27. Oktober 2019, 17:41 Uhr

Post für Helge Braun

27. Oktober 2019, 17:41 Uhr
Dietmar Jürgens spricht bei der Kundgebung für die Initiative »Gießen 2035Null«. (csk)

Eigentlich wollen die Aktivisten nicht warten. Genau das müssen sie am Samstag auf dem Kirchenplatz aber. Gerade hat Sandra Herrmann von den »Parents/People for Future« die rund 70 Teilnehmer der Klimaschutz-Kundgebung begrüßt, da setzt das Glockengeläut ein. Als der Stadtkirchenturm Ruhe gibt, werden die Protestanten laut. Sie fordern »die Verlangsamung des Klimawandels« und ein beherzteres Handeln der Politik. Ihren Protest adressieren sie vorrangig an Landesregierungen und Kommunen. Höhere Ebenen hätten wiederholt versagt. »Leider sind die Handlungen der Verantwortlichen auf bundespolitischer Ebene eher ein schüchternes, zaghaftes Voranschleichen«, kritisiert Herrmann etwa das heiß diskutierte Klimapaket.

Neben Ideen, wie ein »zukunftsfähiges Gießen« aussehen könnte, sammeln die Protestanten auch Unterschriften für einen offenen Brief. Gerichtet ist er an Kanzleramtschef Helge Braun. Von dem Bundesminister und Mitglied des Klimakabinetts wünschen sich die Unterzeichner »den Mut, so zu handeln, wie es die Zukunft, die wir den jungen Menschen hierzulande und auf dem gesamten Planeten bieten möchten, erfordert«. »Viele Menschen in diesem Lande« seien bereit, radikalere Entscheidungen der Politik mitzutragen, umzudenken, Lebensgewohnheiten umzustellen. Weil der Bund zögere, müssten Länder und Kommunen in die Bresche springen, erklärt Herrmann und nennt den Ausbau klimafreundlicher Mobilität sowie die Förderung von Solaranlagen als Maßnahmen. Dass Zielkonflikte dabei nicht immer ausbleiben, zeigt die Rede von Stefanie Plüschke. »Es kann nicht sein, dass wir für Windenergie die Wälder zerstückeln«, erklärt die Sozialpädagogin. Die Energiewende müsse daher stärker Solar- sowie Mikrowindanlagen fördern, die auf Dächern montiert werden. »Wir können nicht mehr warten«, plädiert auch Plüschke für unverzügliches Handeln. Unter den zahlreichen weiteren Punkten, die sie aufzählt, sind mehr gasgetriebene Mobilität, ein Stopp von Flächenversiegelungen, regionaler und saisonaler Konsum und die Unterstützung ökologischer Landwirtschaft.

»An einem Wendepunkt« sieht Dietmar Jürgens die Gießener Politik und zugleich den Klimaschutz insgesamt. Dass der Antrag der Bürgerinitiative »2035Null« unlängst vom Stadtparlament angenommen wurde, sei ein erster Schritt. Ab sofort gehe es darum, »Verbindlichkeit herzustellen«. Und wenn sich mehr Menschen für den Klimaschutz engagierten, könne man eben größeren Druck erzeugen. Dieser Druck, so Jürgens, sei nach wie vor bitter nötig: »Je länger wir warten, desto dramatischer wird die Entwicklung sein.«

Einen weiteren Redebeitrag liefert Dorothea von Ritter-Röhr. In ihrer Jugend, räumt die Vertreterin der »Omas gegen Rechts« ein, seien viele »mit anderen Themen beschäftigt« gewesen, zum Beispiel mit dem Kampf um die Gleichberechtigung der Frau und jenem gegen die atomare Aufrüstung. Heute könne vor der Klimakrise freilich »keiner mehr die Augen verschließen«. Musikalisch begleitet Jürgen Krist die Demo mit »Liedern über die Einzigartigkeit des Lebens«.

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