26. Juli 2012, 20:53 Uhr

Radfahrer dürfen trotz Radweg auf die Fahrbahn

Gießen (pm). Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Gießen weist auf eine neue Verkehrsregelung an der Rodheimer Straße in der Weststadt hin: Ab der Bushaltestelle »Hessenhalle« können Radfahrer nun frei wählen, ob sie auf dem schmalen Radweg oder ganz legal auf der Fahrbahn in Richtung Innenstadt fahren wollen.
26. Juli 2012, 20:53 Uhr
Über die Sachsenhäuser Brücke dürfen Radler stadteinwärts jetzt auf der Fahrbahn rollen. Grund: Rad- und Gehweg rechts sind offiziell zu schmal. (Foto: kw)

Zu erkennen ist die neue Regelung daran, dass die blauen Schilder mit weißem Fahrradsymbol entfernt wurden, die bisher den Radfahrern vorschrieben, den Radweg zu nutzen.

Grund für die neue Verkehrsführung sei der viel zu schmale Radweg auf der Sachsenhäuser Brücke, der oftmals auch von Fußgängern betreten werde, weil auch auf dem Gehweg zu wenig Platz sei, so der ADFC. Aufgrund der dadurch entstehenden Konflikte und rechtlichen Vorgaben des Bundes sei die Stadt gezwungen gewesen, die Radwegebenutzungspflicht aufzuheben. Die Stadtverwaltung habe damit eine lange bestehende Forderung des ADFC umgesetzt. Denn die Beschilderung hätte eigentlich schon 1997 geändert werden müssen, als die damalige »Radverkehrsnovelle« der Straßenverkehrsordnung in Kraft trat. Eine weitere Forderung des Vereins, auch die Busspur für den Radverkehr freizugeben oder einen Radfahrstreifen anzulegen, sei jedoch bis heute nicht erfüllt, »auch wenn dies problemlos möglich wäre«, so der ADFC.

»Wer also den Radweg nicht mehr befahren möchte, muss derzeit die rechte Fahrspur stadteinwärts nutzen und sollte dabei nicht zu weit rechts fahren, da auf der danebenliegenden Busspur die Linienbusse mit hoher Geschwindigkeit überholen«, rät der ADFC-Kreisvorsitzende Hartwig Leuer allen Radfahrern, die die neue Freiheit nutzen wollen. Nach Ansicht des ADFC ist das Fahren auf der Fahrbahn auch besonders sicher: Radfahrer würden dort besser wahrgenommen als auf Radwegen und könnten problemlos auf der linken Spur überholt werden. Gerade an den Einmündungen Schlachthofstraße und Lahnstraße steige die Sicherheit der Radfahrer, wenn diese auf der Fahrbahn unterwegs sind. Dies habe die Unfallforschung ergeben.

Der ADFC empfiehlt daher vor allem den schnellen Radfahrern, die in Richtung Innenstadt unterwegs sind, in Zukunft nicht mehr den Radweg, sondern die Fahrbahn zu benutzen. Dass dieser Rat bei vielen Verkehrsteilnehmern für Unverständnis sorgen wird, ist der Gießener Radfahr-Lobby durchaus bewusst: »Die meisten Radfahrer fühlen sich im Seitenbereich der Straße sicherer, weil sie Angst haben, dass Autos sie auf der Fahrbahn von hinten anfahren könnten. Dabei sorgt vor allem Sichtbarkeit für Sicherheit. Und Radfahrer sind nirgendwo so gut sichtbar wie direkt auf der Fahrbahn, wo der Autofahrer sie im Blick hat. Daher ist das Fahren auf der Fahrbahn innerorts meist am sichersten«, so der ADFC Gießen.

Trotz alledem ist sich der Verein bewusst, dass er nicht alle Radfahrer wird überzeugen können, die Fahrbahn zu nutzen, denn diese verhielten sich sehr unterschiedlich: Das Spektrum reiche von Menschen, die das Rad als Gehhilfe nutzen, bis zu Rennradlern, die innerorts genau so schnell sind wie Autofahrer. Insofern begrüßt der ADFC die neue Wahlfreiheit.

Einzig an der Bushaltestelle »Hessenhalle« sieht der Verband noch Probleme, denn Autofahrer erwarteten nicht, dass Radfahrer vom Radfahrstreifen auf die Fahrbahn wechseln. »Dort muss unbedingt die Markierung angepasst werden, sofern die Stadt nicht auch die Radwegebenutzungspflicht im davor liegenden Teil der Rodheimer Straße aufhebt«, so Leuer, der darauf verweist, dass die Rad- und Fußwege auch in diesem Bereich viel zu schmal seien.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos