12. April 2018, 15:30 Uhr

Verdi-Warnstreik

Protestzug für mehr Geld

Rund 1800 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sind am Donnerstagmorgen auf die Straße gegangen. Sie beteiligen sich am Warnstreik der Gewerkschaft Verdi, die für die 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten bei Bund und Kommunen unter anderem auf mehr Geld pocht.
12. April 2018, 15:30 Uhr
Mindestens 100 Euro mehr für Azubis und Praktikanten fordern die Demonstranten. Das ist ist aber nur ein Ziel, das durch den Warnstreik erreicht werden soll. (Foto: Schepp)

»Wenn die Arbeitgeber so weitermachen, gibt es bald richtig Ärger!« Tosender Applaus brandet auf, als der Verdi-Sprecher auf dem Lindenplatz diesen markigen Satz ins Mikrofon ruft. Rund 1800 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sind an diesem Donnerstagmorgen statt zur Arbeit auf die Straße gegangen. Sie beteiligen sich am Warnstreik der Gewerkschaft Verdi, die für die 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten bei Bund und Kommunen unter anderem auf eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung und Praktikumsentgelte um 100 Euro pro Monat pocht. Weitere Forderung: Sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat für die Tarifbeschäftigten. Ein Ansinnen, das die meist jungen Leute mit abwaschbarer Farbe auch immer wieder auf die Gießener Straßen sprühen.

Der dritte große Warnstreiktag hatte für viele Teilnehmer schon in den frühen Morgenstunden begonnen. Aus ganz Mittelhessen reisten sie an, um sich pünktlich um 8 Uhr einen der beiden Protestzüge anzuschließen. An der Vitos-Klinik in der Licher Straße trafen sich die dortigen Beschäftigten mit den Kollegen vom Landratsamt, um stadteinwärts in Richtung Lindenplatz zu marschieren. »Wir sind es wert«, war auf vielen Plakaten und Fahnen zu lesen. Wegen des Protestzugs über die in den Morgenstunden stark frequentierten Straßen bildete sich eine lange Autoschlange. Somit blieben viele Unbeteiligte ebenfalls der Arbeit fern – wenn auch für einen überschaubaren Zeitraum.

Es haben sich viele Gruppen angeschlossen, mit denen wir gar nicht gerechnet hatten

Gewerkschaftssekretär Julian Drüsenbaum

Den rund 120 Demonstranten schlossen sich auf dem Weg in die Stadt weitere Beschäftigte an. Am Lindenplatz stießen sie mit dem Protestzug zusammen, der sich vom Firmensitz der Stadtwerke in der Lahnstraße u.a. durch die Fußgängerzone geschlängelt hatte. Zusammen ging es dann zur Agentur für Arbeit, wo eine erste Kundgebung gehalten wurde. Auch vor dem Rathaus und dem Hauptsitz der Sparkasse wurden Reden gehalten.

Mit ihrem Warnstreik haben die Beschäftigen ihre Arbeitgeber teils stark beeinträchtigt. So blieben zum Beispiel städtische Kitas und Schwimmbäder geschlossen, auch das Stadtbüro war verwaist. Mitarbeiter der Stadtwerke, der Arbeiterwohlfahrt, der Sparkasse sowie der Straßenreinigung protestierten ebenfalls für bessere Bezahlung.

 

Kundgebung am Lindenplatz

 

Um kurz vor 11 Uhr schob sich der vereinte Protestzug dann durch den Seltersweg. Mit Trillerpfeifen, Musik und Protestgesängen sorgten die Teilnehmer für viel Aufsehen. Passanten blieben stehen und schossen Fotos, Anwohner verfolgten das Treiben von ihren Fenstern aus. Die letzten Meter bis zum Lindenplatz, wo wenig später die Abschlusskundgebung stattfinden sollte, nahmen die Protestler im Sprint.

Auf der kleinen Bühne sprachen dann nicht nur Verdi-Vertreter, sondern auch Auszubildende und Betriebsratsmitglieder der vom Warnstreik betroffenen Einrichtungen. Gewerkschaftssekretär Julian Drüsenbaum zog ein positives Fazit. »Es haben sich viele Gruppen angeschlossen, mit denen wir gar nicht gerechnet hatten. Das ist ein großer Erfolg.« Ob sich am Ende auch die Beschäftigten freuen dürfen, wird vom Ausgang der Tarifverhandlungen abhängen.

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