09. Januar 2014, 18:18 Uhr

Randale im Streifenwagen: Geldstrafe

Gießen (sha). Ein sturzbetrunkener Mann verweigert nachmittags im Seltersweg eine Ausweiskontrolle, randaliert im Streifenwagen, attackiert die Beamten und macht noch in der Arrestzelle der Polizeistation am Berliner Platz Krawall. So lässt sich zusammenfassen, was die Staatsanwaltschaft einem 49-Jährigen vorwirft.
09. Januar 2014, 18:18 Uhr
(Foto: Red)

Der Mann aus Kasachstan musste sich am Donnerstag vor einer Strafrichterin des Gießener Amtsgerichts verantworten.

Dass sich die Verhandlung über etwa drei Stunden hinzog, lag unter anderem an der Uneinsichtigkeit des Angeklagten, der sich mehr als Opfer denn als Täter zu sehen schien. Die Polizisten hätten ihm erklären sollen, weshalb sie seinen Ausweis sehen wollten - »dann wäre alles nicht passiert«, schilderte der seit 1998 in Deutschland lebende Mann mit Hilfe einer Dolmetscherin. Ein als Zeuge geladener Beamter betonte hingegen, dass es »weder am noch im Streifenwagen möglich war, mit dem Mann ein Gespräch zu führen«. Kein Wunder: Bei dem Gerüstbauer war ein Blutalkoholwert von mindestens 2,5 Promille festgestellt worden. An den Anlass für die Ausweiskontrolle konnte oder wollte sich der 49-Jährige nicht mehr erinnern. Eine Passantin habe bei der Leitstelle angerufen, weil sie sich von einem Mann »mit brauner Lederjacke« belästigt gefühlt hatte, informierte der Zeuge.

Spucken und Treten

Er und sein Kollege seien auf den Seltersweg gefahren, wo die Frau sie auf den Angeklagten aufmerksam gemacht habe. Noch während er sich mit der Anruferin unterhielt, habe es »Probleme« zwischen seinem Kollegen und dem Gießener gegeben, berichtete der Polizist. Da der Mann immer wieder versuchte, sich loszureißen, seien ihm Handschellen angelegt worden. Im Auto bespuckte der Angeklagte die Beamten sowie den Fahrgastraum und trat nach allem, was er erreichen konnte. Auch in Richtung des Kopfes des Beamten, der den Streifenwagen steuerte. Um einen Unfall zu verhindern und den Mann irgendwie unter Kontrolle zu bringen, habe er dem 49-Jährigen »zwei bis drei Faustschläge« verpasst, äußerte der Beamte. Weitere Polizisten berichteten, dass der Mann sie sowohl im Auto als auch später auf der Wache unentwegt beleidigt und verbal bedroht hatte. Die Behauptung des Gießeners, keine deutschen Schimpfwörter zu kennen, ließ Richterin Antje Kaufmann jedoch nicht gelten, »da Sie fast 16 Jahre hier leben«. Zudem beschwerte sich der Angeklagte, dass die Handschellen sehr eng eingestellt gewesen seien und ihm große Schmerzen bereitet hätten. Der Mann habe seine Arme immer wieder hochgerissen, berichtete der Polizist. Um sich vor möglichen Schlägen zu schützen, seien in dieser »Stresssituation, in der in Sekunden Entscheidungen fallen müssen«, die Handschellen eingesetzt worden, erläuterte der Beamte die zahlreichen Fragen der Verteidigung. Die erklärte nach einem Rechtsgespräch, ihr Mandant räume die Vorwürfe weitestgehend ein.

Das Gericht verurteilte den nicht vorbestraften Angeklagten unter anderem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte sowie versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2100 Euro.



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