27. März 2019, 22:04 Uhr

Rathaus wird zum Laufsteg

Erstmals wird die Modeschule Gießen ihre neuesten Kreationen nicht in der Willy-Brandt-Schule präsentieren, sondern im Rathaus. Entsprechend lautet auch das Motto der Show: »Hotel de Ville«.
27. März 2019, 22:04 Uhr

In einem Rathaus, und erst recht in einem Kulturrathaus wie dem in Gießen, gehen jeden Tag unzählige Menschen ein und aus. Manche arbeiten in ihren Büros, Paare lassen sich trauen, einige erledigen ihre Behördengänge, andere besuchen Konzerte, Ausstellungen oder die Stadtbibliothek. Diese alltägliche Vielfalt haben sich die angehenden Maßschneider und die Schüler der Fachoberschule Gestaltung an der Willy-Brandt-Schule als Thema ihrer Modenschau ausgesucht. Unter dem Motto »Hotel de Ville«, also dem französischen Wort für Rathaus, werden sie am Freitag, 5. April, in zwei Veranstaltungen um 17 und 20 Uhr erstmals das Rathaus-Atrium in einen Laufsteg verwandeln.

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen. Das 1., 2. und 3. Lehrjahr Maßschneider sowie die Fachoberschulklassen 11 und 12 machen mit. Insgesamt sind rund 70 Schüler eingebunden. Choreografien werden einstudiert und Kostüme genäht, die Sektbar organisiert, Instagram, Facebook und die Homepage www.modeschule-giessen.de müssen betreut und Moderationstexte geschrieben werden. Nachdem die jährlich stattfindende Modenschau der Modeschule Gießen im vergangenen Jahr ausfallen musste, sind die Schüler in diesem Frühjahr umso ambitionierter, eine gelungene Show auf die Beine zu stellen – und das bei freiem Eintritt.

Was die Besucher der beiden Modenschauen erwartet, wird bei einem Rundgang durch die Nähateliers der angehenden Maßschneider deutlich. Schülerin Sabine malt akribisch bunte Bordüren auf einen weißen Rock. Neben ihr steht ein Styroporkopf mit Federschmuck, den sie für ein mexikanisches Brautkleid braucht. Im Gang drapiert Outlander-Fan Nathalie die Falten einer schwarz-grün-karierten Schleppe für ein schottisches Brautkleid. Mitschülerin Rebekka näht die Corsage für ihr Elfenbrautkleid im isländischen Stil und Ivonne will eine iranische Braut ganz in Rot einkleiden.

»Sécretaire très chic«

Prächtige Abendkleider entstehen im Nebenraum, wobei der Schwerpunkt auf der exakten Anfertigung einer Corsage liegt. Olga hat sich eigens aus Moskau Stoff, schwarz mit buntem Blumendekor, schicken lassen, um daraus eine Robe mit sorgfältig in Falten gelegtem Rock zu nähen – alles auf ihre eigenen Maße geschneidert. Schließlich lautet das Motto ihrer Gruppe für die Modenschau »Les Robes des Cultures«. Aber auch »Sécretaire très chic« werden mit bürotauglichen Kleidern in A-Linie bei der Modenschau zu sehen sein. Unter dem Motto »Madame Moustache« wandeln Geschäftsfrauen mit androgynen Bärten durchs Rathaus und unter dem Slogan »Transparente Persönlichkeiten« werden Schüler der Fachoberschule das Thema Digitalisierung mit avantgardistischen Modellen aufgreifen.

Dass die Modeschule Gießen ihre Modenschau nicht in der Schule, sondern zum ersten Mal im Rathaus veranstaltet, ist zwar eine aparte Idee ganz nach dem Motto »Raus aus der Schule, rein in die Stadt«, aber eben auch eine logistische Herausforderung. »Wir haben schon auch ein bisschen Bammel«, bringt es Lehrerin Sybille Toscher auf den Punkt. Schließlich ist die Infrastruktur vor Ort nicht wirklich modenschaugeeignet. Alles ist ein Riesenaufwand für Schüler und Lehrer. Vor Ort gibt es keine Bügelanlagen und die als Umkleiden zu nutzenden Räume sind mit ihren Glasfronten leicht einsehbar, müssen abgehängt werden. Kleiderständer voller Kostüme und alle anderen Requisiten müssen von der Willy-Brandt-Schule ins Rathaus transportiert werden und auch an der von den Schülern betreuten Sektbar können keine Gläser gespült werden.

Und dann ist da auch noch die Begrenzung auf maximal 300 Besucher pro Modenschau. Wer erlebt hat, wie früher schon einmal bis zu 500 Besucher pro Modenschau in der Willy-Brandt-Schule begeistert mitgefeiert haben, der kann verstehen, warum diesmal im Rathaus eigens zwei Türsteher dafür sorgen sollen, dass auch tatsächlich nicht mehr als die erlaubten 300 Besucher pro Vorstellung hereinkommen. »Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Beginn«, gibt Sybille Toscher einen Tipp. Wer rechtzeitig kommt, hat also die besten Chancen, auch tatsächlich live zuschauen zu können. Wer es nicht schafft, kann sich allerdings trösten: Im Nachhinein sollen auf der Homepage der Schule (www.modeschule-giessen.de) bewegte Bilder einen Eindruck von den beiden Modenschauen vermitteln.

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