen Dichte sprengte das romantische Werk fast den Rahmen der Veranstaltung – man hätte es sich noch besser für ein umfangreiches Abendprogramm vorstellen können. So entführte das Mittagskonzert die Besucher diesmal mehr als sonst in geruhsam-besinnliche Sphären. Kein kleiner Spaziergang eben, sondern vielmehr eine regelrechte Eskapade, die auf überaus positive Resonanz stieß. jou

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