23. Januar 2009, 23:46 Uhr

Rasante Staplerfahrt in die »Champions League«

Gießen (jri). Christian Adamus arbeitet als Fachkraft für Lagerlogistik bei »Lilly Pharma« im Gießener Teichweg und ist der Beste von über 2000 Prüflingen seines Ausbildungszweiges in Deutschland.
23. Januar 2009, 23:46 Uhr
Über Christian Adamus’ Erfolg (links) freuen sich auch Markus Penzenstadtler (Ausbildungsverantwortlicher Logistik), Christine Krug (Lilly-Personalleiterin), Hans-Joachim Danne (IHK-Ausbildungsberater) und Martin Hollick und Dr. Dieter Katz (Berufsschullehrer). (Foto: jri)

Gießen (jri). Stapler fahren ist eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Lagerbestände am Computer zu kontrollieren, neue Waren entgegen zu nehmen oder Lastwagen zu beladen bereitet Christian Adamus ebenso viel Freude. Der ehemalige Philosophiestudent genießt die Abwechslung an seinem Arbeitsplatz in vollen Zügen. »Ich habe meinen Traumberuf gefunden«, lacht der 26-Jährige, der als Fachkraft für Lagerlogistik bei »Lilly Pharma« im Gießener Teichweg arbeitet. Und was man gerne macht, macht man meistens gut. Im Falle von Adamus sogar spektakulär gut: Der junge Mann aus Watzenborn-Steinberg ist der Beste von über 2000 Prüflingen seines Ausbildungszweiges in Deutschland.

»Christian spielt eindeutig in der Champions League«, loben ihn seine ehemaligen Lehrer Dr. Dieter Katz und Martin Hollick von der Friedrich-Feld-Berufsschule. 18 Mal die Note »sehr gut« steht in Adamus’ Abschlusszeugnis - sowohl in den berufsbezogenen Fächern wie »Güter kommissionieren« oder »Touren planen« als auch in den allgemeinen Lernfächern wie Deutsch oder Politik/Wirtschaft. Bei der Abschlussprüfung, die von der Industrie- und Handelskammer (IHK) abgenommen wurde, erreichte er 98 von 100 möglichen Punkten. Sogar Arbeitsminister Olaf Scholz gratulierte dem bescheiden und zurückhaltend wirkenden Lagerlogistiker, der in seiner Freizeit eher ruhigere Hobbys wie Lesen und Musik hören bevorzugt, und überreichte ihm in Berlin die Auszeichnung als »Bundesbester«.

»Ich wollte endlich etwas Handfestes machen«, erklärt Adamus, warum er nach sechs Semestern Schopenhauer, Kant und Co. den »Laufpass« gab und sein Philosophiestudium abbrach. Und weil er »erstens nicht nur am Schreibtisch sitzen« wollte und zweitens »kein Talent zum Verkäufer« habe, fiel seine Wahl schnell auf die »Fachkraft für Lagerlogistik«, als er sich bei der Agentur für Arbeit über mögliche Ausbildungsberufe informierte. Diese Entscheidung hat er bis heute nicht bereut. »Christian ist für uns eine absolute Bereicherung. Er arbeitet pragmatisch und analytisch zugleich«, lobt ihn Christine Krug, die bei Lilly für Personal und Ausbildung verantwortlich ist. Sie hat den 26-jährigen Musterschüler nach der Ausbildung in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Bei dem Pharmaunternehmen, das derzeit 30 Lehrlinge in acht Berufsbildern beschäftigt, kann sich Adamus nun richtig »austoben«: Lilly betreibt in Gießen ein riesiges logistisches Medikamenten-Drehkreuz und verschickt rund 40 Millionen Medikamentenpackungen an 5000 Kunden in Europa.

IHK-Ausbildungsberater Hans-Joachim Danne ist ebenso glücklich über den Erfolg des Studienabbrechers, der sich für philosophische Spitzfindigkeiten nicht begeistern konnte und konsequent einen neuen Weg ging: »Viele junge Menschen lernen einen Beruf nicht deshalb, weil er ihren Neigungen entspricht, sondern weil sie nichts anderes bekommen oder weil es die Eltern so wollen. Das sind keine guten Voraussetzungen«, sagt er. Danne lobte zugleich die Arbeit der Berufsschullehrer Katz und Hollick, die sich »sehr engagieren und einen engen Draht zu ihren Schülern haben«. Die Zahlen sprechen für sich: Als Katz vor zehn Jahren als »Pionier« begann, Lagerlogistiker zu unterrichten, hatte er gerade einmal sieben Schüler zu betreuen. 2009 sind es nun rund 200 junge Menschen aus Mittelhessen, die in diesem Beruf dual ausgebildet werden und den schulischen Teil ihrer Lehre an der Friedrich-Feld-Berufsschule absolvieren.

»Die Schule ist auch das Einzige, was ich jetzt vermisse«, sagt Adamus, der nach eigenen Worten in »eine sehr lustige Klasse« gegangen ist.

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