18. Mai 2016, 19:23 Uhr

Pohland-Insolvenz: Was wird aus der Filiale im Seltersweg?

Gießen (pd). Noch zu Jahresbeginn hatten sich die Händler im Seltersweg darüber gefreut, dass der letzte Leerstand auf dem »Boulevard der Marken« beendet wird. Jetzt steht ein prominenter Standort auf der Kippe. Am Mittwoch hat der Kölner Herrenausstatter Pohland Insolvenz angemeldet.
18. Mai 2016, 19:23 Uhr
Vierzehn Monate nach der Eröffnung steht die Pohland-Filiale im Seltersweg schon wieder auf der Kippe. (Foto: Schepp)

Betroffen ist auch die Gießener Filiale, die Ende März 2015 im Seltersweg 83 auf einer Verkaufsfläche von 2100 Quadratmetern ihre Eröffnung gefeiert hatte. Für Kunden und Mitarbeiter des Herrenausstatters hat die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens erst einmal keine Konsequenzen. »Die Filialen bleiben zunächst geöffnet«, bekräftigte eine Sprecherin der Kanzlei Kübler, die den Herrenausstatter vertritt, auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Die Löhne der rund 230 Mitarbeiter seien für die kommenden Monate gesichert. Als Grund für die Insolvenzanmeldung in Eigenverwaltung wurde der Rückzug des »maßgeblich beteiligten strategischen Investors« genannt.

Nun werde für jede einzelne Filiale eine betriebswirtschaftliche Analyse durchgeführt, heißt es aus Köln weiter. »Im Zuge des Verfahrens soll das Unternehmen restrukturiert und wieder rentabel gemacht werden«, so die Sprecherin. Nach einer ersten Einschätzung arbeiten »nicht alle der zwölf Filialen kostendeckend«. Vor allem die schon lange bestehenden Niederlassungen arbeiteten erfolgreich, so die Analyse. Während im Bereich Damenbekleidung Filialhäuser in guter Lage auch von ihrer Laufkundschaft leben könnten, seien Herrenbekleidungshäuser maßgeblich auf Stammkundschaft angewiesen, »die langfristig aufgebaut und an den jeweiligen Standort gebunden werden muss«. Die für die Gießener Filiale wenig beruhigende Schlussfolgerung: Ein neuer Standort benötigt bis zu zwei Jahre, ehe er rentabel arbeitet. Der Gießener Filialleiter Thomas Winkler mochte am Mittwochnachmittag keine Stellungnahme zur aktuellen Situation abgeben. Pohland war vor 14 Monaten in das traditionsreiche Gebäude im Seltersweg 83 gezogen, in dem zuvor jahrzehntelang die Ferbersche Universitätsbuchhandlung ihren Sitz hatte und anschließend mit »The Sting« fünf Jahre lang ein Anbieter trendiger und sportlicher Bekleidung beheimatet war.

Das Unternehmen Pohland war 1958 durch Hans Pohland gegründet worden. Wirtschaftliche Probleme hatte es bereits in der Vergangenheit gegeben. 2007 hatte der Handelskonzern Douglas sein defizitäres »Sorgenkind« an die Münchener Industrieholding Aurelius verkauft. Wegen des kurzfristigen Ausstiegs von Aurelius musste Pohland bereits 2009 Insolvenz anmelden und wurde anschließend mit sechs Filialen fortgeführt.

Das BID Seltersweg äußert sich in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend. Vorsitzender Heinz-Jörg Ebert: »Zum Standort Gießen wurden keine dezidierten Aussagen getroffen. Von daher erübrigt sich eine Einschätzung unsererseits.« Zudem sei zu lesen, dass das Unternehmen in Eigenverantwortung wieder rentabel gemacht werden.

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