28. April 2017, 20:46 Uhr

Wort zum Sonntag

Reden und Handeln

28. April 2017, 20:46 Uhr
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Aus der Redaktion

»Würdet ihr in einem Land Urlaub machen, in dem jedes Jahr 63 000 Menschen getötet werden? Das sind 172 Todesopfer täglich!« Nils, angehender Fachabiturient, fragt seine Mitschüler. So beginnt sein Referat zum Thema »Ethisch handeln – Schöpfung bewahren«. Alle Schüler verneinen. »Würdet ihr euch am Töten beteiligen?« Entrüstet schütteln alle die Köpfe. Seine dritte Frage lautet: »Wer von euch kommt mit dem Auto zur Schule?« Nils hatte gelesen, dass in Deutschland laut europäischer Umweltagentur über 60 000 Menschen pro Jahr an den Folgen von Luftverschmutzung sterben. Hauptverursacher: Verbrennungsmotoren. Dazukommen jährlich mehr als 3000 Verkehrstote.

Die meisten Schüler dieser Klasse kommen mit dem Auto. Sofort entsteht eine wilde Diskussion: »Das ist doch etwas ganz anderes!« »Ich wohne aber in Hintertupfingen – da kann ich gar nicht anders zur Schule kommen«. Nils bringt sie zur Ruhe und bittet sie, ihm erst einmal weiter zuzuhören. Er trägt weitere Fakten zum Klimawandel und zur Umweltverschmutzung vor. Zum Schluss berichtet er, wie er selbst zur Schule kommt. Auch er wohnt »hintertupfig«: Die ersten acht Kilometer fährt er bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad und dann 20 Minuten mit dem Zug.

Er gibt zu, dass er mit dem Auto schneller wäre – wenn mal gerade kein Stau ist. Aber da er das Leben sowieso als hektisch empfindet, ist er von seinem Weg überzeugt. Es gelingt ihm, über sein Fahrradfahren beeindruckend zu erzählen. Die Klasse hört ihm gebannt zu. »Manchmal sehe ich Störche oder Eisvögel. Und frisch geborene Lämmchen. Einmal habe ich sogar einen Hermelin gesehen. Ich rieche die frische Luft, habe den Himmel über mir und fühle mich frei – warum sollte ich mich in eine Blechkiste setzen und die Luft verpesten?« Nils beeindruckt: Er redet nicht nur, er handelt auch – und wirkt dabei glücklich.

Im Matthäus-Evangelium ist über Jesus berichtet: »Er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. ... Geht aber hin und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Geister aus!« (Mt 10, 1.7-8)

Zwei Gaben und zwei Aufgaben erhalten die Christen: Vom Himmel reden und Zeichen setzen. Denn Reden allein überzeugt nicht. Nils zeigt, wie das geht. In der nächsten Woche sagt eine Mitschülerin: »Ich bin schon zweimal mit dem Rad zur Schule gekommen.« Nils grinst: »Geht doch!« Schulpfarrerin Beate Allmenröder, Willy-Brandt-Schule Gießen



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