22. Februar 2009, 23:12 Uhr

»Proseccos« zauberten Sommer auf die Bühne

Gießen (srs). Die 600 Gäste der Prunksitzung der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) erlebten am Samstagabend in der Kongresshalle ein äußerst vielseitiges, kurzweiliges Programm. Vier Stunden lang unterhielten Büttenredner, das mitreißende Künstler-Duo »Mark’n’Simon« sowie im Besonderen die hauseigenen Tanz- und Gesangsformationen der GFV das Publikum.
22. Februar 2009, 23:12 Uhr
Das Duo »Mark’n’Simon« begeisterte beispielsweise mit einer Parodie auf Joe Cocker.

Gießen (srs) Der hessische Innenminister Volker Bouffier tanzte Limbo auf der Bühne, Büttenredner »Till« alias AZ-Feuilleton-Redakteur Hans-Peter Gumtz ließ den Wortwitz des großen Komödianten Heinz Erhardt aufleben. Und »Wolfgang Amadeus Mozart« schmetterte Sinatras »New York« - während ihm plötzlich die Arme meterlang wuchsen. Die 600 Gäste der Prunksitzung der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) erlebten am Samstagabend in der Kongresshalle ein äußerst vielseitiges, kurzweiliges Programm. Vier Stunden lang unterhielten Büttenredner, das mitreißende Künstler-Duo »Mark’n’Simon« sowie im Besonderen die hauseigenen Tanz- und Gesangsformationen der GFV das Publikum. Eine Institution der Gießener Prunksitzung indes ließ sich in diesem Jahr entschuldigen: der nicht zu ersetzende »Schlammbeiser« Axel Pfeffer.

Die Lichter im Saal erloschen. Nach drei Gongschlägen öffnete sich der Vorhang. Und mit Trommel- und Paukenwirbel läutete das Musikcorps Großen-Linden um 20.11 Uhr die Prunksitzung ein. Die zehn Musiker standen auf der Bühne im Dunkeln, so dass nur die grün leuchtenden Schlagstöcke zu sehen waren. Unter lauten »Helau«-Rufen hielt dann das Prinzenpaar samt Hofstaat Einmarsch. Nach einer Lobeshymne beförderten Frauke I. und Joachim I. Generalhofmarschall Thomas Hofmann zum Generaloberhofmarschall.

Sommerliche Stimmung verbreiteten die Damen der »Proseccos«. Zwar betraten sie die Bühne zunächst in Regenjacken. Doch warfen sie diese nach wenigen Sekunden ins Publikum. In bunten Sommerkleidern begannen sie zu singen und zu tanzen. In einem aus Papier gebastelten Flugzeug unternahmen sie eine musikalische Reise »Über den Wolken« und »Ab in den Süden«. Schließlich holten die Damen Innenminister Volker Bouffier, Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann und GFV-Präsident Franz Koch nach oben - zu einem Limbo-Tanz.

In die Bütt stieg als erster Hans-Peter Gumtz alias »Till«, der sich unter anderem der neuen politischen Farbenlehre in Hessen widmete: »Hessens Farben sind Rot-Weiß. Jetzt regieren Schwarz-Gelb-Blau. Die Fastnachtsfarben, wie zum Beweis, Hessen-Narrenland, Helau.« Die Finanzkrise mahne unterdessen zu Bescheidenheit - auch beim Lottospielen: »So freu ich mich, wenn dreimal richtig, und sage dafür vielen Dank. Bescheiden bleiben, das ist wichtig, ich acker ja nicht bei der Deutschen Bank.« Für Lacher sorgte »Till« außerdem, indem er Klassiker Heinz Erhardts vortrug, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Weitere Büttenreden hielten Sonny und Helmut Koch, Klaus Freier als »Warentester« sowie »Muttersöhnchen« Frank Böhme, der nach kurzer Zeit in einer Wohngemeinschaft mit drei Frauen erkannte: »Irgendwas war wohl nicht klar - jetzt wohn ich wieder bei Mama.« Die Büttenredner regten zum Lachen und Schmunzeln an. Dennoch wurde eine traditionelle Zutat vermisst: Pfeffer. Seit drei Jahrzehnten nimmt »Schlammbeiser« Axel Pfeffer auf der Prunksitzung das Stadtgeschehen mit spitzer Zunge aufs Korn. Der routiniert durch das Programm leitende Sitzungspräsident Werner Nohl nahm sich viel Zeit, ihn zu entschuldigen (siehe Kasten) und äußerte sich hoffnungsvoll fürs nächste Jahr: »Ich bin sicher, dass er nächstes Mal wieder dabei ist.«

Sämtliche Tanzformationen der GFV feierten bejubelte Auftritte. Die Midis bewegten sich zu Klängen unter anderem aus dem Film »High School Musical«. »Ihr seid auf meiner Hitliste die Nummer 1«, lobte Sitzungspräsident Nohl. Zu überzeugen wussten auch die drei Tanzmariechen Anika Hain sowie Elena und Stefanie Fischer. Die Kadetten rührten mit einem von der Geschichte »Peter Pan« inspirierten Tanz. Anschließend sangen sie gemeinsam mit Bärbel Nohl das Lied »Ein schöner Tag«. Für die junge Tänzerin Selina Mattern, die am Samstag ihren 8. Geburtstag feierte, stimmten die Gäste ein Ständchen an. Weitere Auftritte boten das Artilleriekorps, die Möhnen und das Tanzpaar der GFV, Lena Preis und Marco Hofmann.

Einen hochklassigen Auftritt bot das Duo »Mark’n’Simon«. Die aus Wales und Irland stammenden Künstler Mark Nicholas und Simon Elmore imitierten unter anderem Joe Cocker sowie »Simon & Garfunkel«. Als Mozart verkleidet begeisterte Nicholas mit einer Interpretation von »New York«, wobei er dabei immer wieder für einige Sekunden die Stimme Herbert Grönemeyers parodierte. Während er sang, wuchsen aus seinen Ärmeln zum Vergnügen des Publikums die Arme immer weiter und weiter in die Länge, so dass er am Ende die halbe Bühne umarmte.

Bärbel Nohl animierte mit den Liedern »Rot, rot, rot sind die Rosen« und »Kornblumenblau« die Gäste zum Schunkeln. Musikalisch begleitete den Abend darüber hinaus die Formation »Nobody is perfect«. Zum Finale kurz vor Mitternacht besangen »Voices Eleven« den Wilden Westen, die Pariser »Mausefalle« und die »Fassenacht in Gießen - das schönste Fest der Welt«. Anschließend tanzten die Gäste bis in die frühen Morgenstunden auf dem Parkett zu Klängen der Band »Simply Good«.

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