15. April 2016, 12:13 Uhr

Raubüberfälle im Akkord

Gießen (sha). Drei Raubüberfälle in nur 25 Minuten – da kann man durchaus von Akkordarbeit sprechen. Nun wurden die Fälle vor Gericht verhandelt.
15. April 2016, 12:13 Uhr
Auch das Elefantenklo war am späten Abend des 7. März 2012 einer der Tatorte. (Foto: Oliver Schepp)

Für die Opfer waren es Erlebnisse, die sie noch wochenlang mit sich herumtrugen: Anfangs habe er Angst gehabt, abends unterwegs zu sein, sagte beispielsweise ein 46-Jähriger am Donnerstag vor einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts. Einer der beiden Täter – ein 25 Jahre alter abgelehnter Asylbewerber aus Algerien – wäre dennoch beinahe davongekommen. Erst Jahre später kamen Ermittler ihm über eine DNA-Spur auf die Schliche. Für ein Jahr und acht Monate muss der Mann nun ins Gefängnis.

Komplize packt aus

Der Angeklagte hatte die Überfälle mit einem Komplizen am späten Abend des
7. März 2012 begangen. Eigenen Angaben zufolge war er im Januar desselben Jahres illegal nach Deutschland eingereist. »Ich habe mich unter einem Laster versteckt«, schilderte er dem Gericht mithilfe eines Dolmetschers. Die Raubzüge aus Gießen blieben zunächst unentdeckt. Als sein Asylantrag im Mai abgelehnt wurde, sei er kreuz und quer durch Europa gezogen, sagte der Algerier. Nach Aufenthalten in Dänemark, Schweden, Norwegen, Frankreich und Belgien kam er 2015 wieder nach Deutschland zurück. Noch im gleichen Jahr wurde er wegen eines Diebstahls in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Bei der erkennungsdienstlichen Behandlung stellten die Ermittler fest, dass eine auf der Kleidung der Opfer aus Gießen gesicherte DNA-Spur zum Profil des Angeklagten passte. In der Zwischenzeit war auch der frühere Komplize des Mannes – ebenfalls ein Algerier – wegen einer anderen Straftat geschnappt worden. Er hatte auch die Überfälle in Gießen aus dem Jahr 2012 eingeräumt und dabei erwähnt, dass er einen Mittäter hatte.

Genau das wiederholte der 22-Jährige auch am Donnerstag. Auf Deutsch beschrieb der Mann, dass er den Angeklagten in einer Flüchtlingsunterkunft kennengelernt habe. Am Tattag hätten beide zunächst etwas getrunken. Als sie kein Geld mehr hatten, sei ihnen die Idee mit den Überfällen gekommen. Die Masche sei immer dieselbe gewesen: Der Angeklagte habe die Opfer von hinten gepackt und sie mit einem Arm gewürgt. Dabei habe der 25-Jährige »schon fest gedrückt«, sagte der jüngere Komplize von einst. Er selbst habe in dieser Zeit die Taschen der Opfer durchsucht.

Wie fest »gedrückt« wurde, berichtete ein 46-jähriger Mann, der von dem Duo in der Katharinengasse überfallen worden war: Er sei durch das Würgen sogar kurz ohnmächtig geworden und habe nur noch zwei Männer davonrennen sehen, als er wieder zu sich gekommen war Ein gleichaltriger Mann sowie ein 68-Jähriger – Opfer bei den Überfällen Nummer zwei und drei am Elefantenklo und in der Alicenstraße – bestätigten die »arbeitsteilige« Vorgehensweise der Täter.

Zwar hatte der 25-Jährige zu den Vorwürfen geschwiegen. Aufgrund der DNA-Spur und der Aussagen des Komplizen sah Staatsanwalt Alexander Hahn die Schuld des Mannes jedoch als erwiesen an. Er forderte zwei Jahre und einen Monat Gefängnis wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Verteidiger Christoph Fockenberg plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Richter Jürgen Seichter begründete die Gefängnisstrafe für den Angeklagten mit einer fehlenden günstigen Sozialprognose des abgelehnten Asylbewerbers.

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